Biografien
Menschen aus Bayern

Wilhelm "Willy" Aron Jurist (Gerichtsreferendar), Kämpfer der Arbeiterbewegung

geboren: 03.06.1907, Bamberg
gestorben: 19.05.1933, Dachau

Wirkungsort: Bamberg

Willy Aron wurde in Bamberg geboren und wählte wie sein Vater die juristische Laufbahn. Obwohl er einer wohl situierten deutsch-jüdischen Familie entstammte, begeisterte sich Aron schon in jungen Jahren für die Arbeiterfrage. Mit 14 Jahren trat er der Sozialistischen Arbeiterjugend bei. Nach seinem Jurastudium in Erlangen, Würzburg und München trat er eine Stelle als Gerichtsreferendar in Bamberg an. Ab 1923 gehörte Willy Aron der Leitung der republikanischen Organisation "Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold" an, die den Kampf mit der SA in heftigen Straßenkämpfen aufnahm. 1932 beteiligte sich Willy Aron an der Verteidigung einiger verhafteter Reichsbanner-Mitglieder. Nach dem Reichstagsbrand am 27. Februar 1933 äußerte Aron im jugendlichen Überschwang ganz offen, dass diese Tat von den Nationalsozialisten selbst begangen wurde. Anschließend konnte er sich nicht mehr gefahrlos auf die Straße wagen. Am 11. Mai 1933 kam er mit 16 anderen KPD und Reichsbanner-Mitgliedern in Haft und wurde am 15. Mai nach Dachau überführt. Als erstes Opfer aus Bamberg wird er im Konzentrationslager zu Tode geprügelt. Heute gedenkt Bamberg seinem Sohn Willy Aron als prominentes Beispiel für Zivilcourage und Widerstand gegen das NS-Regime.

Aron wurde als Sohn des deutsch-jüdischen Justizrates Albert Aron (1871-1942) und dessen Frau Bertha geb. Freudenberger (1880-1942) in Bamberg geboren. Er blieb das einzige Kind und wuchs in einer assimilierten Familie auf, die dem städtischen Großbürgertum angehörte und weitgehend säkular lebte. Im Jahr 1921 kam Willy Aron mit 14 Jahren zur Sozialistischen Arbeiterjugend. Er wurde aktiver Funktionär und später der einzige Student seiner Ortsgruppe. Wie sein Vater wollte er die juristische Laufbahn ergreifen. Nach dem Abitur begann er 1925 an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg ein Studium der Rechtswissenschaft, wo er auch der schlagenden Studentenverbindung "Wirceburgia" beitrat. Später wechselte er an die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen und 1927 an die Ludwig-Maximilians-Universität München. Er hielt Kontakt zur SAJ und bemühte sich in den Semesterferien, durch Vorträge und Weiterbildungen die jungen Arbeiter zu unterstützen. Nach Abschluss seines Studiums sammelte Aron als Justizreferendar in Bamberg praktische Erfahrungen. Schon im Jahre 1923 kam es zu Überfällen der Nationalsozialisten auf Sozialdemokraten. Daher schloss sich auch Willy Aron der Leitung der paramilitärischen Kampforganisation "Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold" an. Nach einem schweren Straßenkampf im und vor dem Restaurant Nöth (Gaststätte Schillerplatz) am 31. Juli 1932 übernahm Willy Aron die juristische Verteidigung seiner Genossen, zusammen mit Rechtsanwalt Dr. Thomas Dehler.

Nach dem Reichstagsbrand am 27. Februar 1933 lässt die NS-Regierung in Berlin wichtige Verfassungsrechte außer Kraft setzen. Die kommunistische Partei wird verboten, die Presse der Sozialdemokratie unterdrückt. In Bamberg musste die Zeitung "Freistaat" den Betrieb einstellen, die örtliche SPD verlor ihr wichtigstes Informationsinstrument. In jugendlicher und wohl auch naiver Empörung ließ der Gerichtsreferendar Willy Aron alle Vorsicht beiseite und äußerte öffentlich, den Reichstagsbrand hätten wohl die Nationalsozialisten selbst gelegt. Er konnte nun abends nicht mehr gefahrlos die Straße betreten, man schimpfte ihn "den Roten Hund". Auf Anordnung des Staatsministeriums des Inneren wurden in Bamberg am 11. März 1933 insgesamt 17 Funktionäre und führende Vertreter der KPD und des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold verhaftet, unter ihnen auch Willy Aron. Wochenlang wurde er in "Schutzhaft" festgehalten.

