Biografien
Menschen aus Bayern

Josef Maier Mayer Bierkrugveredler

geboren: 12.03.1859, Steinach an der Saale
gestorben: 14.08.1935, München

Wirkungsort: München

Neben dem Haupteingang des berühmten Mathäser-Bräus an der Bayerstraße, Münchens zweitgrößtem "Bierpalast", befand sich von 1893 bis 1924 das Ladengeschäft von Josef Maier Mayer. Der jüdische Geschäftsmann war aus dem fränkischen Schweinfurt in die Hauptstadt zugezogen und betätigte sich mit seiner Glas-, Porzellan- und Steinguthandlung als Bierkrugveredler. Dieses typische Münchner Gewerbe befand sich vom späten 19. Jahrhundert bis zur NS-Herrschaft fast ausschließlich in jüdischen Händen. In Mayers Werkstätte wurden importierte Rohlinge bemalt und mit Zinnapplikationen "veredelt". Er verkaufte Figurenkrüge und in Kooperation mit den großen Industriebrauereien auch Krüge mit ihren rechtlich geschützten Markenzeichen. Dadurch trug die Firma Mayer nachhaltig zum Außenbild Münchens als Kunst und Bierstadt bei.

Josef Maier Mayer wurde in Steinach an der Saale geboren, wuchs aber in Schweinfurt auf, wo sich um 1860 eine kleine jüdische Gemeinschaft aus insgesamt fünf Haushalten etabliert hatte. Mit dem Wegfall der beschränkenden Matrikelstellen ließen sich ab 1861 vermehrt Juden in Schweinfurt nieder. Josef M. Mayer hingegen zog 1888 nach München und meldete ein Geschäft für Steinzeugwaren in der Sonnenstraße 25 an. 1889 gründete er die Glas-, Porzellan- und Steinguthandlung in der Löwengrube 1, gleich bei der Münchner Frauenkirche. In Bad Kissingen heiratete Josef Mayer noch im gleichen Jahr Ernestine geb. Engel (1865-1933). 1890 zog sein Josef M. Mayer in die Weinstraße 18 und 1893 in das frisch eingeweihte Gebäude der Mathäser Bierhalle, das der Architekt August Exter in der Bayerstraße 3 zwischen Karlsplatz (Stachus) und dem Hauptbahnhof errichtet hatte. Das Mathäser war der größte Bierausschank der Stadt einer von Münchens „Bierpalästen“. Diese Großgastronomien boten in einer repräsentativen Architektur tausenden Gästen gleichzeitig Platz und etablierten den bis heute anhaltenden Ruf Münchens als „Bierhauptstadt der Welt“.

Mayers Ladengeschäft lag gleich neben dem Haupteingang und verlockte entsprechend viele Touristen zum Kauf. Um 1900 wandte sich Mayer auch dem Großhandel zu und bot „beschlagene Bierkrüge […] in mehr als 500 Ausführungen“ direkt der Gastronomie an. Josef Mayer produzierte Sonderkrüge, zum Beispiel für das 750. Stadtjubiläum im Jahr 1908, außerdem bot er natürlich eine breite Palette von Bierkrügen mit dem Signet des Mathäser-Bräu an. Zu den bekanntesten Figurenkrügen der Firma Jos. M. Mayer gehört eine vollplastisch ausgebildete Version des „Münchner Kindl“ mit Rettich, Brezn und Bierkrug, im Boden die Lithophanie (Durchscheinbild) mit dem Kneiphof des Hofbräuhauses. Der Rohling wurde von C.G Schierholz (& Sohn) in Plau am See hergestellt. Mayers Kindl unterscheidet sich von den zeitgenössischen Konkurrenzprodukten durch die hohe Qualität der Gestaltung und Bemalung, vor allem im Gesicht des Münchner Wahrzeichens. Nach dem Tod von Josef M. Mayer im Jahr 1924 führte seine Frau Ernestine das Geschäft in der Neuhauser Straße 30 weiter und vertrieb nun zusätzlich auch Silberwaren. Die Ehe war kinderlos geblieben. Als Ernestine Mayer im Jahr 1933 verstarb, übernahmen die Brüder Friedrich und Theodor Mayer  sie waren trotz der Namensgleichheit nicht mit Josef Mayer verwandt. Unter neuer Leitung existierte die Firma als Kücheneinrichtungsgeschäft noch bis zur Zerstörung des Geschäftsgebäudes im Zweiten Weltkrieg. Krüge der Firma Mayer sind im Münchner Bier- und Oktoberfestmuseum ausgestellt.


(nach Bernhard Purin) 


Bierkrug "Alt-München" 0,5l. Feinsteinzeug, emailliert, Zinn mit Steinzeugeinlage. Entwurf: Otto Hupp (1859-1949). Rohling: Villeroy & Boch, Mettlach. Jos. M. Mayer, München um 1895.

Bier- und Oktoberfestmuseum München, HW 1189 / Video: Alex Pohl.

Literatur

  • Bernhard Purin: "Großartige Auswahl in Bierkrüge aller Art". Münchens jüdische Bierkrugveredler.In: Lilian Harlander / Bernhard Purim (Hg.): AK Bier ist der Wein dieses Landes. Jüdische Braugeschichten. München 2016, S. 95-137, hier 106-112..
  • Graham Dry: Krüge für München. Herstellung, Veredelung und Vertrieb. In: Münchner Stadtmuseum / Florian Dering u. Sandra Uhrig (Hg.): Das Münchner Kindl. Eine Wappenfigur geht eigene Wege. München 1999, S. 114-120.

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