geboren: 9. Dezember 1556,
Straßburg
gestorben: Juli/August 1636,
Frankenthal (Pfalz)
reformiert, Pfälzer Geheimer Rat, Humanist, Administrator des Klosters Walderbach
Vater: Theobald (1529-1609), Präzeptor am Gymnasium; Mutter: Marie Hutter; um 1590 Heirat mit Claudine Virot, 1596 Heirat mit Agnes (1577-1635), Tochter des Michael Loefenius († 1620), kurpfälzischer Geheimer Rat; fünf Söhne, drei Töchter
Lingelsheim studierte Jura an den Universitäten Heidelberg und Basel. 1583 wurde er mit Otto von Grünrade Erzieher -> Friedrichs IV. von der Pfalz, dessen Hinwendung zum reformierten Glauben er förderte. 1587 zum Rat ernannt, gehörte Lingelsheim als Mitglied des Oberrats seit 1592 unter Friedrich IV. und Friedrich V. zu den mächtigsten Männern der pfälzischen Politik. 1593 wurde er zum Administrator des Oberpfälzer Klosters Walderbach ernannt. Das Haus Lingelheims bildete einen Mittelpunkt humanistischer Gelehrsamkeit, in dem unter anderem -> Marquard Freher, -> Janus Gruter, Paul Melissus Schede, -> Johann Joachim von Rusdorf oder -> Julius Wilhelm Zincgref verkehrten. 1619 stellte Lingelsheim -> Martin Opitz als Hauslehrer ein und förderte ihn nachhaltig. Als Gegner des "böhmischen Abenteurers" Friedrichs von der Pfalz blieb Lingelsheim 1619 in Heidelberg, doch musste er 1621 vor den Kriegsereignissen in seine Heimatstadt Straßburg fliehen. Nach der Rückkehr während der kurzzeitigen Wiedereinsetzung von Friedrich V. 1633 geriet er in Frankenthal in Gefangenschaft, wo er 1636 starb.