geboren: 05.07.1915,
Trabelsdorf/Lisberg
gestorben: 09.08.1942,
Auschwitz
Wirkungsort:
Frankfurt a. M.
Louise Loewenfels wurde in eine jüdische Familie geboren. In Ingolstadt besuchte sie die Höhere Töchterschule des Klosters Gnadenthal. Nach einer Ausbildung zur Kindergärtnerin ließ sich Luise Loewenfels am 25. November 1935 in der Klosterkirche der Dernbacher Schwestern zu Hehn taufen. Wegen der antisemitischen Verfolgung durch die Nationalsozialisten floh sie in die Niederlande und fand im Kloster Geleen Aufnahme. Bereits am 8. September 1940 legte sie dort unter dem Ordensnamen Maria Aloysia die ewigen Gelübde ab. Im Jahr 1940 annektierte NS-Deutschland die Niederlande. Schwester Aloysia Lowenfels wurde mit 144 weiteren jüdischstämmigen Ordensleuten (darunter die hl. Edith Stein) verhaftet und am 09. August 1942 im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ermordet. Seit 2015 läuft der Prozess ihrer Seligsprechung.
Luise Loewenfels (manchmal auch Löwenfels geschrieben) wurde am 5. Juli um 9 Uhr früh in ihrem Elternhaus (Plan-Nr. 46, heute Steigerwaldstraße 8) in Trabelsdorf bei Bamberg geboren. Die jüdische Familie bayerischer Staatsbürgerschaft war gut etabliert und ist bis heute in lebhafter Erinnerung geblieben. Ihre Eltern waren Sophie geb. Prölsdorfer (1875-) und der koschere Metzger Salomon Loewenfels (). Aus der Ehe waren zwölf Kinder hervorgegangen, Luise war das elfte. Nach ihrer Geburt wechselte Vater Salomon den Beruf und arbeitete als Kaufmann und reisender Viehhändler. Er soll sogar in Ungarn Vieh gekauft haben, welches dann über weite Strecken hinweg zu den großen Schlachthöfen getrieben wurde. Nach dem ersten Weltkrieg zog die Familie 1921 – wohl aufgrund der für Viehhändler in diesem Raum schwieriger gewordenen wirtschaftlichen Situation in den bei Ingolstadt gelegenen kleinen Ort Buxheim. Von 1922 bis 1926 besuchte Luise dort die Volksschule. Danach zog ihre Mutter mit ihr und einigen wenigen Geschwistern nach Ingolstadt, dem Ort, wo auch andere Mitglieder ihrer Familie lebten.
Obwohl die Familie Loewenfels orthodox lebte und in der Kultusgemeinde aktiv war, hatte Luise bereits während ihrer Ausbildung einen ungewöhnlich engen Kontakt zur römisch-katholischen Kirche: In Ingolstadt besuchte sie die Höhere Töchterschule des Klosters Gnadenthal, und in einem schulinternen Zeugnisvemerk heißt es am 21. März 1931: "Ob nicht auch die Wünsche und Bestrebungen der Schülerin nach einer gewissen Richtung (K) damit im Zusammenhang stehen?". Später kolportierte Auseinandersetzungen in der Familie Loewenfels, gar Prügel und Strafen, sind durch nichts belegt und decken sich nicht mit den Erinnerungen lokaler Zeitzeugen. Mitschülerin Hildegard Waßner-Frommet berichtete über einen Schlüsselmoment nach der NS-Machtübernahme: "Unmittelbar vor Beginn der NS-organisierten Sonnwendfeier am 21. Juni 1933 wurden Jüdinnen und Juden zum Verlassen des Platzes aufgefordert. Luise reagierte panisch, wir (Mitschülerinnen) hinderten sie am Fortgehen, um Aufsehen zu vermeiden. Nun äußerte sie, katholisch werden zu wollen. Reaktion der Seminarleiterin: "Fräulein Loewenfels, den Nazis geht's nicht um die jüdische Religion. Es geht um die Rasse!". Sie beendete die sechsjährige Schulzeit erfolgreich und nahm dann noch zwei Trisemester an der neu eingerichteten Handelsschule teil. Hieran schloss sich in Nördlingen der Besuch des Kindergärtnerinnen- und Hortnerinnen-Seminars an, das von den Maria-Stern-Schwestern aus Augsburg geleitet wurde. Im Kloster nahm sie auch jedes Wochenende christlichen Konvertitenunterricht, der das Fundament einer späteren Taufe bildet. Ein erstes Aufnahmegesuch an die Benediktinerinnen in Eichstätt wurde abgelehnt, da sie noch nicht getauft war. Es folgte eine kurze Tätigkeit als Erzieherin in einer jüdischen Familie in Recklinghausen (Nordrhein-Westfalen), sowie in einem jüdischen Kinderheim in Frankfurt am Main. In dieser Stadt lernt sie auch die Kongregation der Armen Dienstmägde Jesu Christi (ADJC) kennen, nach ihrem Mutterhaus im Westerwald auch "Dernbacher Schwestern" genannt. In Frankfurt unterhielten die Ordensschwestern mehrere gemeinnützige Häuser.
