geboren: 29.01.1894,
Bad Mergentheim
gestorben: 07.08.1933,
Scherfede
Wirkungsort:
Würzburg | München u.a.
Felix Fechenbach wuchs in Würzburg auf und schloss sich der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung an. Wegen einer Verwundung im Ersten Weltkrieg wurde er zum Innendienst nach München versetzt, wo er Kurt Eisner kennen lernte und sich später der USPD anschloss. Fechenbach war an der Novemberrevolution 1918 und der kurzlebigen Bayerischen Räterepublik 1919 beteiligt. Von 1922 bis 1924 saß er wegen seiner politischen Rolle als persönlicher Sekretär Kurt Eisners in Haft. Anschließend arbeitete Fechenbach für mehrere Zeitungen, veröffentlichte politische und belletristische Werke. Er war unter anderem mit Bertolt Brecht, Albert Einstein und Kurt Tucholsky befreundet. 1933 erhielt er von den Nationalsozialisten ein Berufsverbot, kam in Schutzhaft und wurde auf dem Weg in das Konzentrationslager Dachau ermordet.
Felix Fechenbach wurde als zweites von fünf Kindern in eine jüdische Bäckerfamilie geboren. Noch im selben Jahr zogen Noe Fechenbach (1859-1935) und Rosalie geb. Weikersheimer (1935) mitsamt den Kindern nach Würzburg, um dort in der Ursulinengasse 2 eine Bäckerei zu eröffnen. Felix besuchte die Israelitische Elementarschule und anschließend eine Werktagschule in Heidingsfeld. Von 1907 bis 1910 absolvierte er eine kaufmännische Ausbildung in einem großen Schuhwarengeschäft und arbeitete anschließend als Sales Assistent ("Commis"). Ebenfalls 1910 musste sein Vater Konkurs anmelden, wahrscheinlich war der Erwerb des Hauses mitsamt der Bäckerei eine zu große finanzielle Belastung. Die Familie zog in die Semmelstraße 21. Im Jahr 1910 musste sein Vater mit der Bäckerei Konkurs anmelden, verkaufte das Haus und die Familie bezog eine Wohnung in der Semmelstraße 21. In dieser Zeit wurde er auf Rat seines älteren Bruders Siegbert (1892-1969) Mitglied des Zentralverbandes der „Handlungsgehilfen und -gehilfinnen Deutschlands“, einer sozialdemokratischen Angestelltenorganisation.
1911 begann Fechenbach eine Stelle als Handlungsgehilfe in einer Frankfurter Schuhwaren-Großhandlung, verlor seine Arbeitsstelle jedoch noch im selben Jahr, weil er an einer innerbetrieblichen Tarifauseinandersetzung teilgenommen hatte. Die offensichtliche Ungerechtigkeit des wirtschaftlichen und politischen Systems gegenüber der Arbeiterklasse war für Fechenbach eine Art Erweckungserlebnis. Er widmete sich nun vor allem seinem Engagement in der sozialdemokratischen Jugendorganisation, der Gewerkschaft und der SPD. Zwischen 1912 und 1914 arbeitete er im Münchner Arbeiter Sekretariat, einer gewerkschaftlichen Beratungsstelle für Rechtsschutzfragen und gründete 1914 die Jugendsektion des "Sozialdemokratischen Vereins München", einem Vorläufer der SPD-Jugendorganisation JuSos (Jungsozialisten). Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges im August 1914 brachte einen tiefen Einschnitt in Felix Fechenbachs persönlichem und politischen Leben: Er wurde einberufen und kämpfte an der französischen Westfront. Als Patrouillenführer erhielt Fechenbach das Eiserne Kreuz II. Klasse, er wurde am 9. Februar 1915 in den Vogesen verwundet und zum Verwaltungsdienst nach München zurückgeschickt. Die traumatischen Erlebnisse hatten Fechenbach zu einem überzeugten Pazifisten gemacht, in München kam er in Kontakt mit dem gebürtigen Berliner Kurt Eisner (1867-1919), der im Flügelkampf der SPD den sogenannten parlamentarischen "Burgfrieden" der Kriegsjahre ablehnte. Nach Kriegsende nahm Fechenbach seine politische Arbeit wieder auf. Er war an der Gründung der USPD beteiligt und stand an der Seite von Kurt Eisner, als dieser am 7. November auf der Münchner Theresienwiese die Revolution ausrief und die bayerische Monarchie stürzte. Er war Mitglied des Münchner Arbeiter- und Soldatenrats sowie des provisorischen Nationalrats. Als Eisner zum ersten bayerischen Ministerpräsidenten gewählt wurde, holte er seinen Vertrauten Felix Fechenbach als Privatsekretär in die Staatskanzlei. Bis zu Eisners Ermordung im Februar 1919 blieb Fechenbach ein Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrats sowie des provisorischen Nationalrates in Bayern, außerdem schrieb er für Zeitungen im In- und Ausland.
