geboren: 23.10.1884,
Nürnberg
gestorben: 23.12.1939,
Dublin
Wirkungsort:
München | Zürich | Aachen | Berlin | Dublin
Der gebürtige Nürnberger Ludwig Hopf entstammte einer wohlhabenden jüdischen Hopfenhändler- und Bankiersfamilie. Seine Mutter war die bedeutende Frauenrechtlerin Elise Hopf (1865-1936). Nach einer Promotion an der Ludwig-Maximilians-Universität München wurde er 1909 Assistent von Albert Einstein. Im Jahr 1911 wechselte er an die Technische Hochschule Aachen und habilitierte dort für Mechanik und Theoretische Physik. Im Ersten Weltkrieg leitete er die Aerodynamischen Abteilung der "Flugzeugmeisterei" bei Berlin. Nach Kriegsende kehrte er nach Aachen zurück und erhielt 1923 den Lehrstuhl für Mathematik und Mechanik. Nach der NS-Machtübernahme wurde er wegen seiner jüdischen Herkunft zunächst beurlaubt und 1934 entlassen. Erst 1939 konnte er mit einem Stipendium der Universität Cambridge nach Großbritannien ausreisen und lehrte bis zu seinem Tod am Trinity College in Dublin.
Die Familie Hopf war eine alteingesessene jüdische Familie in Nürnberg; Ludwig Hopfs Urgroßvater Loeb war 1852 nach Nürnberg gezogen und gehörte zu den ersten Juden, die dort das Bürgerrecht erhielten und eine neue Kultusgemeinde etablierten. Sein Sohn Stephan Hopf (1826-1893) kam als Hopfengroßhändler zu Wohlstand und bekleidete hohe Ämter der kommunalen Verwaltung. Auch Ludwigs Eltern gehörten zur Nürnberger Prominenz: Vater Hans Hopf (1854-1918) war nicht nur ein bekannter Hopfengroßhändler, sondern auch ein Kunstsammler und begeisterter Amateurhistoriker, Mutter Elise geb. Josephthal (1865-1836) zählt zu den wichtigsten Frauenrechtlerinnen Bayerns.
Nach seiner regulären Schulzeit in Nürnberg studierte Ludwig Hopf von 1902 bis 1909 in Paris, Berlin und München die Naturwissenschaften, sein Studium beendeter mit einer Promotion in Theoretischer Physik. Während er eine akademische Laufbahn einschlug, blieben sein jüngerer Bruder Ernst (1885-1935) und seine Schwester Betty verh. Hesselberger (1887-1967) dem Hopfengeschäft verbunden. Auf einer Konferenz in Innsbruck lernte er den Physiker Prof. Albert Einstein kennen und wurde sein Assistent. Er folgte ihm an die Universitäten von Zürich und Prag, doch 1911 wechselte er als Assistent des Lehrstuhlinhabers an die Technische Hochschule Aachen.
Ludwig Hopf heiratete 1912 Alice Goldschmidt (1892-1975), aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor. Sie stammte aus einem ähnlich privilegierten bürgerlichen Umfeld. Ihr Vater, Ferdinand Goldschmidt (1862-1944), war Arzt in Nürnberg und Autor zahlreicher Publikationen im Gesundheitsbereich. Schwiegersohn und Schwiegereltern vertrugen sich so gut, dass sie schließlich in Aachen direkte Nachbarn wurden.
Im Jahr 1914 konnte Dr. Ludwig Hopf unter dem Luftfahrt-Physiker Prof. Theodore von Kármán habilitieren und lehrte bis 1916 als Privatdozent die Fächer Mechanik und Theoretische Physik. In Auftrag der OHL leitete er bis 1918 die Aerodynamische Abteilung der Beschaffungsstelle "Flugzeugmeisterei" bei Berlin. Nach Kriegsende kehrte Hopf nach Aachen zurück, wo er 1923 zum ordentlichen Professor für Mathematik und Mechanik berufen wurde. Kurz nach der NS-Machtübernahme 1933 wurde an der TH Aachen ein "Denunziationsausschuß" gebildet, der unliebsame, sprich politisch abweichendes und "nicht-arisches" Hochschulpersonal meldete. Prof. Ludwig Hopf gehörte zu einem Dutzend Dozenten, die gemäß des neuen "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" (7. April 1933) aufgrund ihrer jüdischen Herkunft zunächst beurlaubt und 1934 entlassen wurden. 1936 musste er den Tod seiner Mutter und seines jüngeren Bruders verkraften. Das Berufsverbot im Deutschen Reich nahm dem Physiker jede Zukunftsperspektive. Sein Sohn Arnold Hopf (1915-1992) bewahrte ihn schließlich 1938 davor, von der SS gefangen genommen zu werden, indem er sich als sein Vater ausgab. Nach einmonatiger Haft wurde Arnold aus dem KZ Buchenwald wieder entlassen, da er Ausreisepapiere nach Kenia vorweisen konnte. Erst im Jahr 1939 erhielt Ludwig Hopf durch die Vermittlung von Sidney Goldstein (1903-1989) ein Forschungsstipendium der Universität Cambridge. Ludwig und Alice Hopf konnten nach Großbritannien ausreisen, und kurz darauf folgten ihnen die Schwiegereltern aus Aachen. Sie wohnten in der 86 Lovell Road im Nordosten von Cambridge. Zuletzt zogen sie am 17. Juni nach Dublin, wo Prof. Ludwig Hopf am renommierten Trinity College lehrte und mit seiner Frau am 65 Kenilworth Square wohnte. Mit nur 55 Jahren verstarb Hopf an Schilddrüsenversagen. Er ruht auf dem protestantischen Friedhof Mount Jerome im Süden von Dublin.
Die Trauerredner an Hopfs Beerdigung waren die beiden Exilanten Hans Sachs (1881-1974) und Erwin Schrödinger (1887-1961). Schrödinger, der damals in Clontarf lebte, beschrieb Hopf als "einen Freund der größten Genies seiner Zeit, tatsächlich war er einer von ihnen". Er erinnerte sich, wie Hopf "bald begann, dieses Land [Irland] zu lieben, das ihn so freundlich aufgenommen hatte, und ein Volk zu lieben, dessen Mentalität seiner eigenen ähnlich war. Er hätte sich wohl einen glücklichen Mann genannt, wenn es der Vorsehung gefallen hätte, ihn uns nicht wegzunehmen. Sein Verlust ist für uns alle unwiederbringlich, und noch mehr für seine nächsten Angehörigen. Mit seinem letzten Abschied von ihm sind wir entschlossen, sein Andenken zu bewahren und uns in Dankbarkeit an seine Freundschaft zu erinnern.“ Ludwig Hopf gilt bis heute als herausragender Mathematiker und war einer der Väter der modernen theoretischen Physik, ist aber im Vergleich zu seinen früheren Professoren Einstein und Kármán weitaus weniger bekannt. Die Kunstvilla Nürnberg zeigte 2023 die Ausstellung "Die Nürnberger Hopfenhändler- und Bankiersfamilie Hopf".
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