Die in Paris geborene jüdische Ärztin Klara Oppenheimer stammte aus einer wohlhabenden Familie. Als sich ihr Vater Adolf Oppenheimer in Würzburg niederließ, ermöglichte er seinen drei Töchtern ein außergewöhnliches Maß an Eigenständigkeit. Nach einer Ausbildung zur Lehrerin machte Klara Oppenheimer als eine der ersten Frauen in Würzburg ihr Abitur, begann ein Medizinstudium und wurde die erste weibliche Ärztin der Stadt. Neben ihrer Praxis für Säuglings- und Kinderkrankheiten engagierte sie sich in mehreren Frauenrechts-Vereinen und war im Vorstand der Würzburger Sophienschule, einer Bildungseinrichtung für Mädchen. Die Nationalsozialisten erteilten Klara Oppenheimer Berufsverbot. 1943 wurde sie nach Theresienstadt verschleppt und ermordet.
Klara Oppenheimer stammte aus einem großbürgerlichen jüdischen Milieu. Ihr Vater Adolf (Aron) Oppenheimer (1832-1904) aus Oberingelheim am Rhein war Kaufmann. Die Familie der Mutter Recha geb. Hamburger (1844-1921) lebte in Hanau. Nach der Hochzeit 1867 siedelte sich die junge Familie Oppenheimer offenbar in Paris an, denn hier kam Klara und ihre jüngste Schwester Cäcilie (1869-1937?) zur Welt. Klaras jüngste Schwester, das dritte Kind der Familie, war die spätere Malerin Johanna Oppenheimer (1872-1943). 1875 zog die Familie von Frankfurt am Main nach Würzburg, wo Adolf Oppenheimer mehrere Grundstücke in der Sophienstraße erwarb und sich im angrenzenden Eckhaus Friedensstraße 26 als Privatier niederließ.
Klara Oppenheimer hatte durch das Vermögen ihrer Familie für damalige Zeiten ungewöhnliche Lebensperspektiven. Von 1876 bis 1880 besuchte sie die Israelitische Volkschule und von 1880 bis 1886 das private Mädchenlyzeum (Vorläufer des Gymnasiums). 1889 absolvierte sie das staatliche Lehrerinnenexamen in Aschaffenburg, was damals den Gipfel weiblicher Karrieremöglichkeiten darstellte. Ob sie tatsächlich unterrichtete, ist unbekannt. Als 1903 die entsprechenden Einschränkungen aufgehoben wurden, holte Klara Oppenheimer das Abitur nach und begann 1906 als eine der ersten zugelassenen Frauen ein Studium an der medizinischen Fakultät der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Die ärztliche Prüfung legte sie 1910 ab, 1911 machte sie ihr Medizinalpraktikum. 1912 promovierte sie und erhielt noch im selben Jahr die Approbation. Nachdem sie einige Jahre praktische Erfahrungen gesammelt hatte, eröffnete sie 1918 als erste Frau in Würzburg eine Praxis für Säuglings- und Kinderkrankheiten. 1919 erhielt sie zudem eine Kassenzulassung.
Bereits in jungen Jahren hatte sich Klara Oppenheimer für die Rechte der Frauen engagiert. Sie arbeitete im Würzburger Verein „Frauenheil“ mit, der sich für die „Förderung höherer Bildung des weiblichen Geschlechts und der Erwerbstätigkeit der auf eigenen Unterhalt angewiesenen Frauen“ einsetzte. Während ihres Medizinstudiums wurde sie zweite Vorsitzende des „Vereins studierender Frauen“. Als approbierte Ärztin gehörte sie dem örtlichen Suffragetten-Verein an, der das Wahlrecht für Frauen forderte, und wurde zur zweiten Vorsitzenden gewählt. Außerdem war Dr. Klara Oppenheimer Mitglied im Vorstand der Sophienschule, einer von 1900 bis 1937 betriebenen, sechsklassigen Bildungseinrichtung für Mädchen.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 hatte auch Dr. Klara Oppenheimer und den zunehmenden Repressalien gegen die deutschen Juden zu leiden. Ihre Rente wurde gekürzt und ein Ausreiseantrag in die Schweiz abgelehnt. Ihr Haus wurde zu einem „Judenhaus“ umfunktioniert, in dem jüdische Familien zwangsweise leben mussten. Sie selbst musste im August 1941 in ein jüdisches Altenheim umsiedeln. Am 23. September 1942 wurde Klara Oppenheimer nach Theresienstadt deportiert, wo sie am 17. Mai 1943 ums Leben kam.
In Erinnerung an Klara Oppenheimer wurde 2006 vor dem elterlichen Haus in der Friedenstraße 26 ein Stolperstein verlegt („Clara“ mit C). Das kaufmännische Berufsbildungszentrum II in der Sanderau südöstlich der Würzburger Altstadt trägt heute den Namen Klara-Oppenheimer-Schule (Stettiner Straße 1). Auf dem Universitätscampus Hubland Nord im Osten Würzburgs wurde der Klara-Oppenheimer-Weg nach ihr benannt. 2017 erschien eine Biografie in Buchform von Franz Ziegler und Gereon Rempe, beides ehemalige Lehrkräfte an der Klara-Oppenheimer-Schule.
(Patrick Charell)
Literatur
- Franz Ziegler / Gereon Rempe: Würzburger Kinderärztin. Kämpferin für das Frauenrecht. Opfer des Holocaust. Würzburg 2017.
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Quellen
GND: 130404438