geboren: 1744,
Veitshöchheim
gestorben: 26.05.1828,
Fürth
Wirkungsort:
Berlin | Heidingsfeld/Würzburg | Fürth u.a.
Der jüdische Kaufmannssohn Simon Höchheimer gehört zu den wenigen Juden in Bayern, die im Kreise der jüdischen Aufklärer und Vordenker der Emanzipation einen Platz beanspruchen können. Nach der traditionellen jüdischen Schule, dem Cheder, bildete sich Höchheimer autodidaktisch weiter. Er eignete sich mathematische, ökonomische und geographische Kenntnisse kann. 1773/74 siedelte er nach Berlin über, wo er als Privatlehrer einer wohlhabenden jüdischen Familie arbeitete. Dort lernte er auch Rabbiner Moses Mendelsohn (1729-1786) kennen. Ausgerüstet mit Mendelssohns Empfehlungsschreiben hoffte er auf eine Anstellung bei Fürstbischof Franz Ludwig von Erthal (1779-1795), was jedoch scheiterte. Nach Jahren der Wanderschaft durch Franken und Bayern und einem erneuten Aufenthalt in Berlin 1785/86 begann er an der Universität Mainz ein Medizinstudium und promovierte schließlich als erster Jude der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg 1791. Dr. Simon Höchheimer praktizierte niedergelassener Arzt und fürstlicher Leibarzt in Wien und Mähren. Er veröffentlichte medizinische und pädagogische Schriften, sowie Gedanken zur Emanzipation der Juden. Im Jahr 1803 fiel das Hochstift Würzburg mit der Säkularisation an Bayern. Dr. Höchheimer kehrte in seine Heimat zurück und legte unter anderem dem Kurfürsten Max IV. Joseph (ab 1806 König) ein Memorandum zum jüdischen Schulwesen vor. Eigentlich sollte er nach der Säkularisation 1806 dieses Amt auch in Würzburg übernehmen, doch wurde ihm die sicher geglaubte Berufung wieder entzogen. In Fürth fand er schließlich eine Anstellung als Armenarzt der jüdischen Gemeinde. Mit dem Drama "Der Spiegel für Israeliten" (1816/17) reagierte er auf "Unser Verkehr" (1815), eine populäre Posse voller antijüdischer Klischees. Bis zu seinem Tod am 26. Mai 1828 kämpfte Simon Höchheimer weiterhin für die rechtliche und soziale Emanzipation der Juden. (Gunnar Och)
Literatur
- Gunnar Och: Simon Höchheimer (1744-1828), Arzt und Schriftsteller. In: Haus der Bayerischen Geschichte (Hg.) / Manfred Treml / Wolf Weigand: Geschichte und Kultur der Juden in Bayern, Bd. 2: Lebensläufe. München 1988 (= Veröffentlichungen zur Bayerischen Geschichte und Kultur 18), S. 43-47.
GND: 11692361X