Biografien
Menschen aus Bayern

Josef Salomon Thannhauser Bierkrugveredler

geboren: 28.01.1856, München
gestorben: 29.01.1917, München

Wirkungsort: München

Mit dem zunehmenden Fremdenverkehr stieg in München ab den 1880er Jahren der Bedarf nach Bierkrügen als Andenken und Sammelobjekt. Josef Salomon Thannhauser war ein "Bierkrugveredler". Das Gewerbe gab es fast nur in München und befand sich bis zur NS-Machtübernahme überwiegend in jüdischen Händen. Zusammen mit seinem Bruder Albert produzierte er Figurenkrüge und Trinkgefäße, indem sie Rohlinge bemalten und vor Ort Zinnmonturen applizierten. Um die Wende zum 20. Jahrhundert wurden die Bierkrüge der Gebrüder Thannhauser in den illustrierten Festschriften des Oktoberfests beworben. Im Jahr 1904 machte die Firma allein mit ihrem Münchner Kindl-Nippes einen Umsatz von mehr als 250.000 Mark. Thannhauser prägte das bis heute gültige Bild Münchens als Kunst- und Bierstadt.

Josef Salomon Thannhauser wurde in München als Sohn des jüdischen Schankwirts Abraham Thannhauser (1826-1888) aus Mönchsdeggingen und dessen Frau Henriette geb. Engel (1821-1860) aus der Vorstadt Au geboren. Nach dem Tod Henriettes heiratete Abraham erneut, und aus dieser Ehe gingen zwei weitere Söhne hervor: Der spätere Hutfabrikant und Volkssänger Julius Thannhauser (1860-1921) und Albert (1861-1916), mit dem Josef Salomon 1882 im Rosenthal 10 die Firma "Brüder Thannhauser – Glas- und Porzellanwaarenhandel" gründete. 1888 meldeten sie zusätzlich eine Zinngießerei unter der gleichen Adresse an. 1891 zogen sie in neue Räumlichkeiten in der Kaufingerstraße 16, nahe des Konkurrenten Martin Pauson. Josef Salomon ehelichte Charlotte geb. Langermann (1863-1933), sein Bruder Salomon deren jüngere Schwester Caroline (1865-1942)! 1885 kam Josefs Sohn Siegfried Joseph zur Welt, der später Mediziner wurde, die Universitätsklinik in Freiburg leitete und nach seiner Flucht vor der NS-Diktatur in den USA seine Laufbahn erfolgreich fortsetzte. Er starb 1962 in Boston. 

Die Brüder Thannhauser produzierten das gesamte Spektrum an Bierkrügen, darunter auch aufwändig gestaltete Figurenkrüge, die sich im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts großer Beliebtheit erfreuten. Ihre massenhafte Herstellung wurde mit der fortschreitenden semi-industriellen Modelproduktion möglich. Dennoch blieben sie überwiegend Sammlerstücke bzw. Andenken, die sich schon aufgrund ihrer vergleichsweise hohen Preise nicht für den täglichen Gebrauch eigneten. Um 1896 übersiedelten die Brüder Thannhauser in ein neues Werkstätten- und Geschäftslokal näher am Marienplatz (Kaufinger Straße 7). Als die humoristischen, aber überladenen Figurenkrüge zur Jahrhundertwende aus der Mode gerieten, reagierten auch die Brüder Thannhauser und stellten ihr Sortiment dem Zeitgeschmack entsprechend um. Durch die Zusammenarbeit mit renommierten Künstlern wie Franz Ringer, Eugen von Baumgarten und Emanuel von Seidl produzierten sie ansprechende Jugendstil-Kleinkunstwerke, die heute begehrte Sammlerstücke sind. Wie die anderen Bierkrugveredler "veredelten" die Brüder Thannhauser auch Krüge für große Münchner Industriebrauereien und ausländische Großkunden. Im Jahr 1904 machte die Firma alleine mit ihrem Münchner Kindl-Nippes einen Umsatz von über einer Viertelmillion Mark (Destouches 1903). Gesundheitliche Probleme machten es den Brüdern zusehends schwerer, den Betrieb fortzführen. Albert Thannhauser starb im Juli 1916, kurz darauf legte Josef Salomon seine Gewerbeberechtigung nieder und verstarb ebenfalls nur wenige Monate später. Krüge der Firma Thannhauser sind im Münchner Bier- und Oktoberfestmuseum ausgestellt.


(nach Bernhard Purin)


Teilnehmerkrug der Tagung des Deutschen Brau- und Malzmeisterbundes 1909. Steinzeug, emaillebemalt, Zinn. Entwurf Franz Ringer. Gebrüder Thannhauser, München 1909.

Bier und Oktoberfestmuseum München, HW 502 / Video: Alex Pohl.

Bilder

Literatur

  • Bernhard Purin: "Großartige Auswahl in Bierkrüge aller Art". Münchens jüdische Bierkrugveredler.In: Lilian Harlander / Bernhard Purim (Hg.): AK Bier ist der Wein dieses Landes. Jüdische Braugeschichten. München 2016, S. 95-137, hier: S. 130-137.
  • Graham Dry: Krüge für München. Herstellung, Veredelung und Vertrieb. In: Münchner Stadtmuseum / Florian Dering u. Sandra Uhrig (Hg.): Das Münchner Kindl. Eine Wappenfigur geht eigene Wege. München 1999, S. 114-120.

GND: nicht verfügbar