Die gerade in Frankfurt zunehmende Bedrohung der jüdischen Bewohner ließ Luise auch hier nach kurzer Zeit wieder aufbrechen. Da die meisten Melderegister in Frankfurt den Bombenangriffen oder der Vernichtung am Kriegsende zum Opfer gefallen sind, kann der genaue Zeitpunkt nicht bestimmt werden. Sicher ist, dass sie am 25. November 1935 in Mönchengladbach-Hehn in der Kapelle der Dernbacher Schwestern, die dort eine größere Niederlassung hatten, getauft worden ist. Die Vermutung liegt nahe, dass sie mit Hilfe einer katholischen Familie, die sie in Recklinghausen kennengelernt hatte, nach Mönchengladbach gekommen ist. Die Tante der jungen Frau, mit der sie sich angefreundet hatte, gehörte zu den Armen Dienstmägden Jesu Christi und war von der Familie um Hilfe gebeten worden. Danach arbeitete die Novizin neun Monate im Klosterinternat der Niederlassung Hehn und bereitete sich auf die Prüfungen als Schreibmaschinen- und Stenolehrerin vor.
Über die Motive der Luise Loewenfels zur Konversion ist viel spekuliert worden. Gewiss spielte eine Rolle, dass sie als junge Erwachsene die zunehmende Bedrückung der Jüdinnen und Juden im Deutschen Reich hautnah miterlebte. Allerdings muss man auch von einer tiefen inneren Überzeugung ausgehen, angesichts der frühen Versuche, Aufnahme in ein Kloster zu finden. In ihrer Familie gab es, wie erwähnt, keine handgreiflichen Versuche sie im jüdischen Glauben zu halten, doch versuchten nahe Verwandte sie verständlicherweise durch Briefe und Gespräche davon abzubringen. Nach ihrer Taufe brach der Kontakt nicht ab. Wenn sie ihre Familie in Trabelsdorf besuchte, schlief sie im Doppelbett der Mutter.
Als eine der Haushaltungsschülerinnen, die im Haus arbeiteten und wohnten und von Luise nachmittags betreut wurden, sie als Jüdin erkannte und denunzierte, entschied sie sich, in die Niederlande zu gehen, wo die Dernbacher Schwestern nicht allzu weit von der Grenze entfernt Niederlassungen haben. Im September 1937 hat Luise im Kloster Geleen um Aufnahme in die Gemeinschaft gebeten. Am 8. September 1940 legte sie ihre Erste Profess ab, nahm den Ordensnamen Maria Aloysia an und wurde von Roermonder Bischof Gulielmus Lemmens (amt. 1932-1958) gefirmt. Nach Aussagen der Mitschwestern war sie im Kloster "sehr glücklich". Bei aller Vorsicht gegenüber posthumen Aussagen zu ihrem Charakter scheint sich Maria Aloysia sehr gut in den streng geregelten Alltag eingefügt zu haben, und fand durch gute Manieren und eine positive Ausstrahlung viele Sympathien: "Obwohl jung an Jahren, war sie eine innerliche Seele, gereift im harten und schweren Kampf für ihren Glauben. Dankbar war sie dem Herren, der ihr so viele Gnaden verliehen hatte".
