Biografien
Menschen aus Bayern

Julian Henri Saenger (Sänger) Filmproduzent und Kinobetreiber

geboren: 04.07.1873, Buttenwiesen
gestorben: 06.02.1932, New Orleans

Wirkungsort: Shreveport (LA) | New Orleans u.a.

Julian Henri Saenger stammte aus einer Familie mit starken Bindungen zur Synagoge in Buttenwiesen. Sein Vater entschloss sich zur Auswanderung und wurde Rabbiner in Shreveport (Louisiana). Als Drogist lernte Julian die Foto- und Filmtechnik kennen. Im Jahr 1911 gründete er mit seinem jüngeren Bruder Abraham David Saenger (18761945) die "Saenger Company" und eröffnete ein erstes Lichtspielhaus. Daraus entstand ein Kino-Imperium mit rund 300 Standorten im Süden der USA, in Kuba, Jamaika, Panama und Puerto Rico. Ein Kronjuwel war das 1927 eröffnete Saenger Theatre in New Orleans mit 4.000 Sitzplätzen. Julian heiratete 1929 Marjorie Kent und adoptierte Julian Saenger-Kent. Im gleichen Jahr übernahm "Paramount Pictures" aus Hollywood das gesamte Unternehmen für 10 Millionen US-Dollars. Julian Henri Saenger blieb weiterhin in der Filmindustrie aktiv und starb 1932 an einem Herzinfarkt.

Julian Henri war der Sohn von Henriette geb. Rosenberg (1850–1896) und Rabbiner Israel Sänger (1841–1918). Bereits sein Großvater hatte die Synagoge in Buttenwiesen geleitet, vielleicht als Vorsänger (Chasan). Nach der Auswanderung in die USA leitete Israel – der sich jetzt anglisiert Saenger nannte – für lange Jahre die überwiegend deutschsprachige "B'Nai Zion Congregation" in Shreveport (Louisiana), seine Söhne Julian und Abraham David (1876–1945) wuchsen in dieser Stadt auf. Julian Saenger machte eine Ausbildung in einer der ersten Drogerien der Stadt, die der deutsche Auswanderer August Bogel führte. Nach fünf Jahren machten sich die Brüder Saenger mit einem eigenen "Drugstore" selbstständig. Durch seinen Beruf kam Julian mit der Foto- und Filmtechnik in Berührung. Wahrscheinlich reifte in dieser Zeit sein Entschluss, in das aufstrebende amerikanische Filmgeschäft einzusteigen.

Im Jahr 1911 wurde die "Saenger Bros. Amusement Company" gegründet, die sich ein Jahr später in der "Saenger Company" neu formierte. Das erste Saenger Theatre in Shreveport zeigte anfangs noch Kurzfilme in einem Wechsel mit Musiktheater, aber Julian Saenger erkannte das wirtschaftliche Potential der immer weiter ausgereiften Lichtspieltechnik und stellte schon bald auf einen reinen Kinobetrieb um. Die große Zeit des Stummfilms begann, die Abendvorführungen in Filmtheatern entwickelten sich zu anspruchsvollen gesellschaftlichen Ereignissen. Als federführender Präsident gründete Julian Henri Saenger nach und nach eine große Anzahl von Filmtheatern in den Südstaaten der USA (Texas, Louisiana, Arkansas, Florida, und Mississippi), sowie in Kuba, Jamaika, Panama and Puerto Rico. Er war auch Präsident der "Saenger-Ehrlich Enterprises", die 1925 im Stadtzentrum von Shreveport das prächtige Strand Theatre errichtete. Die Pläne lieferte der Stararchitekt Emile Weil (1878–1945).

Die Krönung dieses wachsenden Unterhaltungs-Imperiums bildete das Saenger Theatre in New Orleans, das 1927 eröffnete. Auch hier war Weil federführend: Er entwarf einen gewaltigen Zuschauerraum mit 4.000 Sitzplätzen und schuf mit künstlichen Perspektiven die Illusion einer römischen Palastarchitektur unter Sternenhimmel. Dieses Lichtspielhaus steht noch heute im Herzen des berühmten French Quarter von New Orleans. Es erlitt während der Sturmflut durch Hurricane "Katrina" 2005 große Schäden, die den Betrieb weiterhin belasten.

Julian Henri Saenger heiratete 1929 eine aus New Orleans gebürtige Frau namens Marjorie Kent (Daten unbekannt); sie adoptierten einen Sohn, Julian Saenger-Kent (dito). Noch im gleichen Jahr übernahm "Paramount Pictures"-Boss Adolph Zukor die rund 300 Saenger-Filmtheater für 10 Millionen US-Dollar. Die Umstände bleiben bis heute undurchsichtig, zumal Zukor in seiner Autobiografie die Übernahme dieses sehr beachtlichen Unternehmens mit keinem Wort erwähnt.

Nach dem Verkauf seiner Firma blieb Julien Henri Saenger eine herausragende Persönlichkeit in der US-amerikanischen Filmindustrie, besetzte Aufsichtsratsposten in New York sowie Hollywood und verkehrte in den exklusiven Szeneclubs. Als er am 6. Februar 1932 überraschend einen Herzschlag erlitt und auf dem Weg ins Krankenhaus verstarb, hieß es in einem Nachruf: "Er schloss nicht nur Freundschaften mit bemerkenswerter Leichtigkeit, sondern behielt sie auch in gleicher Weise".

Auf der privaten Webseite Roadside Architecture werden Fotografien von vielen der noch heute bestehenden Saenger-Kinos in den amerikanischen Südstaaten gezeigt.


(Patrick Charell)

Bilder

Literatur

  • Anon.: "Julian Henri Saenger, Retired Owner of a Chain of Theatres Dies Suddenly at 58". In: The New York Times (08.02.1932), S. 17.
  • Rolf Hofmann (Hg.): Begegnung mit bemerkenswerten Menschen. Lebensbilder jüdischer Persönlichkeiten von einst. Begleitheft zur Ausstellung im Rahmen der Rieser Kulturtage 2010. Deiningen 2010, S. 62f.

GND: nicht verfügbar