Biografien
Menschen aus Bayern

Kurfürst von der Pfalz und seine zwei Frauen, Maria von Brandenburg-Kulmbach und Amalia von Neuenar zu Limburg Friedrich III. von der Pfalz

geboren: 14. 2. 1515, Simmern
gestorben: 11. 11. 1576, Heidelberg

Sohn von Pfalzgraf Johann II. dem Jüngeren von Simmern und Beatrix von Baden (Tochter von Markgraf Christoph I.); Bruder von Helene von Simmern-Sponheim; seit 1537 verheiratet mit Maria von Brandenburg-Kulmbach; seit 1569 verheiratet mit Amalia, Tochter des Grafen Gumbert IV. von Neuenar zu Limburg.

Maria von Brandenburg-Kulmbach
* 11. 10. 1519
† 31. 10. 1567 in Heidelberg, Grabstätte in der Heiliggeistkirche, Heidelberg

Tochter von Markgraf Kasimir von Brandenburg-Kulmbach und Susanne von Bayern (Tochter Herzog Albrechts IV. von Bayern). Seit 1537 verheiratet mit Friedrich III., Kurfürst von der Pfalz. Maria bekam in dieser Ehe elf Kinder.

Amalia von Neuenar zu Limburg
* um 1540
† 10. 4. 1602 in Schloss Lorbach bei Mosbach, Grabstätte in der Heiliggeistkirche, Heidelberg

Tochter von Graf Gumbert IV. von Neuenar zu Limburg; in erster Ehe verheiratet mit Graf Heinrich I. von Brederode, Burggraf von Utrecht, der 1568 auf Schloss Horneburg starb. Seit 1569 verheiratet mit Friedrich III., Kurfürst von der Pfalz. Die Ehe blieb kinderlos.

Friedrich, der streng katholisch erzogen worden war, konvertierte unter dem Einfluss seiner protestantischen Frau 1546 zum Luthertum. 1559 fiel mit Kurfürst Ottheinrichs Tod die Pfälzer Kur an Friedrich III. und damit an die Linie Simmern. Um 1560 vollzog Friedrich schließlich den Übertritt zum Calvinismus und führte die neue Lehre in der Rheinpfalz als verbindlich ein.

Bei der großen Pfälzer Landesteilung im Jahr 1410 war die neue Linie von Simmern-Zweibrücken an den Pfalzgrafen Stephan gefallen. Als nun 1559 mit Kurfürst Ottheinrichs Tod die alte Kurlinie der Pfalz erlosch, fiel diese an die Linie Simmern und damit an Friedrich III.
Friedrich verbrachte seine Kinder- und Jugendzeit in Nancy, Paris und Lüttich sowie in Brüssel, im Umfeld des Hofes Kaiser Karls V., wo er eine streng katholische Erziehung erhielt. Im Jahr 1537 heiratete er in einer katholischen Trauungszeremonie die lutherisch-evangelische Maria von Brandenburg, Schwester des Markgrafen Albrecht Alcibiades, mit der er elf Kinder bekam. Im Laufe der Jahre näherte sich Friedrich dem religiösen Bekenntnis seiner Frau mehr und mehr an, so dass er 1546 zum Luthertum konvertierte. Diese anfangs geheim gehaltene Konversion wurde erst öffentlich bekannt, als Friedrich 1556 von seinem Vetter, dem lutherischen Kurfürsten Ottheinrich, zum Stellvertreter gemacht wurde. Im Jahr 1557 wurde Friedrich Landesherr von Simmern, 1559 - nach dem Tod Ottheinrichs - Kurfürst von der Pfalz.
Während eines öffentlichen Religionsstreites 1560 zwischen evangelischen Theologen in Heidelberg beschäftigte sich Friedrich zunehmend selbst mit Glaubensinhalten und religösen Lehren. In diesem Zusammenhang entschied sich der Kurfürst für den Calvinismus, allerdings ohne die Prädestinationslehre (Vorherbestimmung) des Genfer Katechismus anzuerkennen. Um die neue Lehre in Heidelberg einzuführen, beauftragte er den Melanchton-Schüler Zacharias Ursinus und den Calvinisten Caspar Olevian mit der Ausarbeitung eines protestantischen Katechismus, der 1563 in Heidelberg gedruckt wurde. Dieser so genannte Heidelberger Katechismus wurde von Friedrich III. noch im gleichen Jahr zum festen Bestandteil der neuen Kirchenordnung gemacht, die in der Rheinpfalz als verbindlich galt, während sich in der Oberpfalz die protestantischen Stände erfolgreich dagegen wehren konnten. In der folgenden Zeit ging Friedrich streng gegen alle Lutheraner und Katholiken vor. Er schloss Klöster, beschlagnahmte Kirchenvermögen und ließ aus den Kirchen Bilder und Altäre entfernen. Auf dem Augsburger Reichstag legte Friedrich 1566 vor dem Kaiser ein Bekenntnis zum Calvinismus ab, ohne dass ihm jedoch daraus Rechtsfolgen entstanden. Sowohl der Naumburger Fürstentag 1561 als auch das Maulbronner Religionsgespräch 1564, wo jeweils um die Einheit der protestantischen Kirche gekämpft wurde, scheiterten.
Friedrich unterstützte die Protestanten in den Niederlanden und in England sowie seit 1562 die Hugenotten in Frankreich, wodurch die Kurpfalz unter Friedrich III. bald zu einem Zentrum des Calvinismus wurde.
Die Heidelberger Universität erlangte unter Kurfürst Friedrich III. europäischen Rang.