Biografien
Menschen aus Bayern

Cornelius Charell Kunstmaler

geboren: 03.03.1889, Aachen
gestorben: 29.12.1972, München

Wirkungsort: Feuchtwangen | München

Der Kunstmaler und Grafiker Cornelius Charell wurde in Aachen geboren. Nach seinem Kunststudium begab er sich auf eine Bildungsreise nach Italien, blieb jedoch in München hängen. Spätestens ab 1935 ist er dort im Adressbuch zu finden. Cornelius Charell malte klassisch-konservativ im Stil der sog. "Heimatkunst" und blieb daher durch die NS-Machtübernahme weitgehend unbehelligt. Durch einen alliierten Fliegerangriff auf München verlor Charell 1944 sein Atelier und zog nach Feuchtwangen (MFr.), der Heimat seiner Frau Maria Karolina geb. Kern. Die wachsende Familie blieb von 1945 bis 1956 in Feuchtwangen, wo Charell zur lokalen Prominenz gehörte. Zurück in München malte und zeichnete er vorwiegend Architekturbilder. Er ruht in einem Familiengrab auf dem Münchner Waldfriedhof.

Cornelius Charell kam als ältestes von fünf Kindern des Schneidermeisters Gaspar Alexandre Charell und Agatha geb. Emonds in Aachen zur Welt. Wie seine Eltern wurde er römisch-katholisch getauft. Seine Vorfahren stammten aus Frankreich, wahrscheinlich der südlichen Bretagne (heute Loire-Atlantique). Andere Hinweise führen in den Nordosten (Hauts-de-France), wo sie jedoch im Sande verlaufen. Die Familie gehörte mit relativer Sicherheit zu den Unterstützern der Royalisten, die nach dem Sieg der Französischen Revolution im späten 18. Jahrhundert auswandern mussten. In manchen zeitgenössischen Presseberichten wird seinem Familiennamen das Adelsprädikat "von" hinzugefügt.

Im Ersten Weltkrieg erlitt Cornelius Charell durch ein Schrapnell eine schwere Verwundung am Hals, wodurch ihm eine erneute Einberufung im Zweiten Weltkrieg erspart bleiben sollte. Nach dem Abschluss eines Kunststudiums in Düsseldorf (?) plante Charell eine große Studienreise nach Italien. Dieses Vorhaben scheiterte zwar auf halber Strecke, als Charell spätestens im Jahr 1935 nach München kam. Für drei Jahre wohnte er in der Landwehrstraße, später in der Sendlinger- und Fraunhofer Straße. Er unterrichtete zu dieser Zeit als Hilfskraft an der Akademie der Schönen Künste.

1940 heiratete er Maria Karolina Kern, Tochter eines Schustermeisters aus Feuchtwangen. Vier Jahre lang lebte das Ehepaar in einer Atelierwohnung in der Schwabinger Arcisstraße 63, die ihnen auch gehörte. Cornelius Charell war endlich im Kreis der etablierten Schwabinger Künstler angekommen. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten scheint für ihn, den politisch uninteressierten, ohne weitere Auswirkungen geblieben zu sein. Als professioneller Akademiemaler verkaufte er mit einigem Erfolg seine Auftragsporträts und andere Werke, die im konservativ-naturalistischen Stil gehalten waren (sog. "Heimatkunst").

Allerdings war das Verhältnis doch ambivalent: Zwar ist vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda eine Geldzahlung von 300 RM aus der "Dr. Goebbels-Stiftung Künstlerdank" nachgewiesen, die an sich eine NSDAP-Mitgliedschaft oder zumindest enge ideologische Nähe voraussetzte; andererseits geriet Cornelius Charell Anfang der 1940er Jahre kurzzeitig ins Visier der Gestapo, weil er für einen jüdischen Geschäftsmann heimlich ein Kunstwerk restauriert hatte, damit dieser es zur Finanzierung seiner Emigration besser verkaufen konnte.

Mit den Luftangriffen auf München verlor das Ehepaar Charell im Winter 1944 seine Wohnung; Charell folgte seiner Frau nach Feuchtwangen. Während der letzten Kriegsmonate wurde er im "Volkssturm" zur Luftabwehr als Flakhelfer eingezogen.

Von 1945 bis 1956 lebte die wachsende Familie im Alten Spital (Spitalstraße 28). Die Schwiegereltern, Schustermeister Wilhelm Karl Kern und Marie geb. Hiemayer wohnten nahebei am Hinteren Spitzenberg 12. Wegen der unmittelbaren Nähe zur ehem. Synagoge (heute Fränkisches Museum Feuchtwangen, Museumsstraße 19) war ihre Tochter Maria in Kindertagen gemäß der Familienüberlieferung ein "Schabbes-Goj": Für die jüdischen Familien entzündete sie als Kind am Schabbat die Lichter und bekam dafür ein kleines Taschengeld. 

Noch in den letzten Jahren wurde Cornelius Charell im "Volkssturm" eingezogen und trotz seiner Invalidität zur Luftabwehr eingeteilt. In den Jahren 1945 bis 1956 konnte sich Charell als einziger studierter Künstler relativ gut in der fränkischen Kleinstadt etablieren. Zum Beispiel stellte er mit weiteren Komparsen in einem historischen Festumzug zum Stadtgeburtstag 1949 den Meister Michael Wohlgemuth dar, den Künstler des spätgotischen Marienaltars in der Feuchtwanger Stadtkirche St. Salvator. Seine zumeist bäuerlichen Auftraggeber verlangten eher traditionelle Motive und vor allem Porträts (meist in Rötel, Kreide und Öl), die sich vielfach noch heute vor Ort im Privatbesitz befinden (u.a. im Café Kreuzgang).

Im Jahr 1956 zog es Cornelius Charell zurück nach München. An einen privaten Wiederaufbau bzw. einer Kostenbeteiligung war nicht zu denken, daher veräußerte die Familie das Schwabinger Grundstück gegen eine lebenslange Entschädigungsrente an die Stadtverwaltung. Heute steht dort ein Verwaltungsbau der Allianz Versicherung. In der Sendlinger Hansastraße fand sie ein neues Zuhause. In München waren vor allem Ansichten der Sehenswürdigkeiten sowie möglichst exakte Darstellungen der neuen Architektur gefragt. Charell eignete sich daher die für ihn neue Technik der Federzeichnung an, mit der er anhand von Vorstudien viele Motive in Serie fertigen konnte. Seine Hauptkunden waren nun Institutionen und Firmen, aber auch US-amerikanische Soldaten und Touristen. Dabei wurde Charell zum Zeugen des Wirtschaftswunders, mit dem sich München aus der Asche erhob. Cornelius Charell starb im Kreis der Familie und ruht auf dem Münchner Waldfriedhof.


(Patrick Charell)

Literatur

  • Bundesarchiv, BArch R 55 Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda 1936-1940, Haushalt, Spende "Künstlerdank" – Einzelfälle (Charell).

GND: nicht verfügbar