Elise Hopf geb. Josephthal gehörte zu den wichtigsten Kämpferinnen für die Rechte der Frauen in Bayern. Die gebürtige Nürnbergerin engagierte sich in ihrer Heimatstadt für die öffentliche Wohlfahrt und initiierte unter anderem den Aufbau des ersten Nürnberger Wöchnerinnenheims im Jahr 1898. Sie war Mitgründerin des Vereins "Frauenwohl Nürnberg" (1894), des "Bunds Deutscher Frauenvereine" (1894) und des "Hauptverbands Bayerischer Frauenvereine" (1909). Sie setzte sich für das Frauenwahlrecht ein und unterstützte in den 1920er Jahren die weibliche Berufstätigkeit. Bis 1930 war sie die Vertreterin von insgesamt 16 Vereinen und Ausschüssen. Nach der NS-Machtübernahme 1933 musste sich Elise Hopf aus allen Ämtern zurückziehen. Sie war mit dem Hopfenhändler Hans Hopf (1854-1918) verheiratet und hatte drei Kinder, ihr jüngerer Sohn war der spätere Physiker Prof. Ludwig Hopf (1884-1939).
Elise war neben vier Brüdern die einzige Tochter von Jeannette geb. Berlin (1842-1909) und des Juristen Gustav Josephthal (1831-1914). Bereits ihre Mutter engagierte sich in der Frauenrechtsbewegung und erzog ihre Tochter auf progressive Weise. Im gutbürgerlichen Haushalt herrschte ein national-liberaler Geist, beide Elternteile waren im sozialen Leben der Stadt aktive Persönlichkeiten. Das Judentum spielte trotz ihrer weitgehenden Assimilation eine weiterhin prägende Rolle: Bereits ab 1869 war Gustav Josephtal gewählter Vorstand der IKG Nürnberg, er förderte die jüdischen Wohlfahrtseinrichtungen, außerdem betätigte er sich als Mäzen für junge Künstler, Musiker und Literaten. Ab 1893 bestätigte sich Josephthal im Hauptvorstand des reichsweiten und zutiefst patriotischen "Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", der sich unter anderem den Ideen des Zionismus entgegen stellte.
1883 heiratete Elise Josephthal den wohlhabenden Nürnberger Hopfengroßhändler Hans Hopf (1854-1918). Seine Vorfahren gehörten zu den ersten Juden, die 1852 in Nürnberg das Bürgerecht erlangten und die neuzeitliche IKG begründeten. Seit der ersten Generation machten sich die Mitglieder der Familien Hopf in Nürnberg durch Stiftungen um Wohlfahrt und Kunst verdient. Elise Hopf und ihre Familie lebten in einer der Villen der Marienvorstadt (Blumenstraße 11). Ihre Freundin, die Schriftstellerin Else Dormitzer (1877-1958) wohnte gleich nebenan in der Nummer 9.
Das Ehepaar bekam drei Kinder: Ihr erster Ludwig Hopf (1884-1939) wurde später ein anerkannter Physiker und Ingenieur, der an der Universität Zürich Albert Einstein assistierte. Der zweite Sohn Ernst (1885-1935) war von 1919 bis zu seinem Tod im Familienunternehmen tätig. Tochter Betty verh. Hesselberger (1887-1967) wurde im Ersten Weltkrieg das König-Ludwig-Kreuz für Kriegsverdienste für Zivilisten verliehen, 1935 emigrierte nach New York, später lebte sie in der Schweiz und starb in Lugano.
Ihr Wohnhaus diente Elise Hopf ihr Leben lang auch als Büro für ihre vielfältigen ehrenamtlichen Tätigkeiten. Sie wurde eine führende Frauenrechtlerin in Nürnberg, außerdem setzte sie sich als Leiterin des paritätischen Wohlfahrtsverbandes und Mitarbeiterin im städtischen Wohlfahrtsamt für eine Modernisierung der Sozialfürsorge ein. Die Gründung des ersten Wöchnerinnenheims im Jahr 1898 ist ihr Verdienst. Zusammen mit Helene von Forster und Bertha Kipfmüller gründete sie am 16. November 1893 den Verein "Frauenwohl Nürnberg", dessen Ziel „die Förderung und Hebung des weiblichen Geschlechts in geistiger, sittlicher und wirtschaftlicher Beziehung“ war. Elise Hopf übernahm von Anfang an wichtige Aufgaben und wurde 1923 zur 1. Vorsitzenden gewählt. Außerdem war sie Mitbegründerin des "Bunds Deutscher Frauenvereine" (1894) und des "Hauptverbands Bayerischer Frauenvereine" (1909).
