Biografien
Menschen aus Bayern

Pfalzgraf bei Rhein, Kurfürst von der Pfalz, Herzog von Pfalz-Neuburg Ottheinrich von der Pfalz

geboren: 10. 4. 1502, Amberg
gestorben: 10. 2. 1559, Heidelberg

Sohn von Pfalzgraf Ruprecht und Elisabeth von Bayern-Landshut; Bruder von Philipp dem Streitbaren; seit 1529 mit Susanna von Bayern (Witwe des Markgrafen Kasimir von Brandenburg) verheiratet.

Ottheinrich erhielt 1522 mit seinem Bruder Philipp die Regierung des neu geschaffenen Herzogtums Pfalz-Neuburg. 1542 führte er die Reformation im Herzogtum ein. Nach dem Tod Friedrichs II. wurde Ottheinrich 1556 Kurfürst von der Pfalz.
Ottheinrich förderte nicht nur zeitlebens großzügig alle künstlerischen Bestrebungen. Er reformierte 1558 die Heidelberger Universität und baute die kurfürstliche Bibliothek zu der bedeutenden "Bibliotheca Palatina" aus.

Nach dem Landshuter Erbfolgekrieg wurde von König Maximilian für die Söhne Ruprechts, Ottheinrich und Philipp, 1505 das Herzogtum Pfalz-Neuburg (die sog. "junge Pfalz") geschaffen, das sich aus verstreuten Ämtern an der oberen Donau, in der Oberpfalz und in Franken zusammensetzte. Bis zu ihrer Volljährigkeit regierte der spätere Kurfürst Friedrich II. in Vormundschaft. Ottheinrich hielt sich von 1519 bis 1521 mehrfach am Hof Karls V. auf und ging auf Reisen nach Spanien und Italien sowie 1521 auf Pilgerfahrt ins Heilige Land, wo er zum Ritter des Heiligen Grabes geschlagen wurde.
1522 wurden Ottheinrich und sein Bruder für volljährig erklärt und traten die Regierung ihres Herzogtums an. 1525 nahm Ottheinrich in Südwestdeutschland und Unterfranken an der Niederschlagung der Bauernaufstände teil. In diesen Jahren befand er sich in gutem Einvernehmen mit den Herzögen von Bayern und verfasste wiederholt Mandate gegen die Reformation. Doch seit den 30er Jahren hoffte Ottheinrich auf die Möglichkeit eines Ausgleichs zwischen der neuen und der alten Lehre. Er beschäftigte sich zunehmend mit dem lutherischen Gedankengut und entschärfte bald seine anfänglichen strikten Maßnahmen. 1538 bat er um Aufnahme in den Schmalkaldischen Bund und bekannte sich 1542 öffentlich zum Luthertum, während seine Frau Elisabeth von Bayern katholisch blieb.
Wegen hoher Verschuldung war Ottheinrich im Jahr 1544 gezwungen, die Regierung an die Landstände abzugeben. Er selbst zog sich nach Heidelberg zurück. Nach dem Schmalkaldischen Krieg 1546 wurde das Herzogtum von Karl V. eingezogen und von den kaiserlichen Statthaltern und Bischöfen umgehend rekatholisiert. Erst 1552 schuf der Passauer Vertrag zwischen Kurfürst Moritz von Sachsen als Vertreter der protestantischen Fürsten und König Ferdinand die nötigen Voraussetzungen für die Rückkehr Ottheinrichs. Als 1556 Friedrich II. starb, trat Ottheinrich dessen Nachfolge als Kurfürst in Heidelberg an. Er verfolgte von da an eine entschieden protestantische Reichspolitik. Die Kaiserwahl Ferdinands zögerte er bis 1558 hinaus. Den Augsburger Religionsfrieden lehnte er ab, weil dessen Bestimmungen seinen Maßstäben nicht genügten. Veranlasst durch den Grundsatz des Augsburger Religionsfriedens (1555), wonach der Glaube des Landesherrn das religiöse Bekenntnis seines Landes bestimmt, reformierte Ottheinrich erneut sein Land, wobei er besonders hart gegen die Klöster vorging.
Ottheinrich war Auftraggeber bedeutender Kunstwerke, wie dem Neubau an dem Alten Schloss in Neuburg (1527) und dem berühmten "Ottheinrichsbau", einem Trakt des Schlosses in Heidelberg. Außerdem reformierte er die Heidelberger Universität.