geboren: 18.10.1814,
Baiersdorf
gestorben: 1862,
Fürth
Wirkungsort:
München | Dresden | Baiersdorf | Nürnberg
Nach einer zweijährigen handwerklichen Ausbildung in der Porzellanfabrik Reichmannsdorf zog David Ottensooser für sechs Jahre nach München, um an der Polytechnischen Schule und an der Akademie der Bildenden Künste zu studieren. Weitere sechs Jahre verbrachte er an der Akademie in Dresden. Nach dem Tod seines Vaters kehrte Ottensooser nach Baiersdorf zurück und gründete eine erfolgreiche Werkstätte für Porzellanmalerei. 1852 heiratete er Adelheid Bloch, aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. Ottensooser verlegte sein Atelier nach Nürnberg, verstarb aber bereits mit 48 Jahren an einem Lungenleiden. Das heute bekannteste Werk Ottensoosers ist sein Porträt eines jungen Theodor Fontane von 1843.
Am 18. Oktober 1814 wurde David Ottensooser in eine kinderreiche Familie geboren. Seine Eltern, der Hopfen- und Schnittwarenhändler Wolf Samuel Ottensooser und Maila geb. Schnaittacher galten als achtbare, jedoch relativ arme Mitglieder der Kultusgemeinde Baiersdorf. Die dürftigen Verhältnisse belasteten die Gesundheit der Kinder, David Ottensooser sollte zeitlebens unter einer schwachen Lunge leiden. Bildung, Kunst und Kultur hatten einen umso höheren Stellenwert. Als sich beim jungen David ein autodidaktisches Zeichentalent bemerkbar machte, ermöglichten ihm die Eltern einen künstlerischen Beruf zu ergreifen. Mit 14 Jahren begann er in einer der angesehenen Porzellanfabriken von Reichmannsdorf eine Ausbildung zum Porzellanmaler, die er zwei Jahre später abschloss. Mit entsprechenden Empfehlungsschreiben konnte er ab 1830 an der Bayerischen Akademie der Künste in München studieren, außerdem verbesserte er sein technisches Verständnis der Porzellanmalerei an der Polytechnischen Hochschule. Die königliche Manufaktur in Nymphenburg stand noch in voller Blüte und produzierte repräsentatives Porzellan für den Hof, das gehobene Bürgertum und nicht zuletzt für den Export. Sie blieb zwar defizitär, das internationale Prestige war dem Staat jedoch die jährlichen Subventionen wert. Seit 1816 leitete Christian Matthias Adler (1787-1850) als Inspektor und Obermaler diesen Kunstbetrieb, außerdem lehrte er an der Akademie der Künste. Aus der dualen Ausbildung der Münchner Schule gingen so bedeutende Künstler hervor wie Anton Auer (1778-1814) oder Franz Xaver Nachtmann (1799-1846).
Bei seinem von den Professoren anerkannten Talent konnte sich David Ottensooser bald selbst finanzieren. Vor allem wohlhabendere Glaubensgenossen unterstützten ihn mit Auftragsarbeiten. Erhaltene Tagebücher erzählen jedoch von den Selbstzweifeln des jungen Mannes und seiner Frustration über die unsichtbaren Barrieren, die es dem armen Juden aus der Fränkischen Provinz schwermachten, dringend benötigte Kontakte zu knüpfen. Nach sechs Jahren des Studierens und Arbeitens in München ging Ottensooser für weitere sechs Jahre an die Akademie in Dresen, wo er unter Prof. Eduard Bendemann (1811-1889) seine Fähigkeiten abrundete. Bei einem Aufenthalt in Leipzig entstand 1843 sein Porträt des jungen Dichters Theodore Fontane, das zu einem Symbol der Sturm- und Drangzeit im Deutschen Vormärz wurde. Außer den Porträts, die Ottensooser durchgängig fast bis zum Ende seines Lebens schuf, verlegte er sich in seiner Dresdener Zeit auch auf historische Gemälde. Die Motive entnahm er meist der biblischen und antiken Geschichte Israels. Bekannt ist sein Bild: "Die Übergabe Jerusalems an Alexander den Großen durch den Hohenpriester Jadua", welches ein zeitgenössischer Schriftsteller "Die Kniebeugung des Polytheismus vor dem Monotheismus" nannte.
Nach dem überraschenden Tod seines Vaters Wolf kehrte David Ottensooser nach Baiersdorf zurück, um seine Familie zu unterstützen. Am 23. Januar 1846 übernahm er die frei gewordene 22. Matrikelstelle des verstorbenen Amson Isaac Seligsberg und gründete im eigenen Hausstand eine Porzellanmalerei, die schon bald mehrere Angestellte beschäftigte. Im Jahr 1852 heiratete er Adelheid Bloch (Daten unbekannt) aus Floß. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Wilhelm (1854-1928), Eugen (1855-1932) und Emilie (1858-1925). In den folgenden Jahren verlegte David Ottensooser seine erfolgreiche Werkstätte nach Nürnberg, er starb jedoch bereits mit 48 Jahren in Fürth an einem alten Lungenleiden. In der Allgemeinen Zeitung des Judentums erschien am 6. Oktober 1911 ein biographischer Abriss des Künstlers, der heute wie viele andere seiner Zunft beinahe vergessen ist. Abschließend würdigte sie ihn mit den Sätzen: "Ottensooser war ein Mann von hoher, autodidaktisch erworbener Bildung. Seinen Umgang bildeten meist Gelehrte. Auch liebte und pflegte er Musik, besonders Gesang. Seine Briefe und Tagebücher zeugen von Geist und Humor. Dieser Mann aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, von hohen Idealen beseelt, mag als Beispiel dafür gelten, wie ungerecht der Vorwurf ist, dass die Juden keinen Kunstsinn hätten und die Liebe zur Kunst ihnen mangele. Unter erschwerendsten Verhältnissen hat er sein Ziel verfolgt und erreicht."
(Patrick Charell)
Literatur
- Patrick Charell: Franz Xaver Nachtmann. Eine Künstlerbiografie. In: Christoph Kürzeder: In die Wiege gelegt. Ludwig II. - der gottgeschenkte Märchenkönig. München 2018 (Kataloge und Schriften des Diözesanmuseums für christliche Kunst des Erzbistums München und Freising 69), S. 45-53.
- Gesellschaft für Familienforschung in Franken e.V. / Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns (Hg.): Die Judenmatrikel 1813-1861 für Mittelfranken, Bd. 2., Landgericht Erlangen – Baiersdorf. Nürnberg 2003 (= Staatliche Archive Bayerns Digitale Medien 1 / Gesellschaft für Familienforschung in Franken E.V. Digitalisierte Quellen 1), S. 176f.
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