Bereits 1917 hatte Felix Fechenbach während eines Heimaturlaubs in Würzburg die Heidelberger Medizinstudentin Martha Czernichowski (1894–1941) kennen gelernt. Nach der blutigen Neiderschlagung der Bayerischen Räterepublik durch Armee und Freischärler verließ er München, um zu heiraten, wurde jedoch auf dem Weg in Ulm verhaftet. Die Hochzeit konnte daher erst am 12. August 1919 stattfinden. Ab 1920 arbeitete Fechenbach unter seinem Pseudonym "Rudolf Franke" als Redaktionsleiter der sozialdemokratischen Zeitschrift "Volksrecht" im nordböhmischen Aussig an der Elbe (tsch. Ústí). Bei der "Freiheit" und der "Leipziger Volkszeitung" war er ein ständiger Korrespondent für Bayern und in der USPD ein Landtagsberichterstatter. Martha Fechenbach hatte sich an der Seite ihres Mannes ein ruhiges, bürgerliches Leben erhofft und ließ sich bereits im Februar 1922 wieder scheiden. Anschließend denunzierte sie ihren Ex-Mann bei der bayerischen Justiz in einem neunseitigen Schreiben, teilweise mit abstrusen Behauptungen. Das hinderte die Staatsanwaltschaft nicht, sich aus diesem Schreiben bei der Anklage zu bedienen: Es war der Beginn eines antisemitisch geprägten Schauprozesses, der in Anlehnung an die französische Dreyfuß-Affäre von 1894 als "Fechenbach-Affäre" in die Geschichte einging.
Nicht zuletzt durch die Denunziation seiner Exfrau wurde Fechenbach am 10. August 1922 wegen angeblichem Landesverrats festgenommen. Seine prominente Rolle in der bayerischen Sozialdemokratie wurde dem einstigen Vertrauten Kurt Eisners nun zum Verhängis, denn alldeutsche und antisemitische Kreise leiteten eine mediale Kampagne gegen ihn ein. Angeblich habe er ein geheimes Telegramm des Bayerischen Gesandten beim Heiligen Stuhl in Rom veröffentlicht, auch einige Zeitungsartikel zur Kriegsschuldfrage dienten der Beweislast. Das Urteil fiel entsprechend drakonisch aus: Elf Jahre Zuchthaus, zehn Jahre Ehrverlust. Allerdings war die öffentliche Empörung gegen das offensichtlich voreingenommene Urteil so massiv, dass Fechenbach bereits zwei Jahre später begnadigt und aus der Haft entlassen wurde. Nach seiner Freilassung am 20. Dezember 1924 betrieb sein Anwalt Philipp Löwenfeld die Wiederaufnahme des Prozesses. Diese endete am 15. Dezember 1926 nach mehreren Verfahren mit einer teilweisen Aufhebung des Urteils durch das Reichsgericht. Das Reichsgericht ließ aber den Vorwurf des Landesverrats gegen Fechenbach auch nach diesem Urteil bestehen.
