Biografien
Menschen aus Bayern

Heinrich Heine Schriftsteller, Dichter und Journalist

geboren: 13.12.1797, Düsseldorf
gestorben: 17.02.1856, Paris

Wirkungsort: Berlin | München | Paris u.a.

Heinrich Heine hat nur ein Dreivierteljahr in München verbracht, von November 1827 bis Juli 1828. Vergeblich machte er sich Hoffnung auf eine Professur an der Ludwig-Maximilians-Universität, außerdem litt seine Gesundheit unter dem ungewohnten Klima. Trotzdem setzte er seiner Zeit in Bayern mit einer ironisch-liebevollen Beschreibung in den "Reisebildern" 1830 ein literarisches Denkmal. Außerdem arbeitete er 1831 und 1840-1848 in Paris als fester Korrespondent für die Augsburger Allgemeine Zeitung. Heine machte die Sprache des Alltags lyrikfähig und erhob den Feuilleton zur gehobenen literarischen Gattung.

Mit der Aussicht auf 2000 Gulden Jahresgehalt lockte der große Verleger Johann Friedrich Cotta (1764-1832) Heinrich Heine im Herbst 1827 nach München. Dieser sollte zum Jahreswechsel als Chefredakteur die „Neuen allgemeinen politischen Annalen“ leiten. Gleichzeitig erhoffte sich Heine eine Professur an der jüngst nach München umgezogenen bayerischen Landesuniversität (Ludwig-Maximilians-Universität). Cotta besaß das Haus Promenadestraße 10 (heute Kardinal-Faulhaber-Straße 10), wohin sich Heine anfangs seine Briefe schicken ließ. Er litt unter dem rauen Winter, konnte jedoch König Ludwig I. in einer Privataudienz sprechen und bekam den Eindruck, dass dieser ein Interesse an seinem Bleiben zeigte. Heinrich Heine reagierte zwiespältig auf das Leben in München. Einerseits beklagte er sich in Briefen über die vorherrschende Engstirnigkeit, den Menschen sei "außer Bier und billigem Vergnügen" kaum etwas wichtig. Aber auch das allzu aufgesetzte "Isar-Athen" mit seinen neoklassizistischen Prachtbauten weckte seinen Spott.

Im dritten Teil seiner "Reisebilder" (1830) unternimmt Heine mit einem fiktiven "Berliner Philister" (= Spießer) einen Stadtrundgang zu den Sehenswürdigkeiten und landet mit ihm in einem damals sehr bekannten Biergarten am Bogenhauser Hofmarksschloss, das erst 1869 abgerissenen wurde: "Des', rief [der Philister] ziemlich laut, 'gibt es nur in Berlin. Da nur ist Witz und Ironie. Hier gibt es ein gutes Weißbier, aber wahrhaftig keine Ironie.' - 'Ironie haben wir nicht', rief Nannerl, die schlanke Kellnerin, die in diesem Augenblick vorbeisprang‚ 'aber jedes andre Bier können Sie doch haben'. [...] Der Berliner aber sah aus wie die Ironie selbst, als er bemerkte, mit welchem Enthusiasmus die hohen schäumenden Gläser in Empfang genommen wurden; und indem er auf eine Gruppe Biertrinker hindeutete, die sich den Hopfennektar von Herzen schmecken ließen, und über dessen Vortrefflichkeit disputierten, sprach er lächelnd: 'Das wollen Athenienser sind?' [...] Der Ort, wo dieses Gespräch stattfand, heißt Bogenhausen [...]. Das Bier ist an besagtem Orte wirklich sehr gut [...], besonders auf jener Treppenterrasse, wo man die Tiroler Alpen vor Augen hat. Ich saß dort oft vorigen Winter und betrachtete die schneebedeckten Berge, die, glänzend in der Sonnenbeleuchtung, aus eitel Silber gegossen zu sein schienen".

Anfang Januar 1828 bezog Heinrich Heine eine neue Wohnung nahe dem Sendlinger Tor im Rechberg‘schen Palais (seit 1848 "Radspielerhaus", Hackenstraße 7). Bereits Mitte Februar wurde klar, dass an der Universität starke katholisch-konservative Kräfte gegen Heines Berufung arbeiteten: Der Historiker Prof. Joseph von Görres (1776-1848), der Bibliotheksdirektor und Theologe Ignaz von Döllinger (1799-1890), sowie der Regensburger Bischof Joseph Michael Sailer (1751-1832). Dennoch: Als Heines Düsseldorfer Landsmann, Innenminister Eduard von Schenk (1788-1841) im Juli das "Anstellungsgesuch des Dr. Heinrich Heine als außerordentlicher Professor an der hiesigen Universität" dem König vorlegte, schienen alle Widerstände überwunden. Heine beging jedoch den Fehler, im August auf eine Italienreise zu gehen und damit das Feld seinen Gegnern zu überlassen („Reise von München nach Genua“ 1830). Seine Abwesenheit wurde für eine größtenteils anonyme Schmutzkampagne genutzt, die vor allem auf Heines liberale Gesinnung, seine jüdische Herkunft (trotz seiner Konversion zum Protestantismus 1825) und die "Frechheit" gegenüber der Obrigkeit abzielte. Mitte November erfuhr Heine in Italien vom Scheitern seiner Bewerbung. Am 11. Dezember kehrte er kurz nach München zurück und wollte wenigstens die Annalen weiterführen, doch auch dieses Projekt endete ergebnislos. Heine verließ München und Bayern für immer.

