geboren: 15.07.1811,
Gunzenhausen oder Ansbach
gestorben: 18.10.1892,
Stuttgart
Wirkungsort:
Ansbach | Würzburg | Stuttgart | Mergentheim
Der Sohn eines Rabbiners nahm den traditionellen jüdischen Bildungsweg und besuchte parallel dazu gemäß der neuen Gesetzeslage die staatlichen Einrichtungen. Nach Studien in Ansbach, Würzburg und Tübingen promovierte er im Jahr 1832. Nach zwei Übergangsstellen wurde er 1844 als Rabbiner in Mergentheim bestätigt, später ging er nach Mühringen. Seit 1873 war er jüdischer Kirchenrat in Stuttgart. Unter seinem Namen und dem Pseudonym "Orientalis" publizierte er zahlreiche wissenschaftliche sowie belletristische Werke, darunter der Roman "Die Mädchen von Chaibar" (1859) und eine Biografie über Judah Toro (1871). Für seine Verdienste erhielt er den Württembergischen Kronenorden I. Klasse und wurde in den persönlichen Adelsstand erhoben.
Moses Wassermann war der Sohn von Salomon Wassermann (* 1780), dem Bezirksrabbiner in Laupheim und Mergentheim (Baden-Württemberg), und der Bertha geb. Weißkopf. Sie war die Tante des Wallersteiner Rabbiners David Weißkopf. Moses besuchte den traditionellen Unterricht in einer Cheder und ging auf das (christliche) Gymnasium in Ulm. Er studierte an den Jeschiwot von Laupheim und Ansbach, wo ihm der spätere Philosoph Ludwig Feuerbach (1804-1872) Nachhilfestunden in Latein gab. Von 1827 bis 1829 an der Jeschiwa von Abraham Bing in Würzburg. Er machte sich die liberalen Überzeugungen des Reformjudentums zu eigen. Gleichzeitig betrieb er philologische Privatstudien. Ab 1829 studierte er zunächst an der Universität Würzburg Philosophie, ab 1830 an der Universität Tübingen Theologie, Philosophie und Sprachen, unter anderen bei Ludwig Uhland. Im Mai 1832 promovierte er und kehrte zu seinen Eltern nach Laupheim zurück. Im April 1834 bestand Wassermann die württembergische Staatsprüfung und erhielt eine kommissarische Stelle als Rabbinatsverweser in Mergentheim, der alten Wirkungsstätte seines Vaters. Ein Jahr später kam er in der selben Position nach Mühringen. 1937 übernahm er dieses Rabbinat in der festen Position eines Rabbiners. 1873 wurde er Rabbiner im Bezirksrabbinat Stuttgart und bekleidete dieses Amt bis 1882. Gleichzeitig wurde er theologisches Mitglied der Israelitischen Oberkirchenbehörde des Königreichs Württemberg.
Neben seiner seelsorgerischen Tätigkeit arbeitete Wassermann für die reformjüdische Zeitschrift "Der Orient", die 1847-1851 von Julius Fürst in Leipzig herausgegeben wurde. Außerdem verfasste er mehrere philosophische Abhandlungen. Unter dem Pseudonym "Orientalis" veröffentlichte Moses Wassermann Erzählungen, Novellen und 1871 einen biographischen Roman über den amerikanisch-jüdischen Geschäftsmann Judah Toro (1775-1854). Er stand im Austausch mit dem Dichter Berthold Auerbach, dem Theologen Karl von Gerok und anderen Lyrikern seiner Zeit. Moses Wassermann erhielt für seine zivilen Verdienste den Orden der Württembergischen Krone I. Klasse, was mit einer Erhebung in den persönlichen, nicht vererbbaren Adelsstand verbunden war.
(Patrick Charell)
Literatur
- Helmuth Mojem (Bearb.): Ludwig Uhland, Das Stylisticum, Bd 2: Die Beiträger. Biographien und Dokumente. Wallstein / Göttingen 2022, S. 997-1005.
- Moses Wassermann: Judah Touro. Biographischer Roman. Leipzig 1871 (= Schriften des Instituts zur Förderung der israelitischen Literatur 53).
- Moses Wassermann: Über die Kategorien und die Art, wie die selben aufgefaßt werden müssen. Eine philosophische Abhandlung (Dissertation). Tübingen 1832.
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