geboren: 06.051891,
Bütthard
gestorben: 10.09.1943,
Auschwitz
Wirkungsort:
Würzburg-Heidingsfeld
Herta Mannheimer, Tochter einer jüdischen Kaufmannsfamilie, wuchs in der Nähe von Würzburg auf. In der Zeit beginnender weiblicher Emanzipation engagierte sie sich anfangs ehrenamtlich als Krankenpflegerin und im Sportverein, wurde dann aber auch politisch aktiv. Sie trat der SPD bei und saß von 1924 bis 1930 als einzige Frau im Stadtrat von Heidingsfeld, wo sie sich vor allem für eine Verbesserung des Schulunterrichts und für die Armenfürsorge einsetzte. Herta Mannheimer ging keine Ehe ein. Sie übernahm nach dem Tod der Mutter 1917 die Haus- und Familienarbeit und führte sie bis zum Tod ihres Vaters 1937 fort. Anschließend flüchtete sie vor der drohenden Deportation durch die Nationalsozialisten nach Holland. Herta Mannheimer wurde jedoch 1943 in Amsterdam verhaftet und im gleichen Jahr in Auschwitz ermordet.
Herta Mannheimer war eine Tochter des jüdischen Kaufmanns Salomon Mannheimer und seiner Frau Johanna (geborene Wolf) und wuchs mit ihren Schwestern Selma und Berta in der Marktgemeinde Bütthard auf. Die Familie lebte vom Handel mit Mehl und Landprodukten. Mit ihren Eltern und Geschwistern zog sie 1905 nach Heidingsfeld um, heute nach Würzburg eingemeindet. Im Jahr 1911 erhielt ihr Vater dort das Bürgerrecht. Nach dem frühen Tod der Mutter 1917 führte Herta Mannheimer den Familienhaushalt. Sie war zeitweise als Krankenpflegerin tätig, sonst aber nicht berufstätig. Ihre Schwester Selma heiratete 1917; Berta wanderte 1927 nach New York aus. Nachdem die beiden das Haus verlassen hatten, sorgte Herta Mannheimer weiterhin für den Vater.
Herta Mannheimer war ehrenamtlich sehr aktiv in der Turngemeinde Heidingsfelds. Dort leitete sie die Damenriege des Vereins. Für ihre Dienste in der Kriegskrankenpflege erhielt Herta Mannheimer 1917 das König Ludwig-Kreuz. Es handelte sich um eine Auszeichnung, die König Ludwig III. von Bayern als Zeichen ehrender und dankbarer Anerkennung an Personen verlieh, die während des Ersten Weltkrieges durch freiwillige Tätigkeit in der Heimat besondere Verdienste um die bayerische Armee oder um die Wohlfahrt des Landes erworben hatten. Herta Mannheimer engagierte sich sehr im politischen und sozialen Leben der noch selbstständigen Kleinstadt Heidingsfeld. Sie wurde Mitglied der SPD. Bei den Kommunalwahlen 1924 hat man sie als einzige Frau in den Stadtrat gewählt. In dieser Funktion war sie Mitglied im Schulausschuss und im Armenrat. Ihr Mandat behielt sie bis zur Eingemeindung von Heidingsfeld nach Würzburg am 1. Januar 1930.
Während des NS-Regimes verschlechterte sich die Situation der jüdischen Mitbürger dramatisch. Seit 1933 riefen die Nationalsozialisten zum Boykott jüdischer Geschäfte und Praxen auf; im selben Jahr wurde die SPD verboten und deren Funktionäre inhaftiert. Trotz der wachsenden Bedrohung blieb Herta Mannheimer bei ihrem Vater, um ihn zu pflegen. Sie gehörte auch dem Jüdischen Kulturbund Würzburg an, einer 1933 gegründeten Selbsthilfeorganisation für vom Berufsverbot betroffene jüdische Künstler.
Nach dem Tod ihres Vaters emigrierte sie im August 1937 nach Holland. Sie lebte zunächst in Martensdijk in der Nähe von Utrecht. Ab dem 29. Oktober 1942 war sie in Amsterdam, Merwedeplein 37, gemeldet. In diesem Haus hatte zuvor auch Anne Frank mit ihrer Familie gewohnt. Doch Herta Mannheimer wurde bald verhaftet und war seit dem 9. März 1943 im Sammellager Westerbork untergebracht. Von dort aus hat man sie am 7. September 1943 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und noch am Tag ihrer Ankunft in der Gaskammer grausam umgebracht.
In den 1960er Jahren benannte die Stadtverwaltung Würzburg den Herta-Mannheimer-Weg in Heidingsfeld nach der jüdischen SPD-Politikerin. Vor dem früheren Wohnhaus der Familie Mannheimer in der Kirchgasse 12 wurde am 13. April 2007 ein Stolperstein für sie verlegt.
(Christine Riedl-Valder)
Literatur
- SPD-Ortsverein Würzburg-Heidingsfeld (Hg.): 115 Jahre SPD-Ortsverein Heidingsfeld Traditionell fortschrittlich – eine kleine Chronik. Heidingsfeld 2013, S. 6f.
- Gleichstellungsstelle für Frauen der Stadt Würzburg (Hg.): Frauen in Würzburg - Stadtführer & Lesebuch. Würzburg 1996, S. 82f.
- Reiner Strätz: Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900‒1945, Bd. 1. Würzburg 1989, S. 370.