Biografien
Menschen aus Bayern

Heinrich Berolzheimer Fabrikant von Bleistiften, Philanthrop

geboren: 06.09.1836, Fürth
gestorben: 15.04.1906, Nürnberg

Wirkungsort: Fürth | Nürnberg | New York

Heinrich Berolzheimer wurde 1836 in Fürth geboren. Nach dem Tod seines Vaters übernahm er dessen Bleistiftfabrik und begann vermehrt, seine Produkte in die USA zu exportieren. Nach großen Verkaufserfolgen wurden die Geschäfte in Amerika bald zum wichtigsten Geschäftszweig. Allerdings beschlossen die Vereinigten Staaten bald darauf hohe Einfuhrzölle, die Berolzheimers Firma wiederum mit der Gründung einer Zweigstelle in New York umgehen konnte, der sogenannten Eagle Pencil Co. Nach der Einführung seiner Söhne in das Unternehmen übernahmen diese erst das Geschäft in Amerika, dann das gesamte Unternehmen, während sich Heinrich Berolzheimer zurückzog. Er widmete sich nun vermehrt dem wohltätigen Engagement in seiner Heimatstadt Fürth und im benachbarten Nürnberg. Er initiierte unter anderem die Gründung des Berolzheimerianums, welches der Volksbildung dienen sollte. 

Heinrich Berolzheimer wurde am 06.09.1836 in Fürth geboren, er war eines der fünf Kinder von Daniel Berolzheimer. Dieser hatte 1856 gemeinsam mit Leopold Illfelder eine Bleistiftfabrik in der Schwabacher Straße in Fürth gegründet. Nachdem Heinrich eine Handelsschule in Nürnberg besucht hatte, erlernte er zwischen 1851 und 1854 den Beruf des Kaufmanns beim damals noch eigenständigen Leopold Illfelder, in der gleichnamigen Firma. 1855 trat er eine Banklehre bei Adolph Meyer-Hannover an. Nach dem frühen Tod seines Vaters 1859 mit nur 49 Jahren übernahm Heinrich mit seinerseits jungen 23 Jahren dessen Position bei der Bleistiftfabrik. Das Unternehmen entwickelte sich gut und hatte großen Erfolg, nicht zuletzt auch durch die Exporte in die USA, wo das Unternehmen seit 1859 eine Zweigstelle führte.

International bekannt wurde die Bleistiftproduktion auf den Weltausstellungen in London 1862 und in Paris 1867, wo das Unternehmen mehrere Medaillen verliehen bekam. Wegen des großen Erfolgs und der dortigen Verleihung von zwei Patenten konzentrierte sich Berolzheimer mit seiner Produktion in den folgenden Jahren hauptsächlich auf die Geschäfte in den USA. Allerdings wollten die Vereinigten Staaten nach dem Sezessionskrieg vermehrt gegen Importe vorgehen, um die eigene Produktion zu unterstützen, sodass es ab da auch für Berolzheimer hohe Einfuhrzölle zu verrichten gab. Deshalb gründete er dort 1868 gemeinsam mit seinem Bruder Martin, mit Leopold Illfelder und dessen Sohn Joseph sowie Josef Reckendorfer in New York eine feste Produktionsstätte, die sie Eagle Pencil Co. nannten. Dem Unternehmen gelang es, einer der bedeutendsten Bleistiftproduzenten in den USA zu werden. Berolzheimer wurde einige Jahre später alleiniger Inhaber, nachdem die anderen Funktionäre das Unternehmen verlassen hatten oder im Falle Reckendorfers 1882 verstorben waren. In der Zwischenzeit hatte Heinrich Berolzheimer 1862 Karolina Schebel (1839-1901) geheiratet, mit der er vier Söhne und eine Tochter bekam. Einer seiner Söhne verstarb allerdings bereits im Kindesalter. In regelmäßigen Abständen unternahm Berolzheimer Reisen nach Amerika. In den folgenden Jahren begleiteten ihn dabei immer wieder seine Söhne Emil (1862-1922) und Philipp (1867-1942), welche zwischen 1886 und 1888 fest in New York lebten. Nachdem sein ältester Sohn Emil dort selbstständig arbeiten konnte, ging Heinrich Berolzheimer zurück nach Fürth, bereits 1889 aber zog er ins benachbarte Nürnberg.

Nachdem er 1895 Kommerzienrat geworden war, verlagerte Heinrich Berolzheimer sein Engagement vom unternehmerischen auf den sozialen Bereich. Aus seiner Zeit in Amerika waren ihm die vielen Volksbibliotheken in Erinnerung geblieben. Dabei erkannte er, dass ein sozialer Aufstieg in der Gesellschaft nur durch Bildung möglich war, weshalb er entschied, eine diesem Zweck dienende Einrichtung zu gründen. Gemeinsam mit den beiden auch am Unternehmen beteiligten Söhnen rief er 1904 den Fürther Volksbildungsverein ins Leben, mit dem er das sogenannte Berolzheimerianum erbauen wollte. Diese Institution hieß eigentlich Heinrich Berolzheimer’sche Jubiliäumsstiftung, da die Fertigstellung des dazugehörigen Gebäudes bis zu den Feierlichkeiten des hundertjährigen Bestehens des Königreichs Bayern vollzogen sein sollte, was gleichzeitig auch die hundertjährige Zugehörigkeit Fürths zu diesem Landesteil darstellte. Dank drei Spendern konnten hierfür insgesamt 230.000 Mark gesammelt werden. Das Bauwerk entstand in der Theresienstraße 1 und enthielt eine kostenlos zugängliche Bibliothek, einen Leseraum sowie einen Saal für Veranstaltungen kultureller und wissenschaftlicher Natur. Des Weiteren besagte die Stiftungsurkunde, dass die Einrichtung nicht für politische Zwecke verwendet werden durfte. Heinrich Berolzheimer verstarb 1906 im Alter von 70 Jahren in Nürnberg. Die Eröffnung des Berolzheimerianums wenige Wochen später, bei der auch der zukünftige König Ludwig III. von Bayern anwesend war, konnte er nicht mehr miterleben. Aus seinem Nachlass wurden 1911 eine vergleichbare Einrichtung in Nürnberg, das Luitpold-Haus, sowie bereits 1910 das Künstlerhaus gestiftet. Weitere Ehrung erfuhr Berolzheimer 1907, als eine Straße in Fürth nach ihm benannt wurde. 


(Moritz Fischer)

Bilder

Literatur

  • Andrea M. Kluxen / Julia Krieger: Geschichte und Kultur der Juden in Nürnberg. Würzburg 2014, S. 188.
  • Karl-Maria Hertle: Fürth im 19. Jahrhundert. München 2012, S. 103ff.
  • Adolf Schwammberger: Fürth von A bis Z. Ein Geschichtslexikon. Neustadt a.d.Aisch 1984, S. 44ff., S. 63.

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