Biografien
Menschen aus Bayern

Louis Berneis Kaufmann und Schuhfabrikant

geboren: 18.10.1854, Fürth
gestorben: 25.05.1930, Nürnberg

Wirkungsort: Fürth | Herzogenaurach | Meringen | Nürnberg

Louis Berneis gründete 1875 zusammen mit seinem Bruder Albert (1853-1924) die erfolgreiche Schuhfabrik "B. Berneis" in Fürth, die mit dem Investor Nathan Krautheimer erweitert wurde. Es entstanden weitere Produktionsstandorte. 1892 fusionierte Berneis mit der Nürnberger Schuhfabrik M. Brust zur "Vereinigten Fränkischen Schuhfabrik vorm. Max Brust vorm. B. Berneis AG". Sie wurden die größte Filzschuhfabrik ihrer Zeit. Ein Brand zerstörte 1901 die Fabrik in Herzogenaurach, die aber wieder aufgebaut wurde. Dafür erhielt Berneis 1907 die Ehrenbürgerwürde der Stadt. Der Erste Weltkrieg brachte Aufträge, die Weltwirtschaftskrise neue Herausforderungen. Louis Berneis schloss sich mit der Augsburger Schuhfabrik von August Wessels zusammen und verbesserte mit der Schuhvertriebsgesellschaft "Romeo" den Verkauf. 1925 zog sich Berneis aus dem aktiven Berufsleben zurück. Aus der Ehe mit der US-Amerikanerin Rosie geb. Benda (ca. 1824-1884?) ging Sohn Bruno (1887-?) hervor. Sein Neffe war der Kunstmaler Benno Berneis (1884-1916).

Louis Berneis kam als Sohn des aufstrebenden Manufakturhändlers Bärmann Berneis (1818-1871) und seiner Ehefrau Fanny Dünkelsbühler geb. Ochs (1814-1873) in Fürth zur Welt. Nach dem Tod des Vaters übernahmen Louis und sein Bruder Albert (1853-1924) den Familienbetrieb, der sich zu einem Großhandel für Woll- und Kurzwaren entwickelt hatte. 1875 folgten sie einem neuen Trend der Region und gründeten in eine Schuhfabrik, die sie zu Ehren des Vaters "Schuhfabrik B. Berneis" nannten. Der bestehende Handelsbetrieb wurde als zweites Standbein weiterbetrieben. Neben der maschinellen Fertigung von Stoff- und Filzschuhen in einer kleinen Werkstatt vergaben sie Heimwerkeraufträge bis nach Herzogenaurach. Weil sich beide Betriebe gut entwickelten, suchten die Brüder Berneis 1880 einen Investor, um zur weiteren Expansion einen Fabrikneubau finanzieren zu können. In Fürth gewannen sie Nathan Krautheimer (1854–1910) als Mitgesellschafter und investierten gemeinsam in den Bau eines Produktionsgebäudes in der Fürther Gebhardtstraße. Im Jahr 1881 heiratete Louis Berneis die US-Amerikanerin Rosie Benda (ca. 1824-1884?), aus der Ehe ging Sohn Bruno (1887-?) hervor. Dieser stieg später in das Familienunternehmen ein und wurde von den Nationalsozialisten 1938 enteignet, eingesperrt und musste bis Kriegsende Zwangsarbeit leisten. Die NS-Diktatur hatte seine vier Kinder, die Enkel von Louis Berneis, außer Landes getrieben. Tochter Rosel entkam nach England, der älteste Sohn Hans emigrierte nach Amerika.

