Walter Jacob endstammt einer alten deutschen Rabbinerfamilie. 1940 emigrierte er mit seinem Vater Ernst Jacob (1899-1974) in die USA. Dort studierte er in Springfield und Cincinnati. 1961 erhielt er die rabbinische Lehrerlaubnis und arbeitete bis 1975 als Militärrabbiner der US Air Force, anschließend wurde er Rabbiner der liberalen Gemeinde in Pittsburgh. Zusätzlich füllte er weitere Ämter aus, von 1992 bis 1994 war er Präsident der Zentralkonferenz amerikanischer Rabbiner (engl. CCAR). Im Jahr 1997 übernahm Dr. Jacobs die neu gegründete liberale Gemeinde Beth Schalom in München. In Berlin gründete er zusammen mit Dr. Walter Homolka das Abraham Geiger Kolleg, das erste liberale Rabbinerseminar in Kontinentaleuropa seit der Shoah, und steht ihm seither als Präsident vor. 1999 wurde er mit dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.
Walter Jacob wurde in eine bedeutende Rabbinerfamilie geboren: Sein Großvater Benno Jacob (1862–1945) lehrte in Göttingen und Dortmund und gilt als einer der großen Bibelkommentatoren des liberalen Judentums in Deutschland. Auch sein Vater Ernst Jacob (1899-1974) wurde promovierter jüdischer Theologe und übernahm das Distriktsrabbinat Augsburg, wo Sohn Walter geboren wurde. Im Novemberpogrom 1938 verschleppten die Nationalsozialisten Ernst Jacob für einige Monate in das KZ Dachau. 1939 emigrierte die Familie über England in die Vereinigten Staaten von Amerika, wo Ernst Jacob das Rabbinat in Springfield (Missouri) übernahm und auch an der örtlichen Drury Universität (damals noch College) lehrte.
Walter Jacob machte am Drury College seinen Bachelor und ging für sein weitergehendes Studium an das Hebrew Union College in Cincinnati (Ohio). Er promovierte 1961 und erhielt die Ordination zum Rabbiner: Er repräsentiert damit 16. Generation seiner Familie, die in fortlaufender Linie dieses Amt innehatte. 1975 und 1990 verliehen ihm das Hebrew Union College und das Drury College weitere Ehrendoktorwürden.
Von 1955 bis 1957 betreute Jacob als Militärrabbiner der US Air Force jüdische Soldaten. Anschließend übernahm er das Rabbinat der liberalen "Rodef Shalom Congregation" in Pittsburgh und wirkte dort bis 1997– zuerst als Assistenzrabbiner (bis 1967), danach als leitender Gemeinderabbiner.
Nachdem Dr. Walter Jacob von seinem Amt als Rabbiner in Pittsburgh emeritierte, wurde er 1997 in München als ehrenamtlicher Oberrabbiner der neu gegründeten Liberalen Jüdischen Gemeine Beth Shalom eingeführt. Im Jahr 1999 gründete Jacob gemeinsam mit Dr. Walter Homolka das Abraham Geiger Kolleg in Berlin und steht ihm seitdem als Präsident vor. Es ist das erste wissenschaftlich ausgerichtete, liberale Rabbinerseminar in Kontinentaleuropa seit 1942 und heute der Universität Potsdam angeschlossen. Rabbiner Dr. Jacobs erste drei Absolventen erhielten am 13. September 2006 ihre Lehrerlaubnis (hebr. Semicha) und wurden von Rabbiner Jacob ordiniert. Dazu gehörte Toma Kucera, den die Liberale Jüdische Gemeinde München Beth Shalom seitdem als Gemeinderabbiner angestellt hat. 1999 verlieh ihm der damalige Bundespräsident Johannes Rau (1931-2006) das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.
Walter Jacob hatte in seiner Laufbahn zusätzliche Ämter inne, die er neben seiner Lehrtätigkeit in München und Berlin mit großem Elan ausfüllte. Von 1976 bis 1990 war er Vorsitzender des Responsen-Komitees und von 1992 bis 1994 Präsident der "Central Conference of American Rabbis" (CCAR). Von 1990 bis 1994 war Dr. Jacob außerdem Vizepräsident der World Union for Progressive Judaism. Er und seine Frau Irène Jacob gründeten 1986 den größten biblischen Botanischen Garten Nordamerikas und publizierten zu botanischen Themen. Seit 1989 ist er Präsident des internationalen "Solomon B. Freehof Institute for Progressive Halakhah". Es erarbeitet Stellungnahmen und Grundsatztexte zum jüdischen Religionsrecht aus einer reformjüdischen Perspektive und veröffentlicht Responsen. Im Jahr 2005 erhielt er aus der Hand Papst Johannes Pauls II. (amt. 1978-2005) die Komtur des apostolischen Gregoriusordens, das Land Brandenburg verlieh ihn im selben Jahr den Professorentitel h.c., 2016 verlieh ihm seine alte Gemeinde in Pittsburgh den Preis "Pursuer of Peace Award". Rabbiner Dr. Jacob hat zahlreiche Bücher und Texte veröffentlicht. Zu den wichtigsten gehören jene aus der Reihe "Studies in Progressive Halakhah", die er bis 2007 gemeinsam mit dem israelischen Rabbiner Moshe Zemer (Tel Aviv) herausgab. Zu seinem 88. Geburtstag im Jahr 2018 erschien seine Biografie von Eric Lidji: "The Seventeenth Generation: The Lifework of Rabbi Walter Jacob". Derzeit ist sie nur auf Englisch veröffentlicht.
Literatur
- Jacob, Walter. In: Werner Röder / Herbert A. Strauss (Hg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933, Bd. 1: Politik, Wirtschaft, Öffentliches Leben. München 1980, S. 324.
Weiterführende Links
Quellen
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