Italo Svevo, der eigentlich Aaron Hector (italienisch: Ettore) Schmitz hieß, kam 1861 in der Handelsmetropole Triest zur Welt. Von Seiten des Vaters war er deutsch-jüdischer, mütterlicherseits italienisch-jüdischer Herkunft. Prägend für seinen späteren Lebensweg war ein vierjähriger Aufenthalt in einem Internat bei Würzburg, bei dem er sich die deutsche Sprache aneignete und die Bücher deutscher Schriftsteller und Philosophen las. Sein später gewähltes Pseudonym "Italo Svevo" ("der italienische Schwabe") sollte seine Stellung zwischen der italienischen und deutschen Kultur ausdrücken. Schmitz absolvierte eine kaufmännische Ausbildung, schrieb aber seit 1880 auch Zeitungsartikel und erste Theaterstücke. Während seiner Tätigkeit als Bankangestellter entstanden Novellen und Erzählungen. 1892 und 1898 kamen seine ersten beiden, leider erfolglosen Romane heraus ("Una vita" und "Senilità"). Aaron Schmitz trat 1899 in die expandierende Lackfabrik seines Schwiegervaters ein. Die Bekanntschaft mit dem irischen Schriftsteller James Joyce inspirierte Schmitz zu seinem dritten Roman ("La coscienza die Zeno", 1923), mit dem ihm der Durchbruch gelang. Heute gilt Svevo als ein Begründer des psychologischen Romans.
Als fünftes von acht Kindern kam Aron Hector Schmitz (italienisch Ettore Schmitz) 1861 in Triest als Sohn des aus dem Rheinland eingewanderten jüdischen Kaufmanns Franz Schmitz und der aus dem Friaul stammenden italienischen Mutter Mirjam Felice (Allegra) Moravia zur Welt. Der Vater handelte mit Glaswaren; die Familie war sehr begütert. Triest war damals ein bedeutender Wirtschaftsstandort und der wichtigste Hafen der Donaumonarchie. 1918 fiel die Stadt an Italien. Im Alter von zwölf Jahren wurde Ettore mit seinen Brüdern Adolfo und Elio auf eine Handelsschule mit Internat nach Segnitz (in der Nähe von Würzburg gelegen) geschickt. Da für die Söhne eine kaufmännische Karriere geplant war, sollten sie hier die dafür nötigen Deutschkenntnisse erwerben. Die 1838 durch den jüdischen Kantor und Lehrer Julius Brüssel gegründete Unterrichtsstätte hatte einen hervorragenden Ruf. Um 1870 lebten hier über 170 Schüler, die aus ganz Europa und aus Amerika kamen. Ettore lernte in kurzer Zeit perfekt Deutsch. Er las damals die Autoren der deutschen Klassik, sowie Heinrich Heine und Jean Paul und beschäftigte sich mit der Philosophie Arthur Schopenhauers. 1878 kehrte er nach Triest zurück und führte seine Ausbildung am "Istituto Superiore di Commercio" fort.
Ab 1880 schrieb er unter dem Pseudonym E. Samigli für die in Trient erscheinende "L'Indipendente" Artikel und Theaterkritiken. Daneben verfasste er vier Theaterstücke, die aber keine Resonanz in der Öffentlichkeit fanden. Als sein Vater mit seinem Unternehmen in Konkurs fiel, entschloss sich Ettore für eine Anstellung bei der "Banca Union", der Triester Filiale der Wiener Unionbank. Neben der Arbeit ging er weiterhin seiner schriftstellerischen Tätigkeit nach. 1890 veröffentlichte "L'Indipendente" seine Erzählung "L'assassinio di via Belpoggio". Zwei Jahre später ließ Ettore seinen ersten Roman mit dem Titel "Una Vita" auf eigene Kosten drucken. Das Buch erschien unter dem neuen Pseudonym Italo Svevo, das er nun für sein literarisches Schaffen beibehalten sollte. Die Wahl dieses Pseudonyms war Ausdruck seiner Prägung durch die italienische und deutsche Kultur, denn Italo Svevo heißt "der italienische Schwabe". Die Literaturkritiker schenkten dem Werk wiederum kaum Beachtung.
