Biografien
Menschen aus Bayern

Kurfürst von der Pfalz Friedrich II. von der Pfalz

geboren: 9.12.1482, Burg Winzingen bei Neustadt/Weinstraße
gestorben: 26.2.1556, Alzey

Sohn von Kurfürst Philipp dem Aufrichtigen von der Pfalz und Margarete, Tochter von Herzog Ludwig IX. dem Reichen von Bayern-Landshut; Bruder unter anderem von Kurfürst Ludwig V. dem Friedfertigen von der Pfalz und Philipp, Bischof von Freising; seit 1535 verheiratet mit Dorothea von Dänemark.

Friedrich, der größtenteils am burgundischen Herzogshof aufwuchs, stellte sich schon früh in den Dienst der Habsburger. Seine Hoffnungen auf bestimmte Gegenleistungen der Habsburger, wie die Hochzeit mit der Schwester Kaiser Karls V., erfüllten sich jedoch nicht. Nicht zuletzt wegen dieser Enttäuschung führte Friedrich 1544, als er Kurfürst von der Pfalz wurde, dort die Reformation ein.

Friedrich, der von dem Humanisten und Dichter Johann Reuchlin (1455-1522) erzogen wurde, hielt sich in seiner Jugendzeit vorwiegend am burgundischen Herzogshof in den Niederlanden auf. Bald schon stellte er sich auf verschiedene Weise in den Dienst der Habsburger: Er begleitete Philipp den Schönen auf dessen Reisen, wurde 1508 Gefolgsmann Kaiser Maximilians im Krieg gegen Venedig und, neben Ferdinand, Statthalter Karls V. beim Nürnberger Reichsregiment. 1529 und 1532 zog er als Führer des Reichsheers gegen die Türken und schließlich unterstützte er Ferdinand 1531 bei der Königswahl. Friedrich versprach sich dafür Gegenleistungen von Seiten der Habsburger bzw. des Kaisers. So hoffte er auf eine Hochzeit mit Eleonore, der Schwester Kaiser Karls, die stattdessen 1516 mit dem König von Portugal verheiratet wurde. Auch Friedrichs Wunsch, Statthalter der Niederlande oder Vizekönig von Neapel zu werden, wurde vom Kaiser nicht erfüllt. Als Friedrich 1535 die erst 14-jährige Dorothea von Dänemark, die Nichte des Kaisers, heiratete, hoffte er zumindest auf Teile des dänischen Königreichs. Die Verfolgung dieses Ziels verschärfte seine ohnehin prekäre finanzielle Situation weiter. Zudem führte der verschwenderische Lebensstil des Ehepaars bald in hohe Verschuldung, der Friedrich zu entkommen versuchte, indem er sich mit seiner Frau auf Reisen an die französischen und spanischen Höfe begab.
Im Jahr 1544 trat Friedrich die Nachfolge seines kinderlos verstorbenen Bruders Ludwigs V. als Kurfürst von der Pfalz an. Zum Teil aus Annäherung an seinen beliebten Neffen Ottheinrich, zum Teil aus Enttäuschung über die Habsburger sympathisierte Friedrich in den folgenden Jahren immer mehr mit der Reformation, die er zögernd in seinem Territorium einführte. 1546 erließ er eine evangelische Kirchenordnung. Diese Aktivitäten brachten Friedrich den Unwillen des Kaisers sowie der bayerischen Herzöge ein. Erst nach der Niederlage im Schmalkaldischen Krieg (1546/47), an welchem die Pfalz allerdings nur geringfügig beteiligt war, bemühte sich Friedrich um eine politisch neutrale Haltung, vor allem gegenüber dem Kaiser.