Stichwörter: Antoniter
Im späten 11. Jahrhundert litten viele Menschen in Europa an Vergiftungen durch Mutterkorn. In Burgund suchten zahlreiche dieser Kranken Beistand bei den Reliquien des heiligen Eremiten Antonius. So entstand in Saint Antoine bei Grenoble eine Bruderschaft von Laien, die sich um die kranken Pilger kümmerten. Die Antoniter gründeten in ganz Europa Spitäler zur Behandlung der am Antoniusfeuer Erkrankten. 1247 übernahmen die auch Hospitaliter genannten Brüder die Regel des hl. Augustinus und wurden zum Orden der Regularkanoniker vom hl. Antonius. Ab 1297 unterstanden alle Niederlassungen, Häuser oder Präzeptoreien genannt, zentral dem Stammkloster St. Antoine. Jedes Haus umfasste als Sammelgebiet für seine Spendenaktionen, das so genannte Terminieren, mindestens eine Ballei im Umfang einer Diözese. Kuriosum des Ordens waren seine Antoniussschweine; sie liefen frei in den Städten umher, ernährten sich von Küchenabfällen und wurden regelmäßig zur Versorgung der Armen geschlachtet.
Im späten Mittelalter gelangten die Antoniter zu großem Wohlstand. Matthias Grünewald schuf seinen heute weltberühmten Isenheimer Altar für ein Antoniterspital. Der vor allem im deutschen Sprachraum blühende Orden verlor hier in der Reformationszeit meisten seiner Niederlassungen. 1774 beschloss das Generalkapitel der Antoniter die Union mit den Maltesern.
Literatur: Lexikon für Theologie und Kirche. Begründet von Michael Buchberger. Dritte völlig neu bearbeitete Auflage, hrsg. von Walter Kaspar u.a., Freiburg u.a. 1993, Band 1, Sp. 783;
Mischlewski, Adalbert: Die Niederlassungen des Antoniterordens in Bayern, in: Backmund, Norbert: Die Chorherrenorden und ihre Stifte in Bayern, Passau 1966, S. 233-242.
Aus: Klöster in Bayern (www.hdbg.de/kloester)