Mit Ausnahme des Bruders Heinrich Lowenfels und seiner Frau konnte die ganze Familie rechtzeitig vor der Shoah in die USA emigrieren, wo sie sich in New York etablierten. 1942 starb Aloysias Mutter Sophia, worüber die Ordensschwester trotz des völkerrechtswidrigen deutschen Überfalls der Wehrmacht auf die Niederlande zwei Jahre zuvor brieflich informiert wurde. Seit dem Mai 1940 musste sie den gelben Judenstern auf ihrem Habit tragen. Die deutschen Besatzer hatten sie aus dem Kindergarten des Klosters verbannt, ihr war auch die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt worden. Dadurch sahen sich die britischen und US-amerikanischen Behörden außerstande, oder waren nicht willens ihr Papiere für die Auswanderung auszustellen. "Vierzehn Tage vor ihrer Verhaftung Verhaftung [versicherte sie überzeugend]: 'Ich fühle, dass etwas geschieht, aber ich habe meine Meinung gemacht und mich ganz dem Willen Gottes ergeben!'". Anfang Juli 1942 begannen die Massendeportationen von Juden aus den Niederlanden. Am 11. Juli protestierten die niederländischen Kirchen in einem gemeinsamen Telegramm an den NS-Reichskommissar für die besetzten Niederlande, Arthur Seyß-Inquart (1892-1946), gegen diese Maßnahmen. Seyß-Inquart reagierte mit der überraschenden Zusicherung, vor 1941 getaufte Juden aller christlichen Konfessionen würden von der Deportation ausgenommen, wenn die Kirchen ihren Protest nicht öffentlich machten. Unbeeindruckt von diesem Angebot widerholte die Reformierte Staatskirche (als größte christliche Konfession) und die katholischen Bischöfe der Niederlande ihr Protesttelegramm am Sonntag, dem 26. Juli 1942, als offenen Hirtenbrief. Die Nationalsozialisten reagierten am 2. August mit der Festnahme von 40.000 Juden und 244 katholischen Juden aus den Niederlanden. Unter insgesamt vierzehn deutschstämmigen Ordensleuten war auch Edith Stein (1891-1942) von den Unbeschuhten Karmeliterinnen, ihre Schwester Rosa und Aloysia Loewenfels. Als SS-Leute sie aus dem Kloster verhafteten, nahm Aloysia noch die Kommunion und ging äußerlich gelassen mit den Schergen. Im Durchgangslager Westerborg schlossen sich die Ordensleute zu einer Kommunität zusammen und trugen auch als Häftlinge ihren Habit. "Im Kloster haben wir gebetet und gearbeitet", sagte Edith Stein, "hier müssen wir arbeiten und beten!".
Mit dem Zug wurden die inhaftierten Ordensleute im Sommer 1942 in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Das letzte Lebenszeichen von Schwester Aloysia Loewenfels war am 3. August eine telefonische Bitte an die Mitschwestern in Geleen um zwei Wolldecken, Kleider und ihre Brotmarken. Am 9. August 1942 starb sie in der Gaskammer.
Opfervereinigungen und klösterliche Kongregationen ehrten Schwester Maria Aloysia Loewenfels mit einem Gedenkstein auf der Gedenkstätte Westerbork. In Geleen steht ein Gedenkstein für die Arme Dienstmagd Jesu Christi, bekrönt mit einem bronzenen Davidstern. In Deutschland erinnert bislang kein öffentliches Denkmal an ihr Schicksal. Die ebenfalls jüdischstämmige Edith Stein wurde 1987 selig und 1998 durch Papst Johannes Paul II. heilig gesprochen. Schon früh setzten auch im Falle der Schwester Aloysia Bestrebungen zur Seligsprechung ein. Am 24. Oktober 1947 schrieb Pfarrer Richard Keuyk aus Oberhöchststadt im Taunus an die Generalvikarin Maria Hermine ADJC: "Ich nehme an, dass Schwester Maria Aloysia in ihrem Tode die gleiche Haltung bewahrt hat, die sie in den Tagen auszeichnete, da ich sie kennen lernte. […] Darum beglückwünsche ich die Genossenschaft der Armen Dienstmägde Jesu Christi zu dem Opfertod ihrer Schwester Maria Aloysia. Ich glaube, wir brauchen nicht um ihre Seelenruhe zu beten, ich glaube vielmehr, dass wir sie anrufen dürfen". Luise Löwenfels wurde als Glaubenszeugin in das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts aufgenommen. Das "Aloysia-Löwenfels-Haus" in Mutterhaus der Armen Mägde Jesu Christi zu Dernbach trägt ihren Namen. Am 20. Oktober 2015 wurde das Verfahren zur Seligsprechung. eröffnet. Am 15. August 2021, zum 170. Jahrestag der Gründung der Kongregation der ADJC, öffneten sich die Türen zum kulturellen und spirituellen Treffpunkt Resonanzraum im Aloysia Löwenfels Haus des Klosters Dernbach.
(nach der Biografie von Sr. M. Christiane Humpert ADJC)
Bilder
Literatur
- Helmut Moll (Hg.): Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts, Bd. II. 7. akt. U. überarb. Aufl. Paderborn u. a. 2019, S. 1068–1071.
- S. Michael Westerholz: Das Schicksal der jüdischen Nonne Luise Loewenfels aus Trabelsdorf. In: Mesusa 4 (2004), S. 269-309.
Weiterführende Links
Quellen
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