Biografien
Menschen aus Bayern

Marcus (Mark) Goldmann Rabbiner und Geschäftsmann, Gründer der Bank "Goldman-Sachs"

geboren: 09.12.1821, Trappstadt
gestorben: 20.07.1904, New York City

Wirkungsort: Gerolzhofen | Philadelphia | New York

Mark Goldmann, Sohn eines jüdischen Viehhändlers aus Trappstadt, sollte eigentlich den Beruf des Rabbiners ergreifen. Aufgrund der widrigen Arbeitsbedingungen in der Zeit der gescheiterten Revolution 1848 beschloss er, wie Tausende andere Deutsche, sein Glück in Amerika zu versuchen. Als mittelloser Emigrant gelang es ihm zuerst, in Philadelphia als Geschäftsmann Fuß zu fassen. Wesentliche Unterstützung erhielt er dabei durch seine Frau Berta, die er 1850 heiratete, und seinen Jugendfreund Josef Sachs, der ebenfalls in die USA ausgewandert war. Nach einem Umzug nach New York 1869 nutzte er die Gunst der Stunde und stieg im Alter von 48 Jahren in das Finanzgeschäft ein. In der Folgezeit wurde er zum Gründer der Investmentbank Goldman Sachs, die seit 1896 an der New Yorker Börse vertreten ist und heute als weltweit tätige Investmentbank und Wertpapierhandelsunternehmen agiert.

Mark kam als ältester Sohn von fünf Kindern des jüdischen Ehepaares Wolf und Ella Goldmann 1821 in Trappstadt im Landgerichtsbezirk Königshofen in Unterfranken zur Welt. Sein Vater verdiente den Familienunterhalt als Landwirt und Viehhändler. Schon als Junge lernte er daher auf den Märkten, wie man erfolgreich um den besten Preis feilscht. Der Jugendliche erhielt in Würzburg eine Ausbildung zum Rabbiner. Ab 1840 versuchte er, als Religionslehrer Fuß zu fassen und bot in Gerolzhofen (Lkr. Schweinfurt) Privatunterricht an. Damit trat er aber in Konkurrenz zu dem dortigen offiziellen Rabbiner, der von der jüdischen Kultusgemeinde angestellt war. Letztlich ließ sich die berufliche Betätigung als Lehrer nicht verwirklichen. Da Arbeitslosigkeit, Hungersnot und Zwangsrekrutierung drohten, beschloss die Familie, dass Mark und sein jüngerer Bruder Simon nach Amerika emigrieren sollten. 1848 verließen die beiden Brüder Trappstadt in der Hoffnung auf ein besseres Leben in den USA.

Nach einer kräftezehrenden, zweiwöchigen Überfahrt kamen Mark und Simon Goldmann 1848 in Philadelphia an. Simon reiste gleich weiter nach Kalifornien, wohin ihn der Goldrausch lockte. Mark ließ sich in Philadelphia nieder und arbeitete die ersten drei Jahre als Hausierer. Er zog erst zu Fuß und später mit Pferdewagen durch die Stadt und verkaufte Haushaltsartikel. Zufällig traf er hier seinen alten Freund Joseph Sachs, den er aus der Studienzeit in Würzburg kannte, wieder. Die beiden unterstützten sich in der Folgezeit tatkräftig. 1850 ging Mark mit Bertha, einer Näherin aus Bayern, die nach Amerika ausgewandert war, die Ehe ein. Da es damals einen großen Bedarf an billiger Kleidung gab, eröffnete das Paar in Philadelphia ein Textiliengeschäft. Berta lieferte dazu die selbst geschneiderte Ware. Um sich an seine neue Heimat anzupassen, anglisierte Mark seinen Vornamen auf Marcus und ließ bei seinem Nachnamen ein "n" weg.Aus der Ehe gingen im Laufe der Zeit fünf Kinder hervor. Auf Wunsch seiner Frau verkaufte Goldman 1869 das Geschäft und verlegte den Wohnsitz der Familie nach New York. 

