geboren: um 1737,
Gochsheim
gestorben: 1817,
Gochsheim
Wirkungsort:
Gochsheim
Joseph Isaak lebte sein gesamtes Leben in Gochsheim, wo er als Buchhändler arbeitete und zum Barnos der jüdischen Gemeinde gewählt wurde. Über sein Leben ist fast nichts bekannt, jedoch genoss er vermutlich neben dem traditionellen Cheder-Unterricht auch eine weiterführende Ausbildung durch Selbststudium oder an einer Jeschiwa. Bis 1811 wirkte Isaak auch als (Religions)-Lehrer der Gemeinde. 1790-1792 veröffentlichte er im "Journal von und für Franken" eine Studie über "Betteljuden" in Gochsheim und im Hochstift Würzburg. Darin kritisierte Isaak das veraltete jüdische Wohlfahrtssystem und forderte gleichzeitig ein Ende der jüdischen Ausgrenzung, auch im Interesse der Gesamtgesellschaft.
Um das Jahr 1737 wurde Joseph Isaak im sog. "Judenhof" des Herrensitzes am Reichsdorf Gochsheim geboren. Nur wenige biographische Schlaglichter erhellen das Leben dieses frühen Vordenker der jüdischen Emanzipation. Neben dem traditionellen Knabenunterricht an der Cheder hat er sicherlich auch eine weiterführende Ausbildung im Sinne der jüdischen Aufklärung (Haskala) genossen, sei es an einer Jeschiwa oder durch Selbststudium. Er wohnte zeitlebens in Gochsheim, wo er als Buchhändler arbeitete und später auch zum "Vorgeher" (Barnos) der jüdischen Gemeinde gewählt wurde. Obwohl er an keinem staatlich anerkannten Lehrerseminar studiert hatte, wirkte Joseph Isaak in Gochsheim zumindest bis Ende 1811 auch als (Religions-)Lehrer für die jüdischen Kinder und verstarb 1817, kurz vor der Einführung der Matrikellisten in Gochsheim.
Joseph Isaak engagierte sich für eine Verbesserung der jüdischen Lebensverhältnisse und publizierte in den Jahren 1790-1792 eine Studie zum Phänomen der "Betteljuden" anhand des Fallbeispiels Gochsheim im "Journal von und für Franken", wo er auch auf eine Rezension seiner Schrift reagierte. Als "Betteljuden" wurden im Mittelalter und der frühen Neuzeit eine jüdische vagabundierende Randgruppe ohne Schutzstatus und Aufenthaltsrecht bezeichnet. Betteljuden lebten zumeist von der Unterstützung der jüdischen Gemeinden und standen im (teils auch verdientem) Ruf der Kriminalität. Joseph Isaak führte dies auf das veraltete, religiös ausgerichtete jüdische Wohlfahrtssystem zurück und forderte ein Ende der jüdischen Ausgrenzung, auch mit Blick auf die Belastung der Gesamtgesellschaft. Isaak empfahl unter anderem das Bettelverbot für "falsche Bettler", die Einrichtung von Arbeitshäusern und die Ansässigmachung der Betteljuden. Nach dem Erscheinen seiner Denkschrift erhielt Joseph Isaak eine Privataudienz beim Würzburger Fürstbischof Franz Ludwig von Erthal (reg. 1730-1795), der sich selbst als aufgeklärten Despoten verstand und ebenfalls Reformen anstrebte (Zitat: "Alles für die Untertanen, aber alles durch den Fürsten"). Er ermunterte Isaak zu einer weiteren Ausführung der Studie für das Hochstift Würzburg, die jedoch - soweit bekannt - nie erschienen ist. Isaaks Vorschläge deckten sich mit den Gedanken des Reformministers Maximilian von Montgelas, der vielleicht auch das "Journal von und für Franken" während seiner Zeit in Ansbach studiert hatte: Nach der Säkularisation und Mediatisierung Frankens wurden mit dem Bayerischen Judenedikt von 1813 die juristisch eigenständigen jüdischen Verwaltungssysteme aufgelöst.
(Patrick Charell)
Literatur
- Gerhard Gronauer / Hans-Christof Haas: Gochsheim mit Schwebheim. In: Wolfgang Kraus, Hans-Christoph Dittscheid, Gury Schneider-Ludorff (Hg.): Mehr als Steine… Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. III/2: Unterfranken Teilband 2.2. Erarbeitet von Cornelia Berger-Dittscheid, Gerhard Gronauer, Hans-Christof Haas, Hans Schlumberger und Axel Töllner unter Mitarbeit von Hans-Jürgen Beck, Hans-Christoph Dittscheid, Johannes Sander und Elmar Schwinger, mit Beiträgen von Andreas Angerstorfer und Rotraud Ries. Lindenberg im Allgäu 2021, S. 1365-1389.
- Joseph Isaak: Etwas zur nähern Beherzigung für Herrn D. Cotta in Straßburg die Recension meiner kleinen Schrift "Gedanken über Bettel-Juden und ihre bessere und zweckmäßigere Versorgung" […] In: Journal von und für Franken, Bd. 4 Heft 4 (1792), S. 359f.
- Joseph Isaak: Fortgesetzte Betrachtungen über die Betteljuden, mit einigen dahin abzweckenden Vorschlägen in vorzüglicher Hinsicht auf das Hochstift Wirzburg und die in demselbigen liegenden ritterschaftlichen Orte. In: Journal von und für Franken, Bd. 2 Heft 5 (1791), S. 606-619.
- Joseph Isaak: Authentische Berechnung, was eine Judengemeinde von 26 Haushaltungen (im Reichsdorfe Gochsheim) jährlich zum Unterhalt ihrer bettelnden Glaubensgenossen beytragen muß. In: Journal von und für Franken, Bd. 1 Heft 1 (1790), S. 435-446.
Weiterführende Links
Quellen
GND: nicht verfügbar