geboren: vor 1349,
Schwäbisch Gmünd (?)
gestorben: um 1410,
Regensburg
Wirkungsort:
Landshut
Der jüdische Heiler und Chirurg Jakob von Landshut war Leibarzt der Wittelsbacher Herzöge Stephan II. (1319-1375) und Albrecht II. (1368-1397). Mit seiner Kunst kam er zu beträchtlichen Wohlstand, der es ihm erlaubte hohe Summen gegen Zins zu verleihen. Er besaß ein Haus in Regensburg und das Bürgerrecht der Stadt Landshut. Nur wenig ist über sein Leben bekannt, dennoch war er im 14. Jahrhundert zweifellos eine anerkannte Autorität seiner Kunst. Andere Ärzte übernahmen seine Kuren in ihre Rezeptbücher und versahen sie zum Teil mit dem Nachsatz: "Probatum est per magistrum Jakobum des lancshott" (lat. Die Wirksamkeit wurde durch Meister Jakob von Landshut bewiesen).
Erst ab circa 1350 verdichten sich Quellenbelege zur jüdischen Gemeinde in Landshut, und zumindest eine Reihe von Juden sind namentlich bekannt. Zu diesen wenigen gehört ein Heilkundiger mit Namen Jakob, der irgendwann nach 1320 und vor den Pestpogromen 1349 geboren wurde, vielleicht in Schwäbisch Gmünd. In der Verfolgungszeit blieb im süddeutschen Raum nur die Gemeinde in der Reichsstadt Regensburg unbeschadet. Spätere Aufenthalte und der zuweilen urkundlich belegte Namenszusatz "aus Regensburg" sind ein Hinweis darauf, dass Jakob dort seine Jugend verbrachte, seine Ausbildung erhielt und Besitz erwarb. Vielleicht hielt sich Jakob während der Pogromjahre aber auch jenseits der Alpen auf, denn viele jüdische Medizinstudenten wichen in das tolerantere Italien aus. Seine Arbeitsweise unterschied sich jedoch so sehr von der theoriebeladenen Schulmedizin, dass ein reguläres Studium eigentlich auszuschließen ist. 1366 lieh ein Jude Jakob aus (Schwäbisch) Gmünd einem Landshuter Bürger die Summe von 4 Pfund und 60 Pfennigen Regensburger Prägung. Dies könnte ein erster urkundlicher Nachweis sein. Jedenfalls hatte sich Jakob der Heiler bereits im Jahr 1368 in Landshut niedergelassen. Wann er dort seine Frau Kathrey heiratete, und ob sie je gemeinsame Kinder hatten, ist unbekannt. Mit einem Heilbad sorgte er bei einem Ritter für Linderung und trat noch im selben Jahr urkundlich als Leibarzt Herzogs Stephan II. von Bayern (1319-1375) in Erscheinung: In einer Schuldverschreibung des Herzogs an seinen Sohn wird unter anderem bestätigt, dass dieser Schulden in Höhe von 80 Pfund Regensburger Pfennigen bei "Jakoben, dem Juden, unserm Artz" ausgelöst habe.
Tatsächlich scheint der Geldverleih neben der Heilkunde Jakobs zweites berufliches Standbein gewesen zu sein, beziehungsweise es erlaubte ihm sein einträgliches Geschäft als Arzt, nebenher große Kredite zu vergeben. Am 10. September 1370 beurkundet ein Pichtolt der Wolfersdorfer bei "Jacob ze Regenspurch, burger ze Lantzhut" sowohl Schuldner wie auch Bürge zu sein. Die stetige geschäftliche und wohl auch private Verbindung zu Regensburg wird durch weitere Urkunden verfestigt: 1372 sicherte sich der Jude "Meister Jakob von Landshut" eine städtisches Rente durch die Einmalzahlung von 60 Pfund Pfennigen. Als 1373 die Vertreter der jüdischen Gemeinde in Regensburg namentlich aufgezählt wurden, erscheint ein Moschel, der "in Meister Jakobs Haus" wohnte. Ähnliches gilt für eine Urkunde aus dem Jahr 1375, in der ein Jude Israel den Empfang von 53 Pfund Pfennigen Zins für "Meister Jakob" bestätigt. Für das Jahr 1377 finden sich weitere vier Belege, dass ein "Meister Jakob der Jude" Landshuter Bürgern und Adeligen Geld geliehen hat. Die Anrede "Meister" (lat. magister) ist zwar kein Synonym für die Bezeichnung "Arzt", aber ein Ehrentitel für eine verdienstvolle, gebildete Person.
Nach dem Tode Herzogs Stephan II., wahrscheinlich nach 1377 siedelte Meister Jakob von Landshut nach Regensburg über. Von dort holte ihn Herzog Albrecht II. (1368-1397) nach Straubing, als er 1392 erkrankte. Das Rechnungsbuch des Kanzlers belegt seine Anwesenheit: "[22. April 1392] gein Regensburg nach maister Jacoben dem Juden, das der herab solt kumen zu meinem Herrn wann der etwas faul was 22Pfg. [...] an Suntag Misericordia [28. April 1392] Maister Jakoben den Juden geben 8 Pfd. [...] An Montag nach Andree apostoli [4. Dezember 1392] Jakoben dem Juden meines Herren Arzt, geben di im gesprochen wurden desmols und hie, bei meinem Herrn gelegen was 5 Pfd. [...]". Herzog Albrecht ließ sich also wegen einer Krankheit von Meister Jakob behandeln, der eigens von Regensburg nach Straubing geholt wurde. Er besaß weiterhin den Status eines herzoglichen Leibarztes ("meines Herren Arzt") und erhielt die sehr stattliche Bezahlung von insgesamt 13 Pfund Pfennigen, was zum Beispiel den Jahreslohn eines Landshuter Handwerksmeisters überstieg.
Mit seinem Verdienst als Heiler war Jakob zu beträchtlichem Wohlstand gekommen, den er durch sein Zinsgeschäft noch zu vermehren wusste. Nach seinem Tod irgendwann zwischen 1392 und 1427 hinterließ er seiner Frau Kathrey ein erhebliches Vermögen; 1427 verkaufte die Witwe einen Bauernhof außerhalb von Landshut an das Kloster Seligenthal. Als nach der Vertreibung der Regensburger Juden im Jahr 1519 auch ihr Friedhof zerstört wurde, ging Jakobs Grabstein verloren. Vielleicht ist er bis heute unbemerkt in einem der historischen Bürgerhäuser der Altstadt vermauert.
Aber noch Jahrhunderte später überlieferten ärztliche Bücher die Rezepte und Kuren des Meisters Jakob von Landshut. Im Gegensatz zu den studierten "Physici", die mit Verachtung auf praktisch arbeitende Chirurgen herabblickten, behandelte Jakob Geschwüre und Verletzungen erfolgreich durch eine handwerkliche Herangehensweise. Bei der "faulen" Krankheit des Herzogs dürfte es sich um Hämorriden gehandelt haben, die oft durch langes Reiten auf zu harten Sätteln hervorgerufen wurden. Andererseits sind viele der Rezepte noch von den magisch-mantischen Vorstellungen des ausklingenden Mittelalters durchdrungen. Kopf- und Ohrenschmerzen etwa, so war Meister Jakob wie viele seiner Kollegen überzeugt, wurde durch einen kleinen Wurm verursacht, der den Schlafenden ins Ohr kroch und dort festfraß: Der sprichwörtliche "Ohrwurm". Jakob ein sehr einfaches und von seinen Nachfolgern gern kopiertes Mittel an: "Item nym eynen suessen appell und broit und snyt den uff und halt den vur die ooren, so geit er heruß, probatum est per magistrum Jacobum de lanczhott".
Aus: Haus der Bayerischen Geschichte (Hg.) / Manfred Treml / Wolf Weigand: Geschichte und Kultur der Juden in Bayern, Bd. 2: Lebensläufe. München 1988 (= Veröffentlichungen zur Bayerischen Geschichte und Kultur 18), S. 25-30.
(Josef Kirmeier | bearb. Patrick Charell)
Literatur
- Josef Kirmeier: Jakob von Landshut, ein jüdischer Arzt des 14. Jahrhunderts. In: Haus der Bayerischen Geschichte (Hg.) / Manfred Treml / Wolf Weigand: Geschichte und Kultur der Juden in Bayern, Bd. 2: Lebensläufe. München 1988 (= Veröffentlichungen zur Bayerischen Geschichte und Kultur 18), S. 25-30.
- Wolfgang Hirth: Zu Jakob von Landshut. In: Sudhoffs Archiv 52 (1968), S. 79-82.
- Max von Freyberg: Sammlungen historischer Schriften und Urkunden, Bd. 2. Stuttgart / Tübingen 1829, hier S. 96 u. 131..
- Monumenta Boica 54, Nr. 1001, S. 401; Nr. 1013, S. 404; Nr. 1083, S. 427.
- BayHStA, Kurbaiern U 21060 (1370).
- BayHStA, Pfalz-Neuburg varia bavarica U 1927 (1368).
Quellen
GND: 102574405