Nach seiner Entlassung aus dem Zuchthaus nahm Felix Fechenbach seine publizistische Tätigkeit wieder auf. Fechenbach war seit 1926 in zweiter Ehe mit der Krankenschwester und Wohlfahrtspflegerin Irma Epstein (1895–1973) verheiratet. Sie und die drei gemeinsamen Kinder Kurt (1927–2017, benannt nach Kurt Eisner), Lotti (1928–2017) und Hanni (* 1931).
Von 1924 bis 1929 arbeitete er wieder in der Redaktion der sozialdemokratischen Zeitung "Vorwärts", ab 1925 auch als Verlagsredakteur des Berliner Dietz-Verlages. In diesem Verlagshaus erschien 1929 Fechenbachs politische Biographie "Revolutionär Kurt Eisner. Aus persönlichen Erlebnissen". Zu seinen literarischen Werken zählen aber auch humorvolle Bühnenstücke für das Kasperle-Theater, von denen heute nicht mehr alle zweifelsfrei zugeordnet werden können. 1929 wechselte er als Chefredakteur zum "Detmolder Volksblatt", das nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten am 3. März 1933 verboten wurde. Fechenbach bekam ein politisches Redeverbot erteilt. Nur eine Woche später, ab dem 11. März 1933, kam er in "Schutzhaft". Bei Überstellung in das Konzentrationslager Dachau wurde er am 7. August 1933 während eines angeblichen Fluchtversuchs im Kleinenberger Wald niedergeschossen und verstarb im Krankenhaus Scherfede b. Warburg. Er ruht auf dem jüdischen Friedhof in Rimbeck (Nordrheinwestfalen). Fechenbachs Frau und Kinder überlebten die Zeit des Nationalsozialismus. Sie konnten zunächst in die Schweiz fliehen und von dort 1946 mit Hilfe Albert Einsteins in die Vereinigten Staaten von Amerika emigrieren.
Wegen der NS-Zensur veröffentlichte Schriftsteller Walther Victor (1895-1971) in der neutralen Schweiz die Korrespondenz seines Freundes Felix Fechenbach aus der Haftanstalt unter dem Titel "Mein Herz schlägt weiter" (1936/37). Ebenfalls in der Schweiz erschien zu seinem Andenken auch das "Felix-Fechenbach-Buch". Am 7. August 1973, dem 50igsten Todestag von Felix Fechenbach, wurde am Ort seiner Ermordung im Kleinberger Wald ein Denkmal errichtet. Die SPD-nahe Felix-Fechenbach-Stiftung in Detmold hält dort jährlich eine Mahnwache ab. Alle zwei Jahre vergibt sie den Felix-Fechenbach-Preis an Menschen oder Gruppierungen, die sich besonders für Demokratie, ein soziales Miteinander oder schriftstellerisch eingesetzt haben. In Detmold und Leopoldshöhe wurden Schulen nach ihm benannt; in Detmold, Gütersloh, München und Oerlinghausen tragen Straßen seinen Namen. Die Kommune Würzburg hat ihr Veranstaltungszentrum im Stadtteil Grombühl in „Felix-Fechenbach-Haus“ umbenannt. Erst 1988 erschien sein Buch "Der Puppenspieler", eine detailreiche Liebeserklärung an die unbeschwerte Jugendzeit und das kleinbürgerliche jüdische Leben im alten Würzburg. Vor seinem Elternhaus in der Ursulinengasse 2 verlegte der Künstler Gunter Demnig (*1947) einen Stolperstein.
(Patrick Charell)
Literatur
- Werner Ebnet: Sie haben in München gelebt. Biografien aus acht Jahrhunderten. München 2016, S. 179.
- Felix Fechenbach: Der Puppenspieler. Herausgegeben von Roland Flade u.a. Würzburg 1988 (inkl. Biografie).
- Hermann Schueler: Auf der Flucht erschossen. Felix Fechenbach 1894–1933. Eine Biographie. Köln 1981
- Walther Victor: Das Felix-Fechenbach-Buch. Zu seinem Gedenken. Arbon 1936.
- Felix Fechenbach: Mein Herz schlägt weiter. Briefe aus der Schutzhaft. Herausgegeben von Walther Victor. St. Gallen 1936.
Weiterführende Links
Quellen
GND: 118532146