Biografien
Menschen aus Bayern

Pfalzgraf bei Rhein Philipp der Streitbare

geboren: 12. 11. 1503, Heidelberg
gestorben: 4. 7. 1548, Heidelberg

Sohn von Pfalzgraf Ruprecht und Elisabeth von Bayern-Landshut; Bruder von Ottheinrich.

Da sich das Herzogtum Pfalz-Neuburg für eine gemeinsame Regierung von Philipp und seinem Bruder Ottheinrich als zu klein erwies, zog sich Philipp bald aus der Regierung zurück. Als Herr, der "weder Land noch Leut" hatte, stellte er sich in die Dienste seines Onkels, Kurfürst Friedrich II., sowie des Erzherzogs Ferdinand. Philipp konnte 1529 einen entscheidenden Sieg über die Türken bei Wien erzielen, wofür er 1532 den Orden des Goldenen Vlieses verliehen bekam.

Nachdem Philipp und sein Bruder Ottheinrich vorzeitig für mündig erklärt worden waren, traten sie 1522 zusammen die Regierung des Herzogtums Pfalz-Neuburg an. Schon 1523 erwies sich die gemeinsame Verwaltung jedoch als nicht praktikabel, da das Einkommen, das 1505 im Kölner Schiedsspruch von Maximilian I. zugestanden worden war, für zwei Fürsten zu knapp bemessen war, zumal der Kunst liebende und fördernde Ottheinrich einen aufwändigen Lebensstil führte. Philipp zog sich deshalb 1523 aus der Regierung zurück und trat bis 1524 in den Dienst von Erzherzog Ferdinand. Darauf schloss sich Philipp dem Gefolge seines Onkels Friedrich II. an, mit dem er in Mittelfranken gegen die aufständischen Bauern kämpfte. Als Wien 1529 von den Türken belagert wurde und Friedrich den Oberbefehl über das Reichsheer hatte, kam Philipp ihm zu Hilfe und konnte einen Angriff niederschlagen. Philipp hatte damit entscheidenden Anteil an der Befreiung Wiens von den Türken. Für diesen Erfolg ernannte der Kaiser ihn auf dem Reichstag in Regensburg 1532 zum Ritter vom Goldenen Vlies, doch der erhoffte materielle Lohn für seinen Einsatz blieb dem Pfalzgrafen vorenthalten. Stattdessen übertrug König Ferdinand Philipp die Statthalterschaft von Württemberg und das Wohnrecht im Schloss in Stuttgart. Die Regierungsgeschäfte überließ Philipp im Wesentlichen den Räten, während er selbst zur Unterstützung des Kaisers erneut gegen die Türken nach Wien zog. Schon 1534 aber konnte Ulrich von Württemberg sein Herzogtum, das ihm 1519 vom Schwäbischen Bund entrissen worden war, zurückerobern. Philipp verlor damit seine Position als Statthalter sowie die damit verbundenen Einnahmen. Daraufhin drängte er seinen Bruder Ottheinrich zu einer Teilung des Herzogtums Pfalz-Neuburg. Ein Teilungsvertrag vom 30. März 1535 legte den Anteil Philipps fest: Die nördlichen, am Bayerischen und Böhmischen Wald gelegenen Gebiete des Herzogtums. Durch die Teilung des Herzogtums war das jeweilige Einkommen der Pfalzgrafen jedoch relativ gering. Dies führte schon bald zu einer bedenklichen Verschuldung Philipps. Im Jahr 1541 war die Schuldenlast so groß geworden, dass Philipp die Regierung seiner Gebiete an Ottheinrich zurückgab und das Land somit wieder vereinigt war.
Ein Ehevorhaben Philipps mit Maria, der Tochter Heinrichs VIII. von England, scheiterte aufgrund des plötzlichen Todes Heinrichs, womit auch die Hoffnung auf die Mitgift Marias zerstört war. Der Schmalkaldische Krieg 1546 verschärfte durch die Plünderung des Schlosses in Neuburg die Finanzlage des Pfalzgrafen, so dass dieser nach seiner Rückkehr aus England in dürftigsten Verhältnissen in Heidelberg lebte, bis er nach langer, schwerer Krankheit mit kaum 45 Jahren starb.