Am 15. Mai 1933 wurde Willy Aron in das Konzentrationslager Dachau überführt und so brutal misshandelt, dass er dort am 19. Mai 1933 seinen Verwundungen erlag. Er war damit der erste Bamberger, der im Konzentrationslager Dachau zu Tode kam. Ein versiegelter Sarg mit Arons Leichnam (nach Aussagen von Mithäftlingen waren es nur Bleiplatten, da Aron auf dem Lagergelände verscharrt wurde) erreichte am 22. Mai 1933 Bamberg und wurde noch am gleichen Abend beigesetzt. SA-Leute bewachten noch mehrere Wochen lang das Grab, um eine mögliche Exhumierung zu verhindern. Der Bamberger Stadt- und Distriktsrabbiner Dr. Katten deutete öffentlich die Möglichkeit eines Verbrechens an und handelte sich damit nur eine Vorladung der Gestapo ein. Willy Arons Eltern wurden am 9. September 1942 von Bamberg in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert und später in Treblinka ermordet.  

Nach dem Ende des Nationalsozialismus wurde 1948 ein Prozess gegen Arons Mörder angestrengt. Einer der Täter, Hans Steinbrenner, wurde nach der Anklageerhebung 1952 zu lebenslanger Haft verurteilt und beging 1964 nach seiner Haftentlassung Suizid. Im Gedenken an Willy Aron wurde im Stadtteil Bamberg-Ost sowie in Haßfurt eine Straße nach ihm benannt. 2002 wurde eine Gedenktafel an seiner Ausbildungsstätte angebracht, dem Bamberger Justizgebäude. 2003 hat sich in Bamberg die Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e.V. gegründet. Der Vereinszweck ist nach eigener Aussage unter anderem die Förderung der Forschung zu Willy Aron und zu anderen Bamberger Widerstandskämpfern, sowie die Durchführung einer jährlichen Gedenkfeier mit einer aktuellen Rede zum Thema Zivilcourage.

Im Jahr 2016 konnte die Gesellschaft ein lang geplantes Mahnmal im Harmoniegarten zwischen Schönleinsplatz und Bamberger Theater einweihen. Es ist drei Bamberger Personen des Widerstands gegen das NS-Regime gewidmet: Willy Aron, Hans Wölfel und Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Drei Stolpersteine des Aachner Künstlers Gunther Demnig (*1947) wurden 2004 vor dem einstigen Wohnhaus der Familie Aron in der Luitpoldstraße 32 verlegt. 2023 wurde anlässlich Arons 90. Todestages ein Saal im Gebäude des Oberlandesgerichts Bamberg nach ihm benannt. Im Archiv der K.St.V. Mainfranken wird ein studentisches Liederbuch des B.C. Wirzeburgia von 1926 aufbewahrt, das einst Willy Aron gehörte und seine handschriftlichen Notizen enthält.


Persönlicher Dank geht an Christian Porzelt, Jüdisches Museum Augsburg-Schwaben, für seine freundliche Unterstützung.

(nach der Biografie von Andreas Dornheim, Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e.V.)

Literatur

  • Christian Porzelt: Schätze aus dem KV-Archiv – Willy Arons Kommersbuch. In: Mainfrankenblätter. Nachrichtenblatt der KDSTV Mainfranken und des KV- Philisterzirkels Bamberg, Nr. 113 (April 2019), S. 18-21.
  • Axel Bernd Kunze: Wilhelm "Willy" Aron (1907-1933). In: Manfred Blänker / Axel Bernd Kunze (Hg.): Rote Fahnen, bunte Bänder:: Korporierte Sozialdemokraten von Lassalle bis heute. Bonn 2016, S. 51-54.
  • Andreas Dornheim / Thomas Schindler: Wilhelm Aron (1907-1933). Jude, NS-Gegner, Sozialdemokrat und Verbindungsstudent. Dezember 2006.

GND: 128653841