Biografien
Menschen aus Bayern

Michael Hahn Jurist, Verleger und Politiker, u.a. Gouverneur von Louisiana

geboren: 24.11.1830, Klingenmünster (Bay. Rheinpfalz)
gestorben: 15.03.1886, Washington, D.C.

Wirkungsort: New Orleans | Hahnville | Washington, D.C.

Michael Hahn emigrierte 1839/40 mit seiner verwitweten Mutter Margarete und vier Geschwistern nach New Orleans. Er konnte dort studieren und etablierte sich 1851 als Rechtsanwalt. Im US-Bürgerkrieg (1861-1865) war Hahn ein überzeugter Anhänger der Union und wurde 1862 in das Repräsentantenhaus gewählt. Nach Ablauf seiner Amtszeit kaufte er die Zeitung "The True Delta", die er im Sinne der Republikaner leitete. Hahn wurde 1864 zum Gouverneur von Louisiana gewählt, übte das Amt aber nur bis zu seiner Wahl als Senator 1865 aus. Ein politisches Attentat verletzte ihn 1866 schwer. Er zog sich auf seine Plantage im St. Charles Parish zurück, wo er die Siedlung "Hahnville" anlegte und eine Zeitung gründete. Von 1867 bis 1871 war er auch Chefredakteur des "New Orleans Republican", eine der angesehensten Presseorgane der Stadt. In den folgenden Jahren nahm er wieder öffentliche Ämter an und verstarb während seiner zweiten Amtszeit als Kongressabgeordneter.

Wie so viele der in die Vereinigten Staaten ausgewanderten deutschen Juden stammte auch Michael Hahn aus der bayerischen Rheinpfalz. Die Zahl der Juden in seinem Geburtsort Klingenmünster wird für das Jahr 1823 mit 43 angegeben; der durchschnittlichen Kinderzahl entsprechend wären dies höchstens acht bis zehn Familien gewesen. Als sein Vater wohl 1839 starb, wanderte Margarete Hahn mit ihren fünf Kindern in die USA aus. Ob sich dort bereits Verwandte oder Freunde aufhielten, ist nicht bekannt. Über New York und Texas erreichte die Familie schließlich die ehemals französische Stadt New Orleans am Delta des Missisippi (Louisiana). Im "Deutschen Viertel" lebte dort eine Auswanderergemeinde mit hohem jüdischen Anteil.

Die Hahns waren kaum ein Jahr an ihrem Bestimmungsort angelangt, als Margarete 1841 dem grassierenden Gelbfieber erlag. Wer sich nun der Kinder annahm, ist bislang der Forschung unbekannt. Der elfjährige Michael Hahn besuchte nach der Grundschule (Elementary School) die High School und arbeitete anschließend bei einem der bekanntesten Rechtsanwälte von New Orleans, dem norddeutschen Auswanderer Dr. Christian Roselius (1803-1873).

Es war damals in den USA noch üblich, dass man sich durch praktische Arbeit bei einem Anwalt auf den Juristenberuf vorbereiten konnte, ohne zwingend studieren zu müssen. Michael Hahn entschied sich jedoch auch für letzteres: Er besuchte Jura-Vorlesungen an der 1834 gegründeten University of Louisiana (heute Tulane University), und schloss bereits mit 21 Jahren das Studium erfolgreich ab. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich in einer Immobilienfirma und mit gelegentlichen Zeitungsartikeln – seine Begeisterung für die Presse wird sich auch in späteren Lebensjahren zeigen. Im Jahr 1851 erhielt Michael Hahn seine Zulassung als Rechtsanwalt. Gleichzeitig betätigte er sich als "Notary Public", quasi ein Notar im Staatsdienst. Sein Ansehen wuchs: Bereits 1852 wurde er zum Mitglied der Schulbehörde von New Orleans gewählt und übernahm einige Jahre später auch die Präsidentschaft dieses wichtigen kommunalen Amtes.

An der Frage der Sklaverei sowie weiteren unüberbrückbaren politischen Differenzen entzündete sich im Frühjahr 1861 der US-amerikanische Bürgerkrieg, auch Sezessionskrieg genannt. Auf welcher Seite der Plantagenstaat Louisiana stand, wurde nicht einen Augenblick in Frage gestellt: Ohne Sklavenarbeit hätte man die gesamte Wirtschaft von Grund auf reformieren müssen, inklusive der etablierten Macht- und Gesellschaftsstrukturen. Nicht ganz drei Monate nach der Wahl löste Louisiana seine Zugehörigkeit zu den Vereinigten Staaten auf und trat nach einer kurzen Phase formeller Unabhängigkeit der Konföderation an (Confederate States of America, vulgo Südstaaten). Die jüdische Bevölkerung in den Nordstaaten und Südstaaten zeigte in diesem Konflikt keine einheitliche Haltung. Als zahlenmäßig schwächste Minderheit blieb sie entweder neutral oder übernahm die jeweils vorherrschende Meinung. Michael Hahn gehörte jedoch der Demokratischen Partei an und äußerte sich vehement gegen die Sklaverei in seinem eigenen Staat.

