Biografien
Menschen aus Bayern

Gustav Lippschütz Unternehmer und Brauereibesitzer

geboren: 01.10.1841, Hürben
gestorben: 13.01.1914, Buffalo NY

Wirkungsort: Aschaffenburg | München | New York

Gustav Lippschütz, der gebürtig aus Hürben (Schwaben) stammte, betrieb seit 1865 in Aschaffenburg eine Zigarrenfabrik. In den 1880er Jahren leitete er zeitweise als Direktor die 1867 gegründete, ortsansässige Bayerische Aktien-Bierbrauerei. Im Jahr 1884 siedelte er mit seiner Familie nach München über, wo er die Gärtnerbrauerei im Glockenbachviertel übernahm. 1885 geriet er jedoch in Konkurs und die Brauerei musste zwangsversteigert werden. Er emigrierte daraufhin in die USA, konnte aber an seine früheren Erfolge nicht mehr anknüpfen. Gustav Lippschütz war zweimal verheiratet, aus der ersten Ehe mit Theresia geb. Goldmann gingen sieben Kinder hervor.

Gustav (Benjamin) Lippschütz – später, vor allem in den USA auch Lippschitz – wurde am 1. Oktober 1842 im schwäbischen Hürben geboren. Er war ein Sohn des Hopfenhändlers Mayer Marum Lippschütz (1812-1891) und seiner Ehefrau Rosalie, geborene Landauer (1823-1891). Seine Eltern hatten noch zwei weitere Kinder: Albert und Helene, später verheiratet mit Carl Maison, München. 

Anfang der 1860er Jahren übersiedelte seine Familie nach München. Kurze Zeit später machte sich Gustav Lippschütz als Zigarrenmacher in Aschaffenburg ansässig. 1865 wurde ihm die Bürgeraufnahme gewährt und eine Konzession zur Fabrikation von Zigarren erteilt. Gustav Lippschütz war als Tabakfabrikant erfolgreich. Durchschnittlich beschäftigte er in seinem Unternehmen etwa 100 Personen. Für die Zeit sehr fortschrittlich war die Errichtung einer eigenen Betriebskrankenkasse für seine Arbeiterinnen und Arbeiter. 1876 schloss er sich mit dem Regensburger Kaufmann Anton Wiener zu der Firma "Lippschitz & Wiener" zusammen. Spätestens ab 1883 war er Direktor der 1867 gegründeten Bayerischen Aktien-Bierbrauerei in Aschaffenburg. In erster Ehe war Gustav Lippschütz seit 1866 mit Theresia Goldmann verheiratet, die jedoch schon 1884 starb. Das Paar hatte sieben Kinder. 1885 kehrte Gustav Lippschütz nach München zurück, nachdem er von Adam Feicht die dortige Gärtnerbrauerei gekauft hatte. Die Brauerei lag in der Reichenbachstraße 9 (heute 27) gegenüber des namensgebenden Gärtnerplatztheaters und hatte ein jährliches Produktionsaufkommen von etwa 4.600 Hektorlitern. 

Gustav Lippschütz tätigte nach dem Kauf der Brauerei beträchtliche Investitionen, geriet jedoch in finanzielle Schwierigkeiten. Er flüchtete daraufhin vor seinen Gläubigern in die USA. Die Gärtnerbrauerei wurde Ende des Jahres 1885 auf dem Weg der Zwangsversteigerung an den Großhändler Philipp Geyer verkauft. Ab 1892 war die Brauerei kurzeitig im Besitz des Nürnberger Kaufmann Moses Erlanger, 1896 wurde die Produktion schließlich eingestellt. Das Gebäude in der Reichenbachstraße ging später an die Schwabinger Brauerei AG über. Diese verkaufte die Immobilie 1921 an die beiden ostjüdischen Vereine Linath Hazedek ("Stätte des Rechts") und Agudas Achim ("Bund der Brüder"), die in den ehemaligen Produktionsräumen einen Betsaal einrichteten. Gustav Lippschütz lebte nach seiner Auswanderung in New York und St. Louis. Seine zweite Frau Ehefrau Emma Knoch heiratete er 1888 in Manhattan. 1893 erwarb Gustav Lippschütz die amerikanische Staatsbürgerschaft. Er verstarb am 13. Januar 1914 in Buffalo im US-Bundesstaat New York. Er ruht auf dem Deutsch-Französischen Friedhof, das Grab ist erhalten.


(Christian Porzelt)

Literatur

  • Christian Schäder: Münchner Brauindustrie 1871-1945. Die wirtschaftsgeschichtliche Entwicklung eines Industriezweiges. Marburg 1999, S. 54.

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