1896 heiratete Schmitz seine Cousine Livia Veneziani. Ein Jahr später wurde die Tochter Letizia geboren. 1898 erschien Svevos zweiter Roman "Senilità", dessen Druck er wiederum selbst finanzierte. Auch dieses Buch brachte ihm keinen Erfolg. So gab er vorerst das Schreiben auf und trat 1899 in die Firmenleitung seines Schwiegervaters ein. In dem gutgehenden Unternehmen, einer Fabrik für Schiffslacke, war sein Wohlstand abgesichert. Im Dienst der Firma reiste er dann oft nach Frankreich und England, wo seit 1903 eine Niederlassung von Moravia-Veneziani bestand. Um die geschäftlichen Kontakte zu vertiefen, beschloss Schmitz Englischunterricht zu nehmen. Er lernte so 1905 an der Triester Berlitz-School den irischen Schriftsteller James Joyce kennen, der dort als Sprachlehrer arbeitete. Die beiden Autoren freundeten sich an und Joyce ermunterte Schmitz zu weiteren literarischen Arbeiten.
Nach dem Ersten Weltkrieg übersetzte Svevo "Die Traumdeutung" von Sigmund Freud ins Italienische und beschäftigte sich intensiv mit Psychoanalyse. Er betätigte sich auch politisch und schrieb Artikel für die neue Zeitung "La Nazione". Zugleich begann er wieder unter dem Pseudonym Italo Svevo zu schreiben. Sein dritter Roman mit dem Titel "La coscienza di Zeno" wurde 1923 veröffentlicht. Vorerst erhielt er wiederum keine nennenswerte Resonanz in Italien. Doch sein Freund James Joyce, der mittlerweile in Frankreich lebte, warb bei französischen Kritikern für das Werk. Er initiierte in Paris eine öffentliche Debatte über die Romane Svevos, so dass er mit einem Schlag bekannt wurde. Auszüge seiner Texte erschienen in einer Sondernummer der Zeitschrift "Le Navire d'Argent." So gelang ihm auf dem Umweg über Frankreich der Durchbruch. 1927 erschien Italo Svevos dritter Roman in französischen Übersetzung. Im selben Jahr wurde sein Einakter "Terzetto Spezzato" in Rom uraufgeführt. Svevo begann damals noch die Arbeit an einem vierten Roman unter dem Titel "Il vecchione". Dieser blieb jedoch unvollendet.
Am 13. September 1928 starb der Schriftsteller in Motta di Livenza (bei Treviso) nach einem Autounfall. Das Gesamtwerk Italo Svevos umfasst drei Romane (deutsche Titel: Ein Leben, Ein Mann wird älter, Zeno Cosini), eine Vielzahl von Novellen, Erzählungen und Essays, sowie zwölf Theaterstücke. Die ersten deutschen Ausgaben seiner Werke kamen 1929/1930 auf den Markt. Die Resonanz auf seine Veröffentlichungen war lange sehr gering. Heute jedoch zählt Svevos Oeuvre zu den Klassikern der europäischen Literatur. Er gilt als einer der Begründer des psychologischen Romans.
Italo Svevo gilt heute als einer der bedeutendsten europäischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. In Triest richtete man für ihn das Italo-Svevo-Museum ein. Die Sammlung umfasst viele Originalentwürfe seiner Texte, handschriftliche Notizen, ein umfangreiches Konvolut von Briefen an seine Frau Livia, an James Joyce, André Gide und weitere bekannte Persönlichkeiten der damaligen Kulturszene, viele Familienfotos und persönliche Gegenstände aus dem Besitz des Schriftstellers. In Hamburg wird seit 2001 jährlich der mit 15.000 EUR dotierte Italo-Svevo-Preis an eine Autorin oder einen Autor verliehen, der/dem nach Ansicht der Jury trotz hervorragender literarischer Leistungen die gebührende öffentlicher Anerkennung und Aufmerksamkeit bislang versagt blieb.
(Christine Riedl-Valder)
Literatur
- Mario Sechi (Hg.): Italo Svevo. Il sogno e la vita vera. Donzelli. Rom 2009.
- Nils Kohlmann: Triest. Künderin der Moderne. Zum existenzialistischen Gehalt der Werke von Italo Svevo, Umberto Saba und Scipio Slataper. Saarbrücken 2008.
- Livia Veneziani Svevo: Das Leben meines Mannes Italo Svevo ("Vita di mio marito"). Frankfurt a. M. 1994.
- P.-H. Kucher: Schmitz Ettore (Hektor Aron). In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL), Bd. 10. Wien 1994, S. 335f.
- Rudolf Behrens u.a. (Hg.): Italo Svevo. Ein Paradigma der europäischen Moderne. Würzburg 1990.
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Quellen
GND: 118758012