Biografien
Menschen aus Bayern

Josua Harrsch (Pseudonym: Kocherthal) Pfarrer, Gemeindeseelsorger

geboren: 30.07.1669, Fachsenfeld bei Aalen
gestorben: 27.12.1719

Josua Harrsch war der Vorbereiter der ersten deutschen Massenauswanderung nach Nordamerika. Er besuchte das Gymnasium in Schwäbisch Hall und studierte anschließend lutherische Theologie an der Universität Jena. Nach Studienabschluss wird er 1696 Pfarrer von Eschelbronn, Mönchzell und Daisbach im Kraichgau. In Gerichtstetten heiratet er Sibylla Charlotte Winchenbach und wohnt mit ihr in Eschelbronn. Mit dem Wunsch, in die USA auszuwandern, reist er 1704 zunächst inkognito nach London, um Verbindungen zu britischen Adelskreisen um Lord Granville und John Archdale aufzunehmen. Diese haben als Großgrundbesitzer in South Carolina ein großes Interesse an der "Peuplierung" dieser Kolonie. Vermutlich in ihrem Auftrag gibt Harrsch nach seiner Rückkehr in Frankfurt a. M. unter dem Pseudonym "Kocherthal" 1706 eine Flugschrift heraus, die bei potenziellen Auswanderern das Interesse für South Carolina wecken soll. Diese Flugschrift beeinflusst die erste Massenauswanderung aus dem deutschsprachigen Südwesten (1709-1711). Schon vorher verlässt Harrsch mit seiner Familie heimlich seine Pfarrstelle und reist mit ihr und einer kleinen Auswanderergruppe aus dem Rhein-Neckar-Raum im März 1708 über Rotterdam nach London. Im Mai desselben Jahres veranlasst Queen Anne die Ansiedlung Josua Harrschs und seiner Gefährten in einer Kolonie im Staat New York, wo sie Pech und Teer für die britische Marine gewinnen sollen. Nach der Überfahrt verbringt die Siedlergruppe den Winter 1708/09 in New York City. Im Frühjahr 1709 werden sie von Gouverneur Francis Lovelace am Westufer des Hudson River, an der Mündung des Quassaick-Creek angesiedelt; dort begründen sie die Stadt Neuburg (heute Newburgh, Orange County, New Jersey). Nach dem Tod des Gouverneurs reist Harrsch unter dem Namen Kocherthal im Spätsommer 1709 erneut nach London, um weitere Unterstützung für seine "Palatines" (so die amerikanische Bezeichnung für die pfälzischen Siedler) zu erhalten. Mit Erfolg: Auf königlichen Befehl schenkt man ihm 2.100 acres Land, dazu 500 acres Kirchengut für die lutherische Gemeinde. In London stößt Kocherthal auf die ersten großen Auswandererscharen aus dem südwestdeutschen Raum. Mit einer Gruppe dieser Auswanderer kehrt er im Frühjahr 1710 an die Siedlung am Hudson zurück und übernimmt dort von nun an die seelsorgerische Betreuung der neu angekommenen Landsleute. Diese werden zunächst nördlich von Neuburg angesiedelt, beginnen aber schon bald, ins Landesinnere abzuwanderen und sich dort anzusiedeln. Harrsch/Kocherthal sorgt sich um seine Gemeindemitglieder in dieser Kolonie der britischen Krone und organisiert in dieser neuen Heimat das lutherische Gemeindewesen. Auch in Weisersdorf (heute Middleburgh, auch Middlebury, Vermont) gründet er eine lutheranische Gemeinde. Unter seinen "Palatines" führt er 1718 eine erste Volkszählung durch. Harrschs bereits 1708 angelegtes und bis zu seinem Tod (1719) geführtes Kirchenbuch ist das älteste in deutscher Sprache verfasste Kirchenbuch der USA. Harrsch/Kocherthal stirbt 1719 in Newton bei New York City und wird in West Camp bestattet.