geboren: 09.20.1798,
Bamberg
gestorben: 19.08.1872,
Fürth
Wirkungsort:
Bamberg | Fürth
Dr. jur. Carl (Karl) Feust war ein königlicher Advokat in Fürth, einer der ersten jüdischen Rechtsanwälte in Bayern und Ritter des Kgl. Bayerischen St. Michaelsordens I. Klasse. Zudem wurde er als Mitübersetzer des Corpus juris und als Schriftsteller bekannt.
Carl Feust war nach Moses Feust der zweite Sohn des obersten Rabbiners in Fürth, Philip Feust. Zudem hatte er noch eine jüngere Schwester, Esther Feust. Er heiratete Theresa geb. Schleutheimer (1811-1891) mit der er sechs Kinder bekam: Philipp Feust, der ebenso wie der Vater als Rechtsanwalt arbeitete und später königlicher Advokat in Fürth wurde, Mathilde Saloschin, Sigmund Feust, der 1863 in die USA emigrierte, Pauline Hulse, Luise Bloch und Julius Jakob Itszchak Feust.
Da sein Vater eine rabbinische Laufbahn für ihn vorsah, erhielt Feust eine talmudische Ausbildung. Er besuchte das Bamberger Gymnasium und studierte ab 1818 an der Universität Würzburg erst Philologie und schließlich dann Jura. Im Jahr 1822 promovierte er zum Doktor der Rechtswissenschaften. Feust bestand die Staatsprüfung mit 1. Da er als Jude allerdings nicht als Anwalt zugelassen wurde und nicht bereit war, seine Religion zu wechseln, arbeitete er zunächst als Redakteur bei der „Aachener Zeitung“. Wenige Jahre später wurde er in ein untergeordnetes Amt am Landgericht Bamberg berufen. Im Jahr 1831 zog Feust zurück nach Fürth, wo er Sekretär der jüdischen Gemeinde wurde. 1848 wurde er als einer der ersten jüdischen Rechtsanwälte in Bayern überhaupt zugelassen und arbeitete als Kammerrat. Außerdem widmete er sich der Literatur über die Jurisprudenz. Das wichtigste seiner Werke ist eine Übersetzung des 18., 39. und 49. Buches der "Pandekten". Im Jahr 1848 wurde er zum königlichen Advokaten in Fürth ernannt. Am 09. Oktober 1868, an seinem 70. Geburtstag, wurde Feust vom bayerischen König zum Ritter des St. Michaelsordens I. Klasse geschlagen, später wurde ihm sogar der Verdienstorden verliehen.
Carl Feust verstarb am 19. August 1872 im Alter von 73 Jahren in Fürth. Zwei Tage später wurde er unter großer Anteilnahme beerdigt. In seiner Todesanzeige in der "Allgemeinen Zeitung des Judenthums" vom 01. Oktober 1872 wurde geschrieben: "Dr. Carl Feust, Regierungsadvocat und Ritter des Verdienstordens vom h. Michael erster Klasse, verstarb im 74. Lebensjahre. Derselbe, einer der ersten jüdischen Rechtsanwälte in Baiern, war wegen seiner eminenten Kenntnisse und der Makellosigkeit und Größe seines Charakters eine auch in weiteren Kreisen hochgeschätzte Persönlichkeit. Ein Beweis, in welchem hohen Ansehen der Verblichene in allen Kreisen hiesiger Bevölkerung stand, war die zahlreiche Betheiligung an seinem Leichenbegängnisse, dem auch die Spitzen der städtischen und königlichen Behörden in Amtstracht beiwohnten".
(Kea Grimmelt)
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Quellen
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