August Liebmann Mayer arbeitete nach seinem Studium an den Münchner Pinakotheken und entwickelte sich zum Experten für spanische Kunst des 16. bis 19. Jahrhunderts. 1912 promovierte er und wurde 1920 außerordentlicher Professor an der LMU München. Nebenbei arbeitete er als privater Sachverständiger und sammelte selbst Kunst. Prof. Mayer wurde 1930 das Ziel einer Verleumdungskampagne und trat ein Jahr später von seinem Amt als Kustos zurück. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten kam er in Schutzhaft, überlebte einen Suizidversuch und emigrierte 1935 mit seiner Familie nach Paris, wo er weiter als Kunstexperte arbeitete. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht kam er in Südfrankreich in Haft, wurde zwar 1941 entlassen, aber 1944 von der Gestapo nach Auschwitz verschleppt und dort ermordet. Er war mit der gebürtigen Tschechin Aloisia Däuschinger (1891-1941) verheiratet und hatte eine Tochter, Angelika. Diese überlebte den Holocaust und emigrierte 1951 in die USA. 2010 wurden vier Gemälde aus Mayers Besitz von den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen an sie restituiert.
August Liebmann Mayer war der Sohn von Jonas Baruch Mayer (1842-1927) und Berta Mayer, geb. Liebmann (1847-1930). Nach einem Studium der Kunstgeschichte in München promovierte August Liebmann Mayer in Berlin und begann 1909 ein Volontariat an den Münchner Pinakotheken. 1909 wurde er als wissenschaftlicher Mitarbeiter eingestellt und stieg nach wenigen Jahren zum Kustos (Kurator) auf. Er galt als Experte für spanische Kunst des 16. bis 18. Jahrhunderts, zeigte aber auch an der zeitgenössischen Kunst großes Interesse. Bereits mit 23 Jahren schrieb Mayer einen kunsthistorischen Reiseführer über die spanische Stadt Toledo. Im Jahr 1912 habilitierte er sich an der Ludwig-Maximilians-Universität und wurde 1920 außerordentlicher Professor. Im selben Jahr heiratete er die gebürtige Tschechin Aloisia Däuschinger (1891-1941). Mehr als dreihundert Bücher und Fachartikel tragen seinen Namen. Für seine Verdienste um die spanische Kunst wurde er in Spanien zweimal mit Orden geehrt. Im Jahr 1930 wurde eine Tochter Angelika geboren. Noch im gleichen Jahr stand Prof. Mayer im Zentrum einer antisemitisch geprägten Verleumdungskampagne, die ihm Veruntreuung und Betrug vorwarf. Wegen einer gleichzeitig geführten Kontroverse über die privaten Expertisen staatlicher Kunstsachverständiger schlugen diese Anschuldigungen hohe Wellen schlug. 1931 trat Mayer entnervt von seinem Amt als Kustos in der Pinakothek zurück.
Nach der NS-Machtübernahme kam August Mayer von März bis Juli 1933 in "Schutzhaft" und unternahm einen Suizidversuch. Nur durch die Fürsprache des Direktors der Pinakothek, Friedrich Dörnhöffer (1865-1934) kam er wieder frei. Im Jahr 1935 wurde Mayer enteignet und erhielt Berufsverbot. Mit seiner Familie emigrierte er 1935 nach Frankreich. Dank der Unterstützung durch Freunde konnte er wenigstens seine Bibliothek und einige wenige Kunstwerke mitnehmen. In Paris leben die Mayers nahe dem Louvre, wo August Meyer weiter als Kunstexperte arbeiten kann. Mit dem Angriff der Wehrmacht 1940 wurde er jedoch von den französischen Behörden in Südfrankreich interniert, Frau und Kind blieben in Paris. Nach dem Waffenstillstand entließ ihn die Vichy-Regierung, doch im August 1941 starb Aloisia Meyer an einer Krankheit, die Reste seiner Kunstsammlung wurden von der deutschen Besatzungsmacht geplündert, und seine Tochter musste in ein Internat nach Nizza. Im Februar 1944 wurde August Mayer von der Gestapo verhaftet, nach Auschwitz verschleppt und ermordet. Seine Tochter Angelika überlebte die Shoah und übersiedelte 1951 in die USA. Im Jahr 2010 wurden vier Gemälde, die bei einer Provenienzforschung der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen als ehemaliger Besitz von August Liebmann Mayer entdeckt wurden, auf Basis der Washingtoner Prinzipien an Angelika Mayer restituiert.
Literatur
- Jüdisches Museum München / Bernhard Purin, Lara Theobalt, Lilian Harlander (Hg.): AK Bildgeschichten. Münchner Jüdinnen und Juden im Porträt. München 2024, S. 84f.
- Christian Fuhrmeister / Susanne Kienlechner: Tatort Nizza. Kunstgeschichte zwischen Kunsthandel, Kunstraub und Verfolgung. Zur Vita von August Liebmann Mayer […]. In: Ruth Heftrig / Olaf Peters / Barbara Schellewald (Hg.): Kunstgeschichte im "Dritten Reich". Theorien, Methoden, Praktiken. Berlin 2008, S. 405-429.
- Teresa Posada Kubissa: August L. Mayer – ein Experte der spanischen Kunst in München. In: Christian Drude / Hubertus Kohle (Hg.): 200 Jahre Kunstgeschichte in München. München 2003, S. 120-130.
- Teresa Posada Kubissa: August L. Mayer y la pintura española. Ribera, Goya, El Greco, Velázquez, Madrid 2010, S. 35.
- Ulrike Wendland: Biographisches Handbuch deutschsprachiger Kunsthistoriker im Exil. Leben und Werk der unter dem Nationalsozialismus verfolgten und vertriebenen Wissenschaftler, Teil 2: L-Z. München 1999, S. 429-438.
Weiterführende Links
Quellen
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