In den späten 1860er-Jahren entwickelte sich New York zur neuen Boomtown. Durch den ständigen Zustrom von Auswanderern wuchs die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen. Das Fehlen von Industriestandards und Lizenzvorschriften sorgte für leichte Marktzugänge. Es war ein perfekter Zeitpunkt, um hier eine Karriere in der Finanzwirtschaft zu starten. In der Stadt gab es auch bereits eine erfolgreiche deutsch-jüdische Banker-Riege. Viele der prominentesten Banker jener Zeit, wie die Seligmans oder die Lehmans, hatten, genau wie Marcus Goldman, als Hausierer im Hinterland begonnen, bevor sie ins Investmentbanking einstiegen.

Goldman mietete 1869 in der Pine Street 30 in Manhattan ein kleines Büro neben einer Kohlenhandlung. Es wurde zum Geschäftssitz seiner neuen Firma "M. Goldman & Company". Als Hilfskraft stellte er einen alten Buchhalter ein, der nebenbei noch in einem Bestattungsinstitut arbeitete. Da Bankkredite damals sehr teuer waren, bot Goldman seinen Kunden eine Alternative: Er kaufte ihnen ihre Schuldscheine ab und verkaufte sie gegen eine bescheidene Kommission an die großen Geschäftsbanken weiter. Goldman war damit einer der Pioniere des Geschäfts mit Wertpapieren, den späteren "Commercial Papers". Das Geschäft lief blendend. Bereits nach einem Jahr hatte Goldman Papiere für fünf Millionen Dollar verkauft. 

Mitte der 1880er-Jahre verfügte das Unternehmen bereits über ein Kapital von 100.000 Dollar. Die Goldmans hielten die ganze Zeit engen Kontakt mit der Familie von Joseph Sachs. Zwei Goldman-Töchter heirateten im Laufe der Zeit zwei Sachs-Söhne. An seinem 60. Geburtstag nahm Marcus seinen Schwiegersohn Samuel Sachs als Partner ins Geschäft auf. Damit war das Unternehmen "Goldman Sachs" geboren. Mit dem Einstieg von Sohn Henry und Schwiegersohn Ludwig Dreyfuss 1885 wurde die Firma auf "Goldman Sachs & Co." geändert. 1896 wurde das Unternehmen Mitglied der New Yorker Börse. Es verfügte nun über ein Kapital von mehr als 500.000 Dollar. Da der Kundenstamm immer größer wurde, gründete man Niederlassungen in Chicago, Boston, Philadelphia und St. Louis. Ab 1897 wurden Geschäftsbeziehungen zu den großen europäischen Hauptstädten aufgenommen und das Produkt- und Dienstleistungsangebot erheblich erweitert.

Marcus Goldman hatte sich bereits 1894 aus dem Geschäft zurückgezogen. Der Patriarch starb im Sommer 1904 mit 83 Jahren auf seinem Sommerwohnsitz am Strand von New Jersey als reicher Mann. Im Oktober 2016 setzte ihm seine Investmentbank eine Denkmal, indem sie ihrer neue Online-Kreditplattform den Namen "Marcus" gab.


(Christine Riedl-Valder)

Literatur

  • Lisa Endlich: Goldman Sachs. Erfolg als Unternehmenskultur. München 2000.
  • Gerhard Gronauer / Johannes Sander: Trappstadt. In: Wolfgang Kraus, Hans-Christoph Dittscheid, Gury Schneider-Ludorff (Hg.): Mehr als Steine… Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. III/2: Unterfranken 2.1. Erarbeitet von Cornelia Berger-Dittscheid, Gerhard Gronauer, Hans-Christof Haas, Hans Schlumberger und Axel Töllner unter Mitarbeit von Hans-Jürgen Beck, Hans-Christoph Dittscheid, Johannes Sander und Elmar Schwinger, mit Beiträgen von Andreas Angerstorfer und Rotraud Ries. Lindenberg im Allgäu 2021, S. 857‒874.

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