Parallel zur traditionellen Rabbinerausbildung an einer Jeschiwa eignete sich Samson Wolf Rosenfeld autodidaktisch eine umfangreiche Allgemeinbildung. 1808 wurde er Rabbiner in Uehlfeld. Als erster bayerischer Rabbiner reformierte er im Geiste der jüdischen Aufklärung (Haskala) die Liturgie und führte 1819 die Predigt in deutscher Sprache ein. Mit seiner "Denkschrift an die Hohe Stände-Versammlung des Königreiches Baiern, die Lage der Israeliten und ihre bürgerliche Verfassung betreffend" (1819) forderte er öffentlich die rechtliche Emanzipation der Juden als bayerische Staatsbürger. Ab 1826 wirkte er als Stadt- und Distriktsrabbiner in Bamberg und setzte in seinem Bezirk ein gemäßigt-liberales Reformjudentum durch. Er gründete zudem die erste deutsch-jüdische Wochenschrift "Das Füllhorn", die es jedoch nur auf zwei Jahrgänge brachte (1835-1836). Rabbiner Rosenfeld ist einer der wichtigsten Vertreter des Reformjudentums in Bayern und der Autor zahlreicher Bücher, Artikel und Predigten.
Samson Wolf Rosenfeld wurde 1780 in der jüdischen Kultusgemeinde Uehlfeld geboren, andere Quellen nennen die Jahreszahlen 182 oder 1783. Seine Eltern waren Hirsch Loeb Rosenfeld (1750-1822) und Sara geb. Samson (1792/93-1834). Aus dieser Ehe sind insgesamt zehn Kinder hervorgegangen. Samson besuchte den Cheder im Ort und ging mit 13 Jahren (!) nach Fürth, um an der Jeschiwa zu studieren. Neben der Tora lernte er dort unter anderem die Werke der jüdischen Philosophen Maimonides und Albo kennen. Nebenher sammelte er als Autodidakt (es war noch die Zeit vor der staatlichen Schulpflicht für Juden) ein großes geisteswissenschaftliches Allgemeinwissen an, das von der Aufklärung geprägt war.
Mit 19 Jahren kehrte er in seinen Geburtsort zurück und setzte dort seine Studien fort, wobei er sich besonders den Schrift von Moses Mendelssohn widmete. Im Jahr 1817 wurde er zum Rabbiner von Uehlfeld berufen, wo er im Sinne der Haskala, der jüdischen Aufklärung, grundlegende Reformen in seiner Synagoge einführte. Die wichtigsten Aspekte waren eine ruhigere und "moderne" Liturgie, eine bessere (Aus-)Bildung von Rabbinern und Lehrkräften, der Gebrauch der Landessprache im Gottesdienst und beim Religionsunterricht, eine höhere Gleichberechtigung der Frauen, die Tendenz zu einem aufgeklärten Rationalismus, sowie der Verzicht auf die traditionelle Bindung an das Gelobte Land zugunsten einer Integration als moderne Staatsbürger. Als erster bayerischer Rabbiner reformierte er im Geiste die Liturgie und führte 1819 die Predigt in deutscher Sprache ein.
In München vertrat er 1819 vor König Max I. Joseph (reg. 1806-1825) und den versammelten Landständen seine Glaubensbrüder und legte dem Wittelsbacher Herrscher eine grundlegendes Memorandum vor: "Denkschrift an die Hohe Stände-Versammlung des Königreiches Baiern, die Lage der Israeliten und ihre bürgerliche Verfassung betreffend".
Im Jahr 1826 wurde Samson Wolf Rosenfeld nach Bamberg berufen, um das vakante Amt eines Stadt- und Distriktsrabbiners zu besetzen. Er stellte sich dem staatlichen Prüfungsamt und konnte belegen, dass er die erforderlichen Kenntnisse besaß. Diese verantwortungsvolle Position nutzte er bis zum Rest seines Lebens, um auch in den Landgemeinden des Bamberger Distrikts das Reformjudentum voranzutreiben: Synagogen wurden renoviert und umgebaut, deutsche Predigtbücher und Gemeinderegeln eingeführt, Israelitische Volksschulen gegründet und deutschsprachige, staatlich geprüfte Lehrkräften angestellt. Rabbiner Rosenfeld fand neben seinem seelsorgerischen Amt die Zeit, um zahlreiche Bücher, Artikel und Predigten zu veröffentlichen. Er brachte sogar die erste deutsch-jüdische Wochenzeitschrift in den Grenzen des modernen Deutschland heraus, das "Füllhorn", die aber nach nur zwei Jahrgängen aufgeben musste (1835/36). Auch 1846 war er auf der Bayerischen Ständeversammlung der offizieller Sprecher der bayerischen Kultusgemeinden - sehr zum Ärger der orthodoxen Rabbiner, die sich dem Reformprozess entgegen stellten und ihm sogar ein Redeverbot erteilen wollten. Rabbiner Rosenfeld starb am 12. Mai 1862 im Amt und wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Bamberg beigesetzt. Über sein eigentliches Privatleben ist fast nichts bekannt: Er war zweimal in seinem Leben verheiratet und hatte zwei Kinder. Rosenfeld ist einer der wichtigsten Vertreter des Reformjudentums in Bayern, der maßgeblich zur jüdischen Emanzipation im 19. Jahrhundert beigetragen hat.
Aus: Haus der Bayerischen Geschichte (Hg.) / Manfred Treml / Wolf Weigand: Geschichte und Kultur der Juden in Bayern, Bd. 2: Lebensläufe. München 1988 (= Veröffentlichungen zur Bayerischen Geschichte und Kultur 18), S. 76-83.
(Falk Wiesemann)
Literatur
- Falk Wiesemann: Samson Wolf Rosenfeld (1780-1862), Rabbiner der Emanzipationszeit. In: Haus der Bayerischen Geschichte (Hg.) / Manfred Treml / Wolf Weigand: Geschichte und Kultur der Juden in Bayern, Bd. 2: Lebensläufe. München 1988 (= Veröffentlichungen zur Bayerischen Geschichte und Kultur 18), S. 76-83.
- Adolf Brüll: "Rosenfeld, Samson Wolf". In: Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 29. München (1889), S. 207.
- Josef Klein: Rabbiner Samson Wolf Rosenfeld. In: Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums Jg. 12 Nr. 6 (1863), S. 201-214.
- Samson Wolf Rosenfeld: Stunden der Andacht für die Israeliten beiderlei Geschechts, 3 Bände. 2 Aufl. Dinkensbühl 1858.
- Samson Wolf Rosenfeld: Über die Heiligkeit der Ehe. Eine Trauungsrede. In: Sulamith. Eine Zeitschrift zur Beförderung der Cultur und Humanität unter den Israeliten, Jg. 7 Nr. 2 (1825), S. 385-392.
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