In der neuen Schuhfabrik wurden zuerst Haus- und Kinderschuhe, später auch Sandalen und Lederschuhe ins Produktionsprogramm aufgenommen. Die maschinell hergestellten Schuhe fanden guten Absatz, daher entstanden schon bald zwei neue Produktionsstandorte in Meringen bei Augsburg und in Herzogenaurach. Nach einem verheerenden Großbrand im Fürther Hauptwerk 1892 wurde dieser Standort aufgegeben. Louis Berneis entschied sich für die Fusion mit dem bis dato größtem Konkurrenten in der Region, der hochmodernen Nürnberger Schuhfabrik M. Brust. Die neue Firma mit Sitz in Nürnberg nannte sich ab sofort "Vereinigte Fränkische Schuhfabrik vorm. Max Brust vorm. B. Berneis AG". Durch diese Fusion entstand die damals weltgrößte Filzschuhfabrik mit einem internationalen Absatzmarkt und 1.600 Mitarbeitern. Allein in Nürnberg wurden um die Jahrhundertwende um 10.000 Paar Schuhe gefertigt. Im frühen 20. Jahrhunderts hatten die Gebrüder Berneis, gemeinsam mit der Augsburger Schuhfabrik August Wessel, eine marktbeherrschende Stellung in der Deutschen Wirtschaft.

In der Schuhfabrik in Herzogenaurach kam es am 4. Mai 1901 erneut zu einer Brandkatastrophe, die das ganze Produktionsgelände und alle Lagerhallen zerstörte. In diesem Falle entschlossen sich die Brüder Berneis jedoch für den Wiederaufbau, zumal sie sich als einziger größere Arbeitgeber des Ortes einer sozialen Verantwortung bewusst waren. Sie erneuerten die Produktpalette und gewannen auf der Bayerischen Landesgewerbeausstellung 1906 in Nürnberg mehrere Goldmedaillen. Im Folgejahr ernannte die Stadt Herzogenaurach Louis Berneis zu ihrem Ehrenbürger.

Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges erlebte die Schuhfabrik durch Heeresaufträge noch einmal einen großen Aufschwung, der bis 1920 anhielt. Um sich der neuen Friedenswirtschaft anzupassen, fusionierte Louis Berneis mit der Augsburger Schuhfabrik von August Wessels (1870-1952) zu den "Vereinigten Schuhfabriken AG Berneis-Wessels, Augsburg-Nürnberg". Trotzdem bedeutete die hereinbrechende Weltwirtschaftskrise einen tiefen Einschnitt. Um das Verkaufsdilemma zu beheben, hatte das Großunternehmen Anfang der 1920er Jahre die Schuhvertriebsgesellschaft "Romeo" erworben. Sie betrieb über 100 Schuhläden in ganz Deutschland, zwei davon in Nürnberg selbst, hatte aber ihren Sitz in Stuttgart. Als damit das Problem des Verkaufs gelöst schien und die Umsätze wieder anstiegen, entschieden die Brüder Berneis den Aufbau einer neuen, moderneren Produktionsanlage in Nürnberg in der Ulmenstraße. Mit der Fertigstellung des Werkes waren hier 2.000 Angestellte tätig und produzierten alle Arten von Schuhen. Als sich 1925 die Zahlen erneut verschlechterten und auch die Vertriebsgesellschaft "Romeo" in eine ernsthafte Schieflage geriet, zog sich Louis Bernheim anlässlich seines 50jährigen Berufsjubiläums aus der Firmenleitung zurück. Er starb fünf Jahre später in Nürnberg.

Das Unternehmen erholte sich und strukturierte Anfang der 1930er Jahre die Produktion um und führte in einigen Anlagen den Saisonbetrieb ein, damit sie Kosten einsparen konnte. Vor allem wegen der gegen ihn gerichteten antisemitischen Anfeindungen und dem ab 1933 auf das Unternehmen ausgeübten Zwang zur "Arisierung", gab Bruno Berneis seinen Posten auf und zog mit seiner Familie nach Wiesbaden. Vier Jahre später wurden die Namen der jüdischen Gründer aus der Firmenbezeichnung getilgt.


(nach der Biografie von Irene Lederer im Herzogenauracher Heimatblatt Jg. 31 Nr. 26)

Literatur

  • Irene Lederer: Louis Berneis und die Vereinigten Fränkischen Schuhfabriken. In: Herzogenauracher Heimatblatt 31. Jg. Nr. 26 (14. Oktober 2004), o.S.

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