Er musste in dieser Zeit sein Notarspatent erneuern lassen, verweigerte aber den Eid auf die neue Regierung und untertstützte offen die Mobilmachung der Unions-Armee. Am 18. April 1862 wurde New Orleans von einer Flotille unter Admiral David Farragut eingenommen. Sofort stellte sich Hahn der Militärregierung zur Verfügung. Er hatte eine "Free State Party" gegründet und wurde im Dezember 1862 zum Abgeordneten für das Repräsentantenhaus gewählt. Über seine Tätigkeit ist jedoch so gut wie nichts bekannt. Anfang 1864 kaufte er in New Orleans die Tageszeitung "Daily True Delta", die er als Organ der Republikanischen Partei leitete.

Damit im Staat Louisiana wieder eine zivile Regierung entstehen konnte, autorisierte Präsident Lincoln im gleichen Jahr eine verfassungsgebende Versammlung. Michael Hahn wurde zum Gouverneur gewählt. Er übernahm damit die schwierige Aufgabe des Wiederaufbaus und der Integration der befreiten Sklaven. Der Bürgerkrieg endete am 9. April 1865 mit dem Fall der Südstaaten-Hauptstadt Richmond. Über 600.000 Menschen hatten ihr Leben verloren, zehntausende blieben an Leib und Seele verstümmelt. Noch im selben Jahr wurde Hahn 1865 zum Senator gewählt. Obwohl er seinen Gouverneursposten daher wieder aufgab, trat er seine parlamentarische Tätigkeit in Washington nie an: Präsident Lincoln hatte den Krieg zwar gewonnen, doch den tiefen Hass zwischen den beiden Landesteilen konnte er nicht mehr überwinden: Er wurde am 15. April 1865 durch die Kugel eines fanatischen Südstaatlers ermordet. An der politischen Schlammschlacht, die jetzt erbittert zwischen Unionisten und Sympathisanten der Südstaaten geführt wurde, wollte sich Hahn wohl nicht beteiligen.

In den politisch aufgeheizten Nachkriegsjahren kam es in New Orleans immer wieder zu Unruhen und Straßenschlachten. Bei einer dieser Auseinandersetzungen wurde Michael Hahn im Jahr 1866 – ob als Teilnehmer oder unbeteiligter Zuschauer ist nicht bekannt – von einer Revolverkugel so schwer verletzt, dass er für den Rest seines Lebens auf Krücken angewiesen blieb. Hahn verkaufte den "Daily True Delta" und zog sich westlich der Hauptstadt, im St. Charles Parish unterhalb des großen Lake Pontchartrain, auf eine Zuckerplantage zurück. Er legte auf dem Land eine neue Ortschaft an und gründete dort die Regionalzeitung "St. Charles Herald". Das Städtchen Hahnville besteht bis heute und zählte im Zenus 2020 rund 3000 Einwohner. Von 1867 bis 1871 war er auch Chefredakteur des "New Orleans Republican", eine der angesehensten Presseorgane der Stadt.

Im Jahr 1872 kehrte Michael Hahn ins öffentliche Leben zurück, als er in die Untere Kammer des Staatsparlaments von Louisiana gewählt wurde; eine Zeit lang war er auch Sprecher des Parlaments. 1879 ernannte ihn Präsident Rutherford B. Hayes (1822-1893) zum Bundesrichter für den 26. Distrikt im Nordwesten Louisianas umfasste. Diesen hohen Posten bekleidete er bis 1885. Hahn gab das auf Lebenszeit angelegte Richteramt auf, als er im November 1884 erneut zum Kongressabgeordneten gewählt wurde – mit 3000 Stimmen Mehrheit, als Republikaner in einem demokratisch geprägten Wahlbezirk! Wiederum endete sein Mandat nach nur einem knappen Jahr: Michael Hahn wurde in seiner Dienstwohnung tot aufgefunden, offenbar einem Herzanfall erlegen.

Er wurde auf dem Metairie Cemetery in New Orleans beigesetzt, die Grabstätte ist erhalten. Der Friedhof ist konfessionell christlich: Hat sich Hahn also taufen lassen? Es ist jedoch so wenig über ihn als Privatmensch bekannt, dass dies Frage offen bleiben muss: Ob, und wenn ja in welchem Ausmaß das Judentum für seinen Lebenswandel relevant war, lässt sich nicht beantworten. Aber die Tatsache bleibt bestehen, dass Michael Hahn für "seine Integrität anerkannt" war und sich "vor Opposition nicht fürchtete" (Albert Bernhardt Faust). Hahn war bislang auch der einzige Emigrant in den USA, der es in einem relativ kurzen Leben zu einer solchen Reihe von hohen politischen Ämtern gebracht hat.


Aus: Haus der Bayerischen Geschichte (Hg.) / Manfred Treml / Wolf Weigand: Geschichte und Kultur der Juden in Bayern, Bd. 2: Lebensläufe. München 1988 (= Veröffentlichungen zur Bayerischen Geschichte und Kultur 18), S. 153-156.


(Henry Marx | bearb. Patrick Charell)

Bilder

Literatur

  • Henry Marx: Michael Hahn (1830-1886), Gouverneur von Louisiana. In: Haus der Bayerischen Geschichte (Hg.) / Manfred Treml / Wolf Weigand: Geschichte und Kultur der Juden in Bayern, Bd. 2: Lebensläufe. München 1988 (= Veröffentlichungen zur Bayerischen Geschichte und Kultur 18), S. 153-156.

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