Biografien
Menschen aus Bayern

Marcus (Mordechai) Elieser Bloch Mediziner und Naturforscher

geboren: 06.01.1723, Ansbach
gestorben: 06.08.1799, Karlsbad

Wirkungsort: Frankfurt (Oder) | Berlin | Halle

Marcus Elieser Bloch entwickelte früh eine starke Neigung zur Zoologie und Botanik. Dank seiner Kenntnisse des Hebräischen und der rabbinischen Schriften fand er eine Stelle als Hauslehrer in Hamburg. Dort verbesserte er seine Deutschkenntnisse, lernte Latein und erwarb Grundlagen der Anatomie. Er studierte in Frankfurt (Oder) Medizin und ließ sich in Berlin nieder, wo er unter anderem seinen Freund Moses Mendelssohn behandelte. Er konzentrierte sich jedoch immer mehr auf die Naturgeschichte, insbesondere die Ichthyologie (Fischkunde). Bloch wurde an die Friedrichs-Universität in Halle berufen, wo er eine systematische Sammlung von 1500 Fischarten anlegte. Bloch veröffentlichte mehrere Werke, darunter "Oekonomische Naturgeschichte der Fische Deutschlands" und "Naturgeschichte Ausländischer Fische". Seine detaillierten Beschreibungen und präzisen Illustrationen trugen wesentlich zum Verständnis der Fischfauna bei und machten ihn zu einem führenden Ichthyologen seiner Zeit.

Marcus Elieser Bloch wurde am 6. Januar 1723 in Ansbach als Sohn eines ärmlichen Händlers geboren und wuchs in sehr bescheidenen Verhältnissen auf. Er wurde in eine Zeit geboren, die von einem wachsenden Interesse an Naturwissenschaften und der Erforschung der Natur geprägt war. Bloch zeigte eine starke Neigung zur Zoologie und Botanik, allerdings konnte er bis zum neunzehnten Lebensjahr Deutsch weder lesen noch schreiben. Durch seine Kenntnis des Hebräischen und der rabbinischen Schriften erlangte er aber eine Stelle als Hauslehrer bei einem jüdischen Wundarzt in Hamburg. Dort verbesserte er seine Deutschkenntnisse, lernte Latein und eignete sich erste Grundkenntnisse der Anatomie an. Mithilfe der Unterstützung wohlhabender Verwandter promovierte er 1747 in Frankfurt a. d. Oder als Mediziner, anschließend ließ er sich in Berlin als praktischer Arzt nieder. Dort behandelte er unter anderem den befreundeten Moses Mendelssohn (1729–1786) und schloss sich als typischer Vertreter der Haskala einem Kreis aufgeklärter Juden um ihn an. Bald hatte er einen ausgesprochen guten Ruf innerhalb aller sozialen Schichten erlangt. Er war dreimal verheiratet, mit Breinche Bloch (15. Februar 1747 – 22. September 1769), Rahel Bloch (1767- 1833) und Cheile Bloch (1757-1780). Er ist der Vater von Rebecca Hammerfeld (19. September 1786 – 02. Januar 1819), welche der zweiten Ehe mit Rahel Bloch entsprang. 

Während seines Studiums vertiefte er sein Interesse an der Naturgeschichte und begann, sich auf die Erforschung und Beschreibung von Tieren zu konzentrieren. Sein akademischer Weg führte ihn zu einer Professur für Naturgeschichte an der Friedrichs-Universität in Halle. Bloch widmete sein Leben der Erforschung und Beschreibung der Tierwelt. 1774 veröffentlichte er einen Band medizinischer Abhandlungen, "Medicinische Bemerkungen, Nebst einer Abhandlung vom Pyrmonter Sauerbrunnen", doch danach widmete er sich fast ausschließlich der naturwissenschaftlichen Forschung, insbesondere der Ichthyologie.

Reisen erweiterten sein Wissen und er legte eine besondere Sammlung von Fischexemplaren an, die nach seinem Tod von der preußischen Regierung erworben und der Akademie der Wissenschaften geschenkt wurde. Blochs Fischsammlung umfasste rund 1500 Exemplare und wurde 1810 dem Berliner Zoologischen Museum, heute Museum für Naturkunde Berlin, übergeben. Diese weltbekannte Bloch-Sammlung ist heute der älteste Schatz des Museums. Mit den 800 noch vorhandenen Exemplaren ist sie die größte noch bestehende ichthyologische Sammlung aus dem 18. Jahrhundert. 1781 veröffentlichte Bloch "Die Oekonomische Naturgeschichte der Fische Deutschlands, insbesondere des Preußischen Staates", 1782-84 folgte die "Oekonomische Naturgeschichte der Fische Deutschlands" und zwischen 1785 und 1795 wurden diese Werke durch seine "Naturgeschichte Ausländischer Fische" vervollständigt.

