Biografien
Menschen aus Bayern

Hugo Burkhard Kaufmann, Psychologe, Schriftsteller, Redakteur

geboren: 07.07.1899, Hüttenbach
gestorben: 07.12.1971, Nürnberg

Wirkungsort: Nürnberger Land | Shanghai | San Francisco | Nürnberg

Hugo Burkhard wuchs Anfang des 20. Jahrhunderts in der kleinen jüdischen Gemeinde Hüttenbach im Nürnberger Land auf und arbeitete nach einer kaufmännischen Lehre in der Region. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde er 1933 verhaftet und sieben Jahre lang in den Konzentrationslagern von Dachau und Buchenwald interniert. Nach seiner Freilassung gelang ihm mit Unterstützung seiner Freunde die Auswanderung nach Shanghai, wo er nach der Machtübernahme der Japaner ab 1941 im jüdischen Ghetto leben musste. Er heiratete dort ein Jahr später die Wienerin Anni Kalb. 1948 übersiedelte das Paar nach Amerika, wo Burkhard ein Psychologiestudium absolvierte und dann eine eigene Praxis in San Francisco führte. Aufgrund seiner angegriffenen Gesundheit entschloss sich Burkhard zur Berufsaufgabe und zur Rückkehr in die alte Heimat. Mit seiner zweiten Frau Erminia ließ er sich 1960 in Nürnberg nieder. In seinen letzten Jahren veröffentlichte er drei Bücher, die seinen Erinnerungen und den erschütternden Ereignissen seines Lebens gewidmet waren, und engagierte sich als Redakteur des jüdischen Gemeindeblattes für ein friedliches Zusammenleben.

Hugo Burkhard wurde 1899 in Hüttenbach (heute Gemeinde Simmelsdorf, Landkreis Nürnberger Land) geboren und besuchte dort die israelitische Elementarschule. Nach deren Abschluss absolvierte er in Nürnberg eine Ausbildung zum Kaufmann. Danach war er in der fränkischen Hauptstadt und in seinem Geburtsort als Angestellter und als selbständiger Geschäftsmann tätig. Als Rechts- und Finanzberater stand er auch in regem Kontakt mit der nichtjüdischen Bevölkerung. Durch diese Tätigkeit geriet er ins Visier der Nationalsozialisten. Am 2. Juni 1933 wurde er ohne Gerichtsverfahren in Schutzhaft genommen. Anschließend folgte für Burkhard eine fast siebenjährige Leidenszeit in den Konzentrationslagern Dachau und Buchenwald, die er nur mit viel Glück überlebte. Im Juni 1939 erschien in der antisemitischen Wochenzeitschrift "Der Stürmer“, die in Nürnberg herausgegeben wurde, ein Hetzartikel über ihn. Trotzdem setzte man ihn am 19. März 1940 auf freien Fuß. Seine Freilassung erfolgte aufgrund der Fürsprache des einflussreichen Nürnberger Kaufmanns hin, jedoch unter der Auflage, dass Hugo Burkhard sofort Deutschland verlassen müsse.

Burkhards Freunden gelang es, das nötige Geld aufzutreiben und die bürokratischen Formalitäten abzuwickeln, sodass er bereits im April 1940 über Mailand nach Shanghai auswandern konnte. Dabei handelte es sich zu diesem Zeitpunkt um einen der wenigen Orte, in denen aus Europa vertriebene Juden wegen seines völkerrechtlichen Sonderstatus noch Zuflucht finden konnten. Völlig mittellos kam der Franke in der ostchinesischen Metropole an. Er fand schließlich Arbeit als medizinischer Angestellter im Shanghai Refugee Hospital. Nach Ausbruch des Krieges im Pazifik am 7. Dezember 1941 übernahmen die Japaner das Stadtregiment. Die neuen Machthaber, die mit dem Hitlerregime verbündet waren, zwangen alle jüdischen Flüchtlinge ab Februar 1943 in ein Ghetto. Dadurch verschlechterten sich die ohnehin schon schwierigen Lebensverhältnisse der Juden in Shanghai dramatisch. Hugo Burkhard fand trotzdem einen Weg für sein kleines privates Glück. 1942 heiratete er die ebenfalls aus dem Machtbereich der Nationalsozialisten geflohene Wienerin Anni Kalb, verwitwete Wassermann (1895–1955).

Der Zweite Weltkrieg endete in Shanghai am 10. August 1945. Im März 1948 nutzte Burkhard die Möglichkeit, in die USA überzusiedeln, wo er sich im Alter von 49 Jahren eine neue Existenz aufbaute. Er absolvierte ein Psychologiestudium und eröffnete in San Francisco eine eigene Praxis. Als er sie wegen seiner durch KZ-Haft und Shanghaier Exil zerrütteten Gesundheit nicht weiterführen konnte, entschloss er sich zur Rückkehr in die einstige Heimat. 1960 ließ er mit seiner neuen Frau Erminia, geborene Fischer, in Nürnberg nieder. Er behielt jedoch seine amerikanische Staatsbürgerschaft.

Nach seinem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben wurde Hugo Burkhard schriftstellerisch tätig. 1966 verarbeitete er in "Tanz mal Jude!" seine bitteren Erfahrungen, die er in Nazideutschland und China gemacht hatte. Drei Jahre später veröffentlichte er in "Der Bimberle Bamberle Bomberle" seine Erinnerungen an die jüdische Gemeinde von Hüttenbach. 1971 erschien sein Buch "A Prisla aus meiner fränkischen Schnupftabaks-Dus’n und a poar G’werzplätzla aus meiner Närnbärcher Blechdus’n. Betrachtungen - Beobachtungen - Originale - Kirchweihlieder - Reime und Gesänge - Aussprüche - Sitten und Bräuche - Anekdoten von Hüttenbach bis Nürnberg". Für die Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg arbeitete er seit 1967 als Redakteur des auf seine Initiative hin neugegründeten Gemeindeblattes. Anlässlich seines 70. Geburtstages 1969 wurde Burkhard für sein emsiges Schaffen, seinen Lebensmut und seinen Willen zur Versöhnung bayernweit von jüdischen und nichtjüdischen Institutionen geehrt. 1971 stand im Nachruf der jüdischen Gemeinde Nürnberg zum Tod von Hugo Burkhard zu lesen: "Sein lauterer Charakter, sein Eintreten für Recht und Gerechtigkeit, seine stete Bereitschaft zum Ausgleich hinterlassen bei uns eine Lücke, die wir nur schwer, wenn überhaupt je füllen können".

(Christine Riedl-Valder)

Literatur

  • Hugo Burkhard: Tanz mal Jude! Von Dachau bis Shanghai. Meine Erlebnisse in den Konzentrationslagern Dachau - Buchenwald - Getto Shanghai. 1933-1948. Nürnberg 1966.
  • Arnd Müller: Geschichte der Juden in Nürnberg. 1146-1945. Nürnberg 1968, S. 218f, 278.

GND: nicht verfügbar