Während des Ersten Weltkriegs 1914-1918 übertrug ihr die Kommune Nürnberg die Leitung der Kriegsvolksküchen. Zusammen mit Helene von Forster organisierte sie die Kriegerhinterbliebenenfürsorge in Nürnberg und wurde in die städtischen Finanzausschüsse I und II gewählt. 1915 gründete sie außerdem die Nürnberger Hausfrauenbund zur Kriegshilfe, zusätzlich übernahm sie die Leitung des Hausfrauenvereins für Bayern, initiierte die Gründung des Landesverbandes Bayerischer Hausfrauenvereine und wurde später deren Ehrenvorsitzende. 1916 übernahm Elise Hopf auch den zweiten Vorsitzen des 1899 gegründeten Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen.
In der Politik forderte sie lange die Einführung des allgemeinen Frauenwahlrechtes, was aber erst nach Kriegsende mit einer modernen Verfassung möglich wurde. Auch durch ihr Engagement konnten 1919 gleich sechs weibliche Stadträte in das Nürnberger Rathaus einziehen. Mit der Gründung des weder parteipolitisch noch konfessionsgebundenen "Fünften Wohlfahrts Verbands" (Paritätischer Wohlfahrtsverband Bayern) 1924 übernahm Elise Hopf die Provinzialvertretung für die Mitgliedsvereine von Nürnberg. So vertrat sie 1930 sechzehn Vereine vom "Cnopf‘schen Kinderspital" über Blindenheime und Blindenfürsorge bis zu verschiedenen Sozialprojekten für Frauen und Arme in den Ausschüssen des städtischen Wohlfahrtsreferats. Obwohl ihr Frauenbild eher konservativ geprägt war und sie ihre Tätigkeiten ehrenamtlich ausüben wollte (und konnte), setzte sich Elise Hopf in den wirtschaftlich schwierigen 1920er Jahren vorbehaltlos für die Frauenerwerbstätigkeit ein.
Nach der NS-Machtübernahme 1933 war sie als Jüdin gezwungen, alle kommunalen Ämter aufzugeben. Sie legte auch ihre Ämter im Verein Frauenwohl und im Hauptverband der Bayerischen Frauenvereine nieder, tief getroffen von der Missachtung und Verfolgung der jüdischen Bürgerinnen und Bürger durch die Nationalsozialisten. 1934 lösten sich der Verein Frauenwohl und der Hauptverband Bayerischer Frauenvereine auf, um der Gleichschaltung zu entgehen. Der Bayerische Paritätische Wohlfahrtsverband jedoch wurde korporatives Mitglied der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV). 1935 musste sie das Unglück ihrer Kinder miterleben: Den Tod von Ernst Hopf, die Entlassung von Ludwig Hopf und seine Emigration nach Irland, auch die Ausreise von Betty Hesselberger und ihrer Familie nach Amerika. Als gebrochene Frau starb Elise Hopf ein Jahr später 1936. Zu ihrem 80. Todestag widmete ihr das Stadtarchiv Nürnberg 2016 die Sonderausstellung "Elise Hopf 1865-1936 und die Frauenbewegung in Nürnberg". Die Kunstvilla Nürnberg zeigte 2023 die Ausstellung "Die Nürnberger Hopfenhändler- und Bankiersfamilie Hopf". In einem Neubaugebiet des Nürnberger Ortsteils Kornburg soll die Elise-Hopf-Straße entstehen.
(Patrick Charell)
Literatur
- Miachel Diefenbacher / Rudolf Endres (Hg.): Stadtlexikon Nürnberg. Nürnberg 1999, S. 460..
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Quellen
GND: 09564000