Biografien
Menschen aus Bayern

Lasso Orlando di Komponist, Hofkapellmeister

geboren: 1530 oder 1532, Mons (Hennegau)
gestorben: 14. 6. 1594, München

Verheiratet seit 1558 mit Regina Wekhinger (Wäckinger, Wägginger), Tochter eines Landshuter Stadtschreibers; mit dieser zahlreiche Kinder, u.a. Ferdinand (Komponist und Hofkapellmeister in München), Rudolph (Hoforganist und Komponist in München) und Regina, die in erster Ehe mit dem Maler Hans von Aachen verheiratet war.

Orlando di Lasso kam schon 1544 aufgrund seiner auffallenden Begabung als Chorknabe nach Palermo, Neapel und Mailand. In Rom trat er später seine erste Kapellmeisterstelle in San Giovanni in Laterano an. Im Jahr 1556 holte ihn schließlich Herzog Albrecht V. von Bayern an die Münchner Hofkapelle. Dort entstand durch Orlando di Lasso eines der bedeutendsten Zentren europäischer Renaissancemusik.

Orlando di Lasso wurde in Mons im Hennegau (heute Belgien) geboren und hieß mit eigentlichem Namen Roland Lassus. Seine Eltern und sein genaues Geburtsjahr sind jedoch unbekannt. In Mons bekam er eine erste musikalische Ausbildung an der Saint-Nicolas-Kirche, wo er als Chorknabe erzogen wurde. Anscheinend fiel er dort schon bald durch seine Stimme und Musikalität besonders auf, denn Ferrante I. Gonzaga, der bei Saint-Dizier kaiserliche Truppen befehligte, nahm den jungen Roland 1544 mit nach Sizilien. Fast zehn Jahre hielt sich der junge Musiker in Palermo, Neapel und Mailand auf, wo er mit Sicherheit entsprechend seiner Begabung weiter ausgebildet wurde. Auf diese Zeit geht wohl auch die Italianisierung seines Namens zurück. 1554 trat er seine erste Stelle als Kapellmeister in San Giovanni im Lateran an, verließ diese aber schon nach einem Jahr wieder. Gegen 1555 ließ er sich in Antwerpen nieder, ohne jedoch eine feste Anstellung anzunehmen. 1556 wurde Orlando di Lasso, dessen Kompositionen mittlerweile schon im Druck erschienen, von Herzog Albrecht V. von Bayern an die Münchner Hofkapelle geholt, wo er anfänglich noch als Sänger mitwirkte und 1564 zum Kapellmeister aufstieg. In den folgenden Jahrzehnten ging Lasso neben seiner Verpflichtung am Hofe vielfach auf Reisen, die unter anderem der Anwerbung guter Sänger für die Kapelle dienten. Er begleitete aber auch häufiger den Herzog auf dessen Reisen. Bei dieser Gelegenheit wurde ihm die Wertschätzung angesehener Persönlichkeiten zuteil: Kaiser Maximilian II. erhob ihn 1570 in den Adelsstand und Papst Gregor XIII. verlieh ihm 1574 den Titel eines Ritters zum Goldenen Sporn. Ein Angebot vom Kurfürst von Sachsen, die Hofkapelle in Dresden zu leiten, lehnte Orlando di Lasso 1580 ab. Seine letzten Lebensjahre waren von einem Nervenleiden und einer depressiven Stimmung geprägt, die sich noch verstärkte, als Wilhelm V. die Mitgliederzahl der Hofkapelle um die Hälfte reduzierte, um Kosten zu sparen.
Als Orlando di Lasso am 14.6.1594 starb, hinterließ er ein Werk von nahezu 2000 Kompositionen, das das gesamte musikalische Stilspektrum seiner Epoche umfasste. Er komponierte sowohl geistliche Musik in Form von Messen, Motetten, Passionen und Magnificat-Vertonungen als auch weltliche Musik wie Madrigale, Villanellen, Chansons und deutsche Lieder. Die Bandbreite reicht dabei vom Religiös-Erhabenen bis zum Deftig-Frivolen. Er vertonte Texte ganz unterschiedlicher Sprachen wie aus dem Niederländischen, Französischen, Lateinischen, Italienischen und dem Deutschen. In der Musikgeschichte gilt Lassos Musik als Höhepunkt der klassischen Vokalpolyphonie, wobei sich seine Kompositionen von denen seiner Zeitgenossen durch einen Reichtum an Affekten, bzw. Affektvertonungen abheben.