Diese Publikationsreihe ist mit dem Titel "Allgemeine Naturgeschichte der Fische" versehen und umfasst zudem 432 hervorragende Tafelillustrationen. In dem Werk beschrieb Bloch detailliert und präzise 1500 Fischarten und trug so wesentlich zum Verständnis der Fischfauna bei. Obwohl Blochs Klassifizierungssystem primitiv und oberflächlich war, behielt sein Buch mit seinen hervorragenden Zeichnungen und Diagrammen seinen wissenschaftlichen Wert. Sie bildete das Hauptwerk zur Ichthyologie im 18. Jahrhundert.

Bloch hatte ursprünglich begonnen sein Werk auf eigene Kosten zu veröffentlichen. Es wäre allerdings ohne die Begeisterung, die das Unternehmen in ganz Deutschland hervorrief, nicht vollendet worden, da die Kosten am Ende den Rahmen sprengten. Daher beteiligten sich Fürsten und Mäzene der Wissenschaft an den Veröffentlichungskosten der letzten sechs Bände, wobei jeder Band den Namen der Person trug, auf deren Kosten er erstellt worden war. In einem preisgekrönten Aufsatz über die Entstehung von Darmwürmern und die Mittel zu ihrer Ausrottung mit dem Titel "Abhandlung von der Erzeugung der Eingeweidewürmer und den Mitteln Wider Dieselben", 1782 in Berlin und 1788 in Straßburg veröffentlicht, bewies Bloch, dass diese Würmer erblich waren. Er hinterließ ein unvollständiges Schema eines ichthyologischen Systems, das nach seinem Tod von I. G. Schneider unter dem Titel "Systema Ichthyologiæ Iconibus CX. Illustratum“" (Berlin 1801) veröffentlicht wurde. Darüber hinaus trug er auch zur Erforschung anderer Tiergruppen bei und veröffentlichte Werke über Amphibien, Reptilien und Insekten. Seine Arbeiten zeichneten sich durch ihre genaue Beobachtungsgabe, ihre akribische Beschreibung und ihre künstlerische Darstellung aus. Marcus Elieser Bloch wurde im Laufe seines Lebens für seine Beiträge zur Naturgeschichte vielfach geehrt. Er war Mitglied mehrerer akademischer Gesellschaften und wurde für seine Verdienste um die Wissenschaften mit verschiedenen Auszeichnungen und Ehrungen bedacht. Seine Werke wurden in ganz Europa anerkannt und beeinflussten Generationen von Naturforschern und Zoologen. Bloch verbrachte seine letzten Jahre in Berlin, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1799 weiterhin an seinen wissenschaftlichen Arbeiten arbeitete. Sein Vermächtnis als einer der bedeutendsten Zoologen des 18. Jahrhunderts lebt in seinen Werken und seiner bleibenden Wirkung auf die Naturwissenschaften fort. 


(Philomena Becke)

Bilder

Literatur

  • Bloch, Marcus (Mordecai) Eliezer (1723–1799). In: Enzyclopaedia Judaica, 2. Aufl. Bd. 2. Farmington Hills 2007, S. 765.
  • Richard Lesser: Marcus Elieser Bloch. Das Leben eines ungewöhnlichen Mannes und geachteten Fischforschers. In: Verhandlungen der Gesellschaft für Ichthyologie, Bd. 2. Solingen 2001, S. 59–68.
  • Hans-Joachim Paepke: Marcus Elieser Bloch, seine Bedeutung als Ichthyologe und seine berühmte Fischsammlung. In: Verhandlungen der Gesellschaft für Ichthyologie, Bd. 2. Solingen 2001, S. 69–85
  • Richard Lesser: Dr. Marcus Elieser Bloch. Ein Jude begründet die moderne Ichthyologie. In: „Das achtzehnte Jahrhundert“. Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für die Erforschung des achtzehnten Jahrhunderts (Haskala. Die jüdische Aufklärung in Deutschland 1769–1812), Jg. 23 (2). Wolfenbüttel 1999, S. 238-246.

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