Isidor Bach wurde 1849 in Fischach geboren. Nach abgeschlossener Ausbildung zog er 1871 nach Augsburg und gründete dort das Herrenbekleidungsunternehmen Bach. Der große Erfolg, der auch dadurch zustande kam, dass er erstmals Kleidung in Konfektionsgrößen anbot, ermöglichte ihm, nach München zu expandieren und 1881 schließlich den Hauptsitz dorthin zu verlagern. Nach seinem Rücktritt aus dem Unternehmen und der Übergabe des Geschäfts an seinen Sohn litt die Firma zunehmend unter den Boykottaufrufen jüdischer Geschäfte durch Mitglieder der NSDAP. Nach der Übernahme durch den nicht-jüdischen Mitarbeiter Johann Konen 1936 bestand es unter dessen Namen fort, während Isidor Bach im hohen Alter gemeinsam mit seiner Familie zur Auswanderung gezwungen war.
Isidor Isak Bach wurde am 1. Juli 1849 in Fischach, einer Gemeinde in der Nähe von Augsburg, geboren. Er war eines der insgesamt neun Kinder von Israel und Sara Bach. Am 25. Dezember 1874 heiratete Isidor Bach Klara Selz, Tochter des Rabbis Elkan Selz und seiner Ehefrau Fanny, häufig "Claerchen" genannt. Das Ehepaar bekam insgesamt sechs Kinder, dies waren Hugo, Selma, Gertraud, Gisella, Alfred und Paula. Isidors ältester Sohn, Hugo Bach, starb allerdings im Alter von nur 35 Jahren im Oktober 1910 an den Folgen einer Erkältung, die er sich während eines Skiurlaubs zugezogen hatte.
Nach dem Abschluss seiner Ausbildung in einem Oettinger Textilhandelshaus gründete Bach 1871 in Augsburg die Firma Isidor Bach. Schon wenige Monate nach der Gründung gewann er seinen Bruder Hermann Bach als Mitarbeiter, der es davor geschafft hatte, einige Musterkollektionen in Niederbayern und Franken zu verkaufen. Innovativ war dabei, dass erstmals Herren- und Knabenbekleidung in Konfektionsgrößen hergestellt wurde, das heißt, dass in großen Serien Kleidung in bestimmten Normgrößen produziert wurde. Durch den großen Erfolg, der Bach auch den Spitznamen "Joppenkönig" einbrachte, gelang es dem Unternehmen im Jahr 1878, eine Filiale am Marienplatz in München zu eröffnen. 1881 schließlich verlegte die gesamte Firma ihren Hauptsitz nach München, an einen neuen Standort in der Sendlinger Straße. Zu ihrem großen Ansehen dürften auch die Besuche von Prinzregent Luitpold (reg. 1886-1912) und dessen Sohn, dem späteren König Ludwig III. (reg. 1912-1918) beigetragen haben. Vor allem die elektrische Zuschneidemaschine zog deren Begeisterung auf sich. Durch das Aufkaufen der benachbarten Gebäude konnte am 25. Oktober 1903 zum 25-jährigen Firmenjubiläum das neue Geschäftshaus eröffnet werden. Gleichzeitig gründete Bach zu diesem Anlass eine wohltätige Stiftung, die das Ziel hatte, Menschen bei Krankheiten, Notfällen und Sterbefällen zu helfen. Zu diesem Zeitpunkt waren auch zwei Söhne der beiden Besitzer, Carl und Alfred Bach, bereits im Unternehmen tätig. 1908 wurde Isidor Bach außerdem zum Kommerzienrat ernannt, gemeinsam mit seinem Bruder Hermann.
Im Jahr 1919 beginnt Johann Konen, dessen Vater auch bereits im Textilbereich tätig war, eine Lehre im Kaufhaus Bach. Nachdem er sich dort sehr engagiert gezeigt hatte und sich schnell einiges Fachwissen aneignete, durfte er Alfred und Carl Bach (Sohn von Isidors Bruder Hermann) auf ihren Geschäftsreisen begleiten. Alfreds Vater, Isidor, hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits aus dem Unternehmen zurückgezogen, nachdem sein ältester Sohn, Hugo, 1910 mit nur 35 Jahren verstorben war. Er selbst litt dabei schon früh unter judenfeindlichen Diffamierungen. Da Isidor als typisch jüdischer Name betrachtet wurde, hatte er unter einem Wucherstrafverfahren zu leiden, das jedoch nicht gegen ihn persönlich, sondern gegen Alfred, seinen Sohn, lief. Diesem wurde Preistreiberei vorgeworfen. Da seine Familie Einspruch gegen das Urteil einlegte, konnten 1927 sowohl die drohende Haftstrafe als auch die Geldstrafe abgewendet werden. Auch beim Hitlerputsch im November 1923 war Isidor Bach, mutmaßlich wieder vor allem wegen seines Vornamens und der Bekanntheit seines Unternehmens, unter den Geiseln, die in den Bürgerbräukeller verschleppt wurden. Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Januar 1933 kam es bereits einen Monat danach zu einem Boykottaufruf jüdischer Geschäfte. Auch vor dem Kaufhaus Isidor Bach postierten sich aktiv SA-Mitglieder, um potenzielle Kunden vom Eintreten abzuraten. Außerdem wurde es unpopulär, Kleidung zu tragen, auf der der Markenname zu sehen war. Dadurch verringerte sich der Umsatz um ein Drittel. Im Zuge der fortschreitenden Arisierung übernahm 1936 schließlich Johann Konen das Unternehmen von Carl Bach. Er war neben den Mitgliedern der Unternehmerfamilie der wichtigste Mitarbeiter und hatte im Gegensatz zu diesen keine jüdische Abstammung. Bei der Übergabe sollen 680000 Reichsmark bezahlt worden sein, außerdem hieß das Kaufhaus von nun an Konen, wie sein neuer Besitzer. Allerdings behielt die Familie Bach weiterhin Anteile, weshalb die Nationalsozialisten immer misstrauisch wegen eines möglichen Scheingeschäfts blieben. 1939 emigrierte der Firmengründer Isidor Bach im Alter von mittlerweile 90 Jahren zu seiner Tochter Gertraud ins schweizerische Montreux. Nachdem diese nach dem Tod ihres Ehemanns 1943 wiederum in die USA zog, lebte er fortan bis zu seinem Tod bei seiner anderen Tochter Selma in Bern. Bach starb dort schließlich am 10. April 1946.
Auch nach der Übergabe der Geschäfte hatte die Verwandtschaft Isidor Bachs weiterhin unter Repressalien zu leiden. Besonders ein Feuer durch Brandstiftung auf dem Anwesen Carl Bachs bewog auch dessen Familie, ins Ausland zu fliehen. Das Kaufhaus an der Sendlinger Straße wurde bei den Luftangriffen 1944 und 1945 durch Bomben zerstört. Allerdings durfte das Unternehmen als eines der ersten bereits kurz nach dem Krieg wieder Kleidung herstellen, nachdem es nachgewiesen hatte, dass die Übernahme durch Johann Konen im Einvernehmen mit der Familie Bach vollzogen worden war. Zuerst bestand die Hauptaufgabe allerdings darin, Kleidung für ehemalige Inhaftierte aus Konzentrationslagern und Zwangsarbeiter herzustellen. Der Sohn von Carl Bach, Peter H. Bach, setzte sich in den 1970er und 80er Jahren dafür ein, ein jüdisches Museum in München zu errichten. Dies konnte er aber nicht mehr miterleben, er starb 1998. Das Museum wurde schließlich im Jahr 2007 eröffnet. Das Kaufhaus Konen wiederum modernisierte sich immer wieder, außerdem übernahm es das Luxemburger Unternehmen Bram. Im Jahr 2001 fand nach einem grundlegenden Umbau die Neueröffnung der Zentrale an der Sendlinger Straße statt. Aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Probleme, die Kaufhäuser durch Zunahme von Konkurrenz in Form des Online-Handels haben, wurde 2021 eine Übernahme durch die Handelskette Breuninger beschlossen.
(Moritz Fischer)
Bilder
Literatur
- Peter Wehrle: Provenienzforschung und Kunsthandel. Karlsruhe 2023, S. 71-74.
- Bayerisches Wirtschaftsarchiv (Hg.) / Eva Moser: Von Bach zu Konen. Eine Unternehmensgeschichte von der Gründung bis zur Neuordnung des Unternehmens in den 1950er Jahren. München 2011.
- Richard Bauer: Jüdisches München. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. München 2006, S. 159.
- Dirk Walter: Antisemitische Kriminalität und Gewalt. Judenfeindschaft in der Weimarer Republik. Bonn 1999, S. 132.
Weiterführende Links
Quellen
GND: 1032923083