Biografien
Menschen aus Bayern

Josef Breitenbach Fotograf

geboren: 03.04.1896, München
gestorben: 07.10.1984, New York City

Wirkungsort: München | New York

Der gebürtige Münchner Joseph (später anglisiert Josef) Breitenbach sollte eigentlich in das Weinhandelsgeschäft seiner Familie einsteigen und machte daher nach dem Abitur eine kaufmännische Ausbildung. Anschließend studierte er jedoch Kunstgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität und engagierte sich in der SPD-Jugend. 1918 beteiligte er sich an der Novemberrevolution und wirkte auch in der Münchner Räteregierung mit. 1931 eröffnete Breitenbach in München sein erstes Fotostudio. Nach der NS-Machtübernahme ging Breitenbach nach Paris, wo er unter anderem die zahlreichen Exildeutschen aus der Künstlerszene fotografierte. Nach dem Fall von Paris 1941 floh Josef Breitenbacher in die USA. Bereits 1944 wurde Breitenbach an das "Black Mountain College" in North Carolina berufen. Später erhielt er offizielle Aufträge von den Vereinten Nationen, seine Werke werden in Museen und Galerien ausgestellt.

Joseph Breitenbach wurde als Sohn einer jüdischen Familie, die traditionell vom Weinhandel lebte, in München geboren und studierte nach einer Ausbildung zum Kaufmann an der Ludwig-Maximilians-Universität Philosophie und Kunstgeschichte. Während seines Studiums engagierte er sich auch in einer pazifistischen Jugendorganisation der SPD. 1918 beteiligte er sich an der Novemberrevolution und wirkte auch in der Münchner Räteregierung mit. 1931 eröffnete Breitenbach in München sein erstes Fotostudio. Sein Schwerpunkt lag auf der Porträtfotografie. Zu den Modellen des Fotografen gehörten hauptsächlich Münchner Künstlerinnen und Künstler wie die Schauspielerin Sybille Binder und Edith d’Amara, aber auch Literaten wie der Berliner Joachim Ringelnatz und Unbekannte wie ein Rettungsschwimmer. Typisch für den Fotografen waren die Verwendung traditioneller und innovativer Techniken und die intensive Auseinandersetzung mit Form und Abstraktion sowie sinnlichen und psychologischen Aspekten seiner Objekte. 

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten emigrierte Breitenbach nach Paris und machte dort zum zweiten Mal Karriere. Zu seinen Modellen gehörten vor allem die Mitglieder der ebenfalls in die französischen Hauptstadt emigrierten "anderen Deutschland" wie Bert Brecht und Helene Weigel, Max Ernst und Lyonel Feininger. Engen Kontakt unterhielt Breitenbach auch zu seinen französischen Kollegen Man Ray, Jacques-André Boiffard, Brassai, Eli Lotar und Henri Cartier Bresson, mit denen er auch seine Fotografien ausstellte.

Obwohl Breitenbach sich selbst nicht als Surrealisten betrachtete, stand er im engen Austausch mit den Pionieren dieser Kunstrichtung. So wurden seine Werke Anfang 1938 auch in der epochalen, von André Breton und Paul Eluard organisierten "Exposition internationale du Surréalisme" gezeigt. 

Nach der Niederlage Frankreichs gegen Hitler-Deutschland wurde Breitenbach kurzfristig interniert und floh 1941 über Marseille nach New York, wo er 1942 eintraf. Dort gelang es ihm zum dritten Mal, sich als Fotograf zu etablieren. Bereits 1944 erhielt Breitenbach einen Lehrauftrag für Fotografie am "Black Mountain College" in North Carolina. 1946 wurde der Künstler amerikanischer Staatsbürger und unterrichtete Fotografie an der "Cooper Union" und später an "The New School". Seine Werke bewegten sich seitdem auf der Grenze zwischen Surrealismus und abstraktem Expressionismus.

In den 1950er und 1960er Jahren erhielt er unter anderem von den Vereinten Nationen mehrere Aufträge für Reportagen in Asien. Breitenbachs Fotografien wurden auch in großen New Yorker Museen wie dem Museum of Modern Art und dem Metropolitan Museum of Art ausgestellt. Fünf Jahre vor Breitenbachs Tod erwarb das Fotomuseum im Münchner Stadtmuseum 1979 einen Teil der Fotografiesammlung des Künstlers, die im selben Jahr in der Ausstellung "Die Sammlung Josef Breitenbach. Zur Geschichte der Photographie" präsentiert wurde. Die Erinnerung an den Künstler sicherten nach seinem Tod mehrere Einzelausstellungen unter anderem in New York, Paris, Berlin und München. Breitenbachs Archiv verwahrt die University of Arizona in Tucson. 


(Stefan W. Römmelt)

Literatur

  • Ludwig Eiber: Joseph Breitenbach – Ein Fotograf aus München in New York. In: Haus der Bayerischen Geschichte / Margot Hamm u.a. (Hg.): Good Bye Bayern, Grüß Gott America. Auswanderung aus Bayern nach Amerika seit 1683. Katalog zur Landesausstellung 2004. Augsburg 2004 (= Veröffentlichungen zur Bayerischen Geschichte und Kultur 48), S. 98f.
  • Keith Holz / Wolfgang Schopf: Im Auge des Exils: Josef Breitenbach und die Freie Deutsche Kultur in Paris 1933–1941. Berlin 2001.
  • Josef Breitenbach: Photographien. München 1996.

Weiterführende Links


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