Biografien
Menschen aus Bayern

Kurfürst von der Pfalz Friedrich IV. von der Pfalz

geboren: 5. 3. 1574, Amberg
gestorben: 19. 9. 1610, Heidelberg

Sohn von Kurfürst Ludwig VI. von der Pfalz und Elisabeth von Hessen-Kassel; seit 1593 verheiratet mit Louise Juliane (Tochter von Wilhelm I., Prinz von Nassau-Oranien).

Friedrich wurde schon während seiner Jugendzeit von seinem Onkel und Vormund Johann Casimir zum Übertritt zum Calvinismus überredet. Friedrich, dem "Trunksucht" nachgesagt wurde, war in seiner Politik stark von verschiedenen Beratern beeinflusst. Unter seiner Regierung wurde die Pfalz bald zur führenden Macht der Protestanten im Reich, die sich 1608 in der "Union" zusammenschlossen. 1606 gründete Friedrich die Stadt Mannheim mit der Festung Friedrichsruhe.

Kurfürst Friedrich III. hatte um das Jahr 1563 in der Pfalz den Calvinismus eingeführt. Sein Sohn Ludwig VI. sorgte als Nachfolger dafür, dass wiederum die lutherische Lehre bestimmend wurde, während nach Ludwigs Tod dessen Bruder Johann Casimir erneut und endgültig den Calvinismus durchsetzen konnte.
1583 starb Kurfürst Ludwig VI. Zu diesem Zeitpunkt war sein Sohn
Friedrich erst zehn Jahre alt, so dass Pfalzgraf Johann Casimir die Vormundschaftsregierung übernehmen musste. Johann Casimir aber setzte nicht den politischen Kurs seines Bruders Ludwig fort, sondern den seines Vaters Friedrich III. Gleichzeitig zu der Wiedereinführung des Calvinismus drängte der Pfalzgraf auch seinen Neffen, der bis dahin lutherisch erzogen worden war, zu dem reformierten Glaubensbekenntnis, das dieser 1587 ablegte. Ansonsten erfuhr Friedrich von seinem Onkel eine Erziehung, deren Schwerpunkte eher im Reiten, Jagen und Tanzen lagen. 1592, sechs Wochen bevor Friedrich volljährig wurde, starb Johann Casimir. Nun versuchte Pfalzgraf Reichart von Simmern, die Vormundschaftsregierung zu erlangen und Friedrichs Volljährigkeitserklärung hinauszuzögern. Friedrich konnte sich jedoch gegen die Pläne Reicharts durchsetzen und trat seine Regierung unter dem Einfluss bedeutender Berater sofort an. Als 1598 Pfalzgraf Reichart starb, fiel Friedrich auch noch Simmern zu, wo er sofort die Calvinisierung einleitete.
Schon bald übernahm die Pfalz in protestantischen Angelegenheiten die Führung im Reich. 1604 konnte Kurfürst Friedrich IV. Moritz von Hessen die Markgrafen von Baden und Brandenburg und den Pfalzgrafen von Zweibrücken zu einem protestantischen Bündnis gegen den Papst und Spanien bewegen. 1608 schlossen die Fürsten der Pfalz, von Ansbach, Kulmbach, Baden-Durlach, Sachsen-Anhalt, Pfalz-Neuburg und Württemberg sowie siebzehn Städte (u. a. Straßburg, Ulm und Nürnberg) im säkularisierten Kloster Auhausen einen Vertrag zur Abwehr katholischer Übergriffe und organisierten sich damit für zunächst zehn Jahre zu der so genannten protestantischen "Union". Angeführt wurde die Union von Kurfürst Friedrich IV., wodurch die Pfalz zum Zentrum antihabsburgischer Politik wurde. Die Reaktion der katholischen Seite bestand 1609 in der vertraglichen Gründung der "Liga", die bei Kurfürst Maximilian I. in München stattfand.
Kurfürst Friedrich IV. hatte trotz seiner mangelhaften Ausbildung ein reges Interesse an den Geisteswissenschaften. Er schuf z.B. an der Heidelberger Universität Lehrstühle für Geschichte und für Orientalistik. 1606 gründete er die Stadt Mannheim mit der Festung Friedrichsruhe. Mannheim, ursprünglich ein Fischerdorf, war um 1250 an die Pfalzgrafen bei Rhein gefallen.
Von 1603 bis 1608 ließ Friedrich außerdem den "Friedrichsbau" des Heidelberger Schlosses errichten.