Heine ging 1831 nach Paris, weil er im restaurativ-konservativen Klima des Deutschen Vormärz keine beruflichen Erfolge erwarten konnte. In Frankreich hatte die Julirevolution von 1830 unter dem "Bürgerkönig" Louis-Phillipe demokratische Grundrechte durchgesetzt. Heine veröffentlichte seine Artikel und Essays in der Augsburger Allgemeinen Zeitung, die ebenfalls dem Verleger Johann Friedrich Cotta gehörte. Bereits ein knappes Jahr später wurde die beliebte Frankreich-Kolumne wieder abgesetzt, da sie der bayerischen Obrigkeit ein Dorn im Auge war. Heine fasste darauf seine Artikelserie zusammen und veröffentlichte sie geschlossen in Buchform als "Französische Zustände" (1832).

Ab dem Frühjahr 1840 Jahre schrieb Heine erneut für die AZ. Er verfasste regelmäßig Artikel über das vielschichtige politische und kulturelle Leben in der französischen Hauptstadt. Die regelmäßige Zusammenarbeit endete im März 1848, hauptsächlich wegen Heines angeschlagener Gesundheit, aber auch weil ihm zu dieser Zeit eine finanzielle Verbindung zum gestürzten Regime von König Louis-Phillipe vorgeworfen wurde. Jedoch konnte der gesundheitlich immer labilere Heine die gesammelte Korrespondenz als Grundlage für seine zwei Bände der "Lutezia. Berichte über Politik, Kunst und Volksleben" (1854) verwenden, mit denen ihm auch in Frankreich endlich der Durchbruch gelang.

1855 veröffentlichte die AZ eine nicht freigegebene Raubübersetzung von Heinrich Heines "Aveux de L'auteur" (Geständnisse des Autors), die der stellvertretende Chefredakteur Oscar Peschel (1826-1875) mit einem antisemitisch-nationalistischen Angriff auf Heinrich Heine verband. Unter anderem diffamierte er ihn als "Söldling des französischen Geheimdienstes". Auf den damals juristisch noch nicht fassbaren Vorgang reagierte Heinrich Heine mit großer Erbitterung. In seiner öffentlichen Erwiderung bewies er intime Kenntnisse über die Interna der Augsburger Zeitung, aber auch über die inhaltliche Neuausrichtung nach der Übernahme von Cottas Sohn Johann Georg (1796-1863).

Zu seinem 100. Todesjahr 1956 wurde am Radspielerhaus eine Gedenktafel angebracht, die an Heines kurzen Aufenthalt im Hackenviertel erinnert. Zusätzlich erhielt eine Straße in München/Laim nahe der U-Bahn Haltestelle Friedenheimerstraße seinen Namen. In der Parkanlage des Finanzgartens nördlich vom Hofgarten befindet sich das 1962 eingeweihte grottenförmige Heinrich-Heine-Denkmal mit einer Brunnenskulptur von Künstler Toni Stadler (1888-1982). Die Augsburger Allgemeine widmete der politischen Journalistik von Heinrich Heine 1994 in Zusammenarbeit mit dem Haus der Bayerischen Geschichte eine Ausstellung mit Begleitpublikation. Obwohl Heine sie zu Lebzeiten als "marmorne Schädelstätte" verspottet und harsch abgelehnt hatte, wurde er 2010 in die Ruhmeshalle der "Walhalla" bei Regensburg aufgenommen; die Büste fertigte Bert Gerresheim (*1935) nach einer Totenmaske.


(Patrick Charell)

Literatur

  • Andrea Kästle: München leuchtete nicht für jeden. Was Gedenktafeln der Stadt verschweigen. München 2024, S. 27-29.
  • Karl Wanninger: Ein Brunnen für Heinrich Heine. Im Finanzgarten beim Prinz-Carl-Palais – Gedenktafel und Straße. In: Münchner Merkur, 17. August 1962.
  • Augsburger Allgemeine Zeitung / Haus der Bayerischen Geschichte (Hg.) / Volkmar Hansen: AK Heinrich Heines politische Journalistik in der Augsburger "Allgemeinen Zeitung". Augsburg 1994.
  • Heinrich Heine: Vermischte Schriften, Bd. 3 [enthaltend Lutezia, Teil 1 u. 2]. Nachdruck der Originalausgabe Hamburg 1854. Hildesheim 2005.
  • Heinrich Heine: Reisebilder, Teil 3. Hamburg 1830 (Universitätsbibliothek Augsburg, Mikrofilm 141/GL 1891 S367-41011).

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