Biografien
Menschen aus Bayern

Jakob Rosner Fotograf

geboren: 26.05.1902, München
gestorben: 26.08.1950, Tel Aviv

Wirkungsort: Berlin | Palästina

Jakob Rosner studierte ab 1922 Volkswirtschaftslehre und promovierte 1926, wechselte jedoch in die Werbebranche und arbeitete für das Schuhhaus seines Schwiegervaters Julius Klausner in Berlin. Zunehmend fand Rosner zur Fotografie, die Techniken erlernte er als Autodidakt. Er wurde Mitglied der "Gesellschaft Deutscher Lichtbildner" (GDL). In den USA hatte Rosner den Fotografen Alfred Stieglitz (1846-1946) kennen gelernt, dessen markanter Stil seine spätere Arbeit stark beeinflusste. 1936 emigrierte Jakob Rosner mit seiner zweiten Ehefrau Edith geb. Großwachs (1904-1975) nach Palästina und arbeitete auch dort in der Werbebranche. Zusammen mit dem Grafiker Franz Krausz (1905-1998) entwarf und fertigte er Material für den Zionismus, dem Rosner schon seit Kindertagen nahe stand. Als professioneller Fotograf hielt Jakob Rosner die Entstehung des Staates Israel in eindrücklichen Fotoserien fest.

Jakob Rosner kam in München zur Welt, seine beiden Eltern waren jedoch "Zugroaste": Vater Oskar Rosner stammte aus Wien, seine Mutter Sidonie Selda geb. Reitmann aus Lemberg in der heutigen Ukraine. Nach antisemitischen Anfeindungen in der Schule trat Jakob Rosner dem zionistischen Jugendverbund "Blau-Weiß" bei, der sich als Reaktion auf den Ausschluss von Juden aus der Wandervogelbewegung gegründet hatte. Von 1920 bis 1922 studierte Rosner Volkswirtschaft und Recht an der Münchner Handelshochschule, die um diese Zeit in die Technische Hochschule integriert wurde. Danach setzte er sein Studium in Frankfurt a. M. fort und arbeitete parallel als Journalist für die "Frankfurter Zeitung". 1926 promovierte Rosner zum Thema "Wesen und Messung der Intensität der industriellen Arbeit". Im selben Jahr heiratete er Margot Klausner, Tochter des Berliner Schuhhaus-Besitzers Julius Klausner. Das Paar hatte eine gemeinsame Tochter. 1927 übersiedelte Rosner nach Berlin und arbeitete bis in die 1930er Jahre im Geschäft seines Schwiegervaters als Leiter der Werbeabteilung.

In der Werbebranche setzte sich Jakob Rosner mit Design und Typografie auseinander. Er entwickelte ein zunehmendes Interesse für die Fotografie und wurde als Autodidakt Mitglied der "Gesellschaft Deutscher Lichtbildner" (GDL). Eine wichtige Rolle scheint für ihn auch die 1927 in den USA geschlossene Bekanntschaft mit dem jüdischen Fotografen Alfred Stieglitz (1864-1946) gespielt zu haben, dessen Einfluss auf Rosners spätere Arbeiten unverkennbar ist. Die Ehe mit Margot Klausner ging jedoch alsbald in die Brüche, es folgte die Scheidung. 1932 heiratete er erneut und emigrierte 1936 mit seiner zweiten Ehefrau Edith geb. Großwachs (1904-1975) in das damals noch britische Mandatsgebiet Palästina. Auch dort war Rosner im Bereich der Werbung tätig. Gemeinsam mit Franz Krausz (1905-1998), einem Pionier der Werbegrafik in Israel, entwarf er Broschüren und Plakate für zionistische Propagandazwecke. Darüber hinaus arbeitete er nun teils als freier Fotograf, teils für Organisationen wie den KKL (Jüdischer Nationalfonds), für den er nicht nur den Aufbau des Landes, sondern auch Drehbücher schrieb.

1944 wurde erstmals ein Teil seiner Bilder im Nationalmuseum Bezalel in Jerusalem ausgestellt. 1949 fertigte Rosner eine Bilderserie jemenitischer Juden an, die im Rahmen der "Operation Magic Carpet" von den Israelis aus dem Jemen in den 1948 gegründeten Staat Israel gerettet wurden. Er nahm als Yaakov Rosner auch die israelische Staatsbürgerschaft an. Die Veröffentlichung dieser Bilder in einem Band mit dem Titel "Heimkehr aus Arabien" gelang ihm allerdings nicht mehr. Lediglich eine druckfertige Vorlage ist erhalten geblieben. Jakob Rosner starb mit nur 48 Jahren in Tel Aviv. Seine Tochter Miriam Spielman gab seinen Nachlass an das Israel Museum in Jerusalem das aufgrund der israelischen Rechtslage die Fotos ab 2001 gemeinfrei stellen konnte.


Aus dem AK "Unbelichtet. Münchner Fotografen im Exil" (2010)

(Tatjana Neef)

Literatur

  • Jüdisches Museum München / Tatjana Neef (Hg.): AK Unbelichtet. Münchner Fotografen im Exil [Dt.-Eng.]München 2010, S. 20-59.
  • Jakob Rosner: A Palestine picture book. New York 1947.

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