Biografien
Menschen aus Bayern

Alfons Himmelreich Fotograf

geboren: 31.07.1904, München
gestorben: 08.04.1993, Tel Aviv

Wirkungsort: München | Tel Aviv

Der gebürtige Münchner Alfons Himmelreich bekam zu seiner Bar Mizwa eine Fotokamera geschenkt und entwickelte seitdem eine Leidenschaft für die Fotografie. Die grundlegenden Techniken erlernte er als Autodidakt. Auf Wunsch seines Vaters machte Alfons Himmelreich eine Ausbildung zum Textilkaufmann, um später das Familiengeschäft übernehmen zu können. Nach der NS-Machtübernahme und den Boykottaufrufen jüdischer Geschäfte setzte Himmelreich jedoch einen lange gehegten Wunsch um und emigrierte noch im Herbst 1933 in das Mandatsgebiet Palästina. Zunächst arbeitete er als Zimmermann, in den 1940ern konnte er sich jedoch als professioneller Fotograf einen Namen machen. Seine Arbeiten dienten häufig der Werbebranche als Vorlage, er fertigte jedoch auch Landschaftsaufnahmen und Porträts. Mit seiner Kamera begleitete Himmelreich den Aufbau und die Gründung des Staates Israel. Mit 88 Jahren verstarb Himmelreich in Tel Aviv, wo er auch begraben liegt.

Alfons Himmelreich war der Sohn des Münchner Textilhändlers Emil Himmelreich (1869-1937) und Emma geb. Salomon (1878-1931) aus Frensdorf. Nachdem er mit 13 Jahren zu seiner Bar Mitzwa eine Kamera der Firma Ernemann geschenkt bekommen hatte, begann Himmelreich sich für die Fotografie zu interessieren und die Erlebnisse seiner Jugendjahre fotografisch festzuhalten. Bereits 1923 trug er sich mit dem Gedanken, nach Palästina auszuwandern, aber auf Wunsch seines Vaters blieb er in München und machte eine Ausbildung zum Textilfachmann. Einen Großteil seiner Freizeit verbrachte er in der Bibliothek des Deutschen Museums, wo er sich im Selbststudium die Kenntnisse der technischen Grundlagen der Fotografie aneignete.

Als nach der NS-Machtübernahme 1933 ein Boykott der jüdischen Geschäfte ausgerufen wurde, entschloss sich Himmelreich endgültig und verließ Deutschland. Im Herbst 1933 erhielt er ein "Handwerkerzertifikat", das ihm im November die Emigration nach Palästina ermöglichte, damals ein Mandatsgebiet des Völkerbundes unter britischer Verwaltung. Zunächst verdiente er sich seinen Lebensunterhalt als Zimmermann, im Privaten aber hielt er sein neues Leben und Umfeld in zahlreichen Fotos fest. Als seine Arbeiten durch erste Ausstellungen in Tel Aviv auch öffentlich zunehmend bekannter wurden, richtete er in seiner Wohnung eine Dunkelkammer und später ein Fotostudio ein.

In den 1940er Jahren arbeitete Alfons Himmelreich für das "Palestine Export Journal" und für "HaTa'assia", eine Monatszeitschrift für Industrie und Wirtschaft. Seine Fotografien aus dem Bereich der Industrie- und Werbeindustrie, auf der sich nun spezialisierte, wurden häufig als Vorlage für Werbeanzeigen und Plakate genutzt. Himmelreich widmete sich jedoch nicht ausschließlich der Produktfotografie, sondern hielt auch Motive aus dem Kulturbereich fest - wie beispielsweise seine Tanzstudien belegen, die 1987 im Museum für israelische Kunst in Ramat Gan ausgestellt wurden. Außerdem fertigte er Porträt- und Naturaufnahmen an. 1982 gab er sein Studio auf und starb im Alter von 88 Jahren in Tel Aviv, wo er auch begraben liegt.


Aus dem AK "Unbelichtet. Münchner Fotografen im Exil" (2010)

(Tatjana Neef)

Literatur

  • Jüdisches Museum München / Tatjana Neef (Hg.): AK Unbelichtet. Münchner Fotografen im Exil [Dt.-Eng.]München 2010, S. 